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Politik Inland
05/04/2020

Virologin zu niedriger Dunkelziffer: "Virus kann sich wieder ausbreiten"

"Nur" 0,15 Prozent der Bevölkerung infiziert. Schutzmaßnahmen seien weiter nötig, sagt Judith Aberle von der Uni Wien.

von Raffaela Lindorfer

Maximal 10.823 Menschen in Österreich sind an Covid-19 erkrankt. Das geht aus einer zweiten Studie zur Dunkelziffer an Erkrankten hervor, die am Montag präsentiert wurde. Das sind 0,15 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Waren die harten Maßnahmen angesichts so niedriger Zahlen gerechtfertigt?

Die Zahlen sind gerade wegen der harten Maßnahmen so niedrig, sagte Virologin Judith Aberle von der Uni Wien am Abend in der "ZiB2".

Und: "Fakt ist aber auch, dass das Virus noch da ist und sich auch wieder ausbreiten kann."

Weiter Abstand und Mundschutz

Deshalb seien Schutzmaßnahmen wie die Bedeckung von Mund und Nase und das Abstandhalten weiterhin wichtig. Die Infektionszahlen sollen ständig kontrolliert werden, damit man rasch eingreifen kann, wenn sie wieder steigen.

Im Prinzip erzählte die Virologin genau das, was die Regierung seit Wochen predigt. Kritiker hatten Türkis-Grün vorgeworfen, die Maßnahmen seien völlig überzogen, und es werden auch wieder jene Stimmen lauter, die meinen, das Coronavirus sei nicht schlimmer als die saisonale Grippe.

Aberle hält dagegen: Aus virologischer Sicht seien die Maßnahmen gerechtfertig gewesen - und auch sie verweist (wie türkise und grüne Regierungsmitglieder) auf die Situation in Frankreich, Italien und Spanien, wo die Zahl der Toten fünfstellig ist.

Skepsis zu Antikörper-Tests

Die Statistik Austria und die MedUni Wien haben im Rahmen der Studie zusätzliche Antikörpertests in 27 besonders betroffenen Gemeinden durchgeführt. Dabei habe sich herausgestellt, dass dort nur etwa jeder 20. Bürger mit dem Virus in Kontakt gekommen sei.

Die "Durchseuchung" liegt dort also bei fünf Prozent. Bei weitem zu wenig für eine Herdenimmunität. Das sei aber ohnehin eine "Illusion", meinte Minister Heinz Faßmann am Montag bei der Präsentation der Zahlen.

Virologin Aberle warnte in der "Zib2", dass Antikörper-Tests nicht immer zuverlässig seien. Es gebe Schnelltests am Markt, deren Ergebnisse sehr ungenau seien und eine falsche Sicherheit vermitteln.

Die Statistik Austria habe für ihre Studie Neutralisationstests verwendet, die Speziallaboren vorbehalten seien. Dabei wird das Virus angezüchtet, man kann dann im Blut des Patienten untersuchen, ob es zu einer Infektion kommt - oder ob Antikörper das verhindern. So werde bestätigt, dass jemand immun ist.

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