Preis für Rassentheoretiker? Grüne Kritik an Rosenkranz
Schon im November, als das sogenannte Dinghofer-Symposium im Parlament abgehalten wurde, sorgte die Veranstaltung für Irritationen.
Peter Haubner und Doris Bures, also der Zweite und die Dritte Nationalratspräsident/in, machten – wie viele andere – kein Geheimnis daraus, dass sie es für problematisch hielten, dass Walter Rosenkranz zum Symposium in seiner Funktion als Nationalratspräsident und damit formal zweithöchster Mann des Staates einlud: Immerhin war der Namensgeber deklarierter Antisemit und NSDAP-Mitglied. Auch die Tatsache, dass das Symposium ausgerechnet am Tag nach dem offiziellen Gedenken an die Novemberpogrome stattfand, wurde als, gelinde gesagt, suboptimales Timing bezeichnet.
Zwei Monate später muss sich Rosenkranz erneut mit dem Symposium beschäftigen. Denn der eben dort vergebene Preis ging an Wolfgang Dvorak-Stocker und dessen Verlag. Und das ist für den grünen Abgeordneten Lukas Hammer die nächste Entgleisung bzw. Provokation.
Warum, das ist nun in einer dem KURIER vorliegenden Parlamentarischen Anfrage Hammers an Rosenkranz nachzulesen.
Holocaust-Leugner
Darin erinnert Hammer daran, dass Dvorak-Stocker allein im Rechtsextremismusbericht des DÖW 15-mal Erwähnung finde, Rassentheorien verfechte und von einem Existenzkampf des deutschen Volkes im Zweiten Weltkrieg spreche.
Dem nicht genug, veröffentliche Dvorak-Stockers Verlag rechtsextreme Publikationen. Darunter die NS-apologetische Autobiografie von SA-Sturmführer Otto Scrinzi, eine von Holocaust-Leugner David Irving verfasste Biografie von Rudolf Heß oder auch Werke von deutschen Neonazis und NS-Propagandisten wie Hans Grimm.
In seiner Parlamentarischen Anfrage will Hammer von Rosenkranz wissen, ob dieser im Vorfeld des Symposiums über den Preisträger informiert wurde und ob er die Publikationen des ausgezeichneten Verlags vorab gekannt hat.
Lukas Hammer hält das Symposium per se für „beschämend“. „Dass dort aber auch noch mit Wolfgang Dvorak-Stocker jemand ausgezeichnet wurde, der über seinen Verlag übelsten Antisemitismus und Holocaust-Leugnung verbreitet, zeigt einmal mehr, dass Walter Rosenkranz jedes Gespür für die Würde des Parlaments verloren hat.“
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