So viel wie USA: Warum Europas Armeen teurer werden und nicht stärker

Europäische NATO-Staaten holen bei Rüstungsausgaben dramatisch auf. Doch man kauft zu teuer und schlecht koordiniert.
Roll-out of new Leopard tank and howitzer PZH 2000 at KNDS

Schon die nackten Zahlen sind ebenso beeindruckend wie angsteinflößend: Die europäischen Mitgliedsländer im Verteidigungsbündnis NATO werden bis 2030 ihre Ausgaben für Verteidigung auf 800 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen. Das ist das Ergebnis einer soeben veröffentlichten Studie der renommierten Wirtschafts-Beratungsagentur McKinsey. Bis dahin werden sie also die USA ein-, wenn nicht überholt haben, die derzeit auf rund 800 Milliarden Dollar jährlich an Verteidigungsausgaben kommen.

Eine dramatische Steigerung also, angetrieben von den neuen Budgetvorgaben für die NATO-Staaten. Unter dem Druck der Trump-Regierung in Washington hat man sich darauf geeinigt, 3,5 Prozent des jeweiligen BIP für Verteidigung auszugeben, dazu kommen noch einmal 1,5 Prozent, die in Infrastruktur gesteckt werden, die nicht nur der zivilen, sondern auch der militärischen Mobilität dienen: Straßen, Eisenbahnen, oder Brücken, die auch für den Transport von schwerem militärischen Gerät geeignet sind. Doch McKinsey hat für die Studie nicht nur die Ausgaben für Verteidigung, sondern auch die Herausforderungen analysiert – und die sind ebenfalls riesig.

Zwar könne man mit den veranschlagten Rekordsummen seit Jahrzehnten überfällige Anschaffungen von Waffen und Ausrüstung nachholen, ob aber die Verteidigungsfähigkeit Europas da mithalten könne, sei fraglich.

Weiterhin Alleingänge

Der Grund: Die derzeitigen europäischen Systeme für Anschaffungen im Verteidigungsbereich seien angesichts der aktuellen geopolitischen Lage nicht effektiv genug. „Es bedarf grundlegender Reformen, um schnelle Entscheidungen, einen raschen Einsatz und eine nachhaltige Skalierbarkeit zu ermöglichen“, so das Fazit der Studie, aus der die deutsche Zeitung Welt zitiert.

Die Streitkräfte der Staaten Europas seien bei ihren Waffenkäufen bis heute schlecht koordiniert. Jeder würde auf eigene Faust planen und einkaufen. Zwar bemüht sich die EU, ihre Mitglieder zu gemeinsamen Waffenkäufen, oder auch der Entwicklung von Waffensystem zu motivieren, vorerst aber gibt es dafür nur vereinzelte Pilotprojekte.

Geringe Stückzahlen - hohe Preise, viele Typen

Die Folgen: Europas Waffenproduzenten haben wegen der meist geringen Stückzahlen, die bestellt werden, überdurchschnittlich hohe Preise. Moderne Kriegsführung dagegen brauche verlässlich in hoher Stückzahl verfügbare und daher billigere Systeme, statt teure, für jede einzelne Armee maßgeschneiderte Waffen.

Deutlich wird das, wenn man die Anzahl der unterschiedlichen Waffensysteme europäischer NATO-Streitkräfte mit jenen der US-Armee vergleicht. So gebe es in Europa 14 verschiedene Typen von Kampfpanzern, in den USA dagegen nur einen. Noch größer sind die Unterschiede bei Artillerie, oder Kampfjets. Der notwendige Umbau der Rüstungsindustrie in Europa sei allerdings langwierig, so die Studie. Bis dahin werde wohl weiter viel Geld für Waffen in die USA fließen.

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