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Politik Inland
08/26/2019

Werner Kogler: Der Grüne, den man nicht fürchtet

Der Grünen-Chef hat sich zu einer neuen grünen Marke gemausert. Warum das funktioniert.

von Ida Metzger

Eigentlich ist sie ein Relikt aus dem Wahlkampf 2013, das zu seinem Markenzeichen avancierte: Die knallgrüne Sonnenbrille, die Werner Kogler bei fast allen Wahlkampfauftritten trägt. Mittlerweile ist die Nachfrage nach dem Accessoire so groß, dass alle Lager in den Büros der Grünen nach Altbeständen durchforstet werden.

Werner Kogler, der Mann aus zweiten Reihe, der niemals Parteichef oder Spitzenkandidat werden wollte, entpuppt sich zum grünen Bestseller. Aber warum funktioniert der Typus Kogler?

Klar, kommt ihm vor allem der aktuelle Mainstream entgegen – alle Parteien sind jetzt für den Klimaschutz. Aber das ist nicht sein einziges Erfolgsgeheimnis.

Während Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen als intellektueller Wirtschaftsprofessor vor 18 Jahren eher ein Angebot an das bürgerliche Lager war und Eva Glawischnig sowie Wiens Ex-Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou für viele zu unwählbaren Reizfiguren wurden, symbolisiert Kogler eine ganze neue Marke: Er ist der „Grünen, vor dem man sich nicht fürchten muss“, analysiert Politik-Experte Thomas Hofer.

SONDERSITZUNG DES NATIONALRATES: GLAWISCHNIG/KOGLER

Grüner mit Schmäh

Kogler, verkörpert perfekt den jovialen Grün-Politiker, mit dem man „sogar gerne auf ein Bier gehen würde“. Und dem einen oder anderen Gläschen ist der gebürtige Steirer natürlich auch nicht abgeneigt. Statt in Designer-Outfits und mit erhobenem Zeigefinger aufzutreten, wie es eine seiner Vorgängerinnen gerne machte, tritt Kogler hemdsärmelig auf, verzichtet auf die Verbotskultur. Dazu hat er stets einen wahres Schmäh-Feuerwerk parat. „Es war ihm ein Anliegen, sich von den Vorgängern zu unterscheiden“, sagt eine Wegbegleiterin.

Kogler ist ein authentischer Steirer, der mit witzigen Sprüchen und flotten Sagern auch immer wieder Furore macht“, so die Sprachtrainerin Tatjana Lackner. Sein Dialekt-Kolorit ist sympathisch, selbst sein Nuscheln und seine vielen „Ähs“, seien grundsätzlich sympathisch, analysiert Lackner.

Sein Image als bodenständigen Typ pflegt Kogler auch bei jeder TV-Konfrontation, indem er das Hochkrempeln seines Hemdes sehr bewusst vor der TV-Kamera inszeniert. Kogler will damit signalisieren, dass „die Grünen nicht sudern, sondern anpacken“, so eine Kogler-Kennerin.

EU-WAHL: WAHLKAMPFAUFTAKT - DIE GRÜNEN: WIENER / KOGLER / HABECK

Wie das grüne Comeback gelingen könnte, hat sich Kogler vor allem auch bei den deutschen Grünen abgeschaut. „Die deutschen Kollegen vermitteln perfekt, dass die Welt retten, auch Spaß machen kann“, sagt Kogler selbst.

Er hat wie Robert Habeck, Deutschlands große grüne Hoffnung, einen „pragmatischen Zugang zu den Lösungen“, attestiert ihm Politikberater Hofer. Auch beim Styling sind Kogler und Habeck fast ident: Der deutsche Grünen–Chef tritt meistens nur mit Jeans und Hemd auf. Dazu kommt, dass der Umweltschutz nie Koglers Leibthema war. Der Steirer widmete sich jahrelang dem Hypo-Skandal, deswegen ist er „inhaltlich in diesem Punkt ist nicht der Ausgefeilteste, aber gerade das macht ihn sympathisch, weil er nicht radikal auftritt“, meint Hofer.