Wehrpflicht: Warum die Befragung de facto vom Tisch ist

Es gibt einige Gründe, die aus Sicht von SPÖ und Neos dagegen sprechen.
POLITISCHER NEUJAHRSAUFTAKT DER ÖVP MIT REDE VON BUNDESKANZLER STOCKER

Als Bundeskanzler Christian Stocker im Jänner die Idee ventilierte, die Bevölkerung solle zur Verlängerung der Wehrpflicht befragt werden, da war es spür- und absehbar, dass die Sache in der Praxis nicht einfach wird. SPÖ und Neos reagierten auffallend kühl. Und das lag nicht allein daran, dass der Kanzler seine Koalitionspartner vorab nicht informiert hatte.

Schon damals gab es in den Parteien von Andreas Babler und Beate Meinl-Reisinger strategische und inhaltliche Vorbehalte. Und diese wurden seit Ende Jänner nicht weniger, im Gegenteil: Während die offizielle Darstellung noch immer lautet, die Dreierkoalition verhandle auf „parlamentarischer Ebene“ über die Befragung, sagen namhafte Vertreter von SPÖ und Neos dem KURIER jetzt im Hintergrund, das Thema sei de facto gelaufen.

Anders formuliert: Mit großer Sicherheit wird es von SPÖ und Neos im Nationalrat keine Zustimmung zu einer Wehrpflicht-Befragung geben.

Gründe dafür existieren viele. Einer ist der rechtliche Aspekt. Laut Verfassung muss eine Volksbefragung eine Frage enthalten, die entweder mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten ist oder aus „zwei alternativen Lösungsvorschlägen“ besteht. Nach allem, was bisher bekannt ist, will die ÖVP „nur“ verschiedene Varianten einer Verlängerung abfragen lassen. Und ob dies der gesetzlichen Vorgabe entspricht, darüber lässt sich unter Juristen zumindest streiten.

Hinzu kommt: Die Mehrheit der Abgeordneten von SPÖ und Neos scheint nunmehr überzeugt, dass die Bevölkerung zu vielem befragt werden will und soll – aber eben nicht über die technischen Details einer Wehrdienst-Verlängerung.

„Mir sagen die Menschen in meinem Wahlkreis, dass sie über die Frage ‚6 plus 2‘ oder ‚8 plus zwei‘ nicht kompetent entscheiden können. Das sei der Job der Politik bzw. der Regierung“, erklärt ein SPÖ-Abgeordneter. Ähnliche Stimmen gibt es bei den Neos.

Und was in Stockers Überlegungen offensichtlich auch nur bedingt eingeflossen ist, ist die Frage: Wie würde eigentlich die FPÖ auf eine Volksbefragung reagieren? Würde sie versuchen, diese zu einem Publikumsvoting über die Regierung zu machen? Und was hieße das für die Koalition?

Aus diesen und anderen Motiven rücken nun auch ÖVP-Politiker ab von der Idee einer Volksbefragung. „Vielleicht ist sie gar nicht nötig“, sagt ein ÖVP-Parlamentarier. „Uns geht’s am Ende ja um das Ergebnis.“ Anders gesagt: Wenn man sich mit SPÖ und Neos politisch auf eine Verlängerung einigen kann, dann muss die Volksbefragung möglicherweise gar nicht sein.

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