Was der Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland bedeutet

US-Präsident Donald Trump macht Ernst: Auch amerikanische Mittelstreckenraketen sollen nicht in Deutschland stationiert werden.
FILE PHOTO: U.S. Air Force hosts multinational exercise at Germany's Ramstein Air Base

„Ohne unsere Amerikaner“, sagte Susanne Geib Ende April der Süddeutschen Zeitung, „würden wir wieder auf die Weide gehen und Kühe melken“. Geib betreibt ein Hotel im Gewerbegebiet von Ramstein in Rheinland-Pfalz – dort, wo sich der größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb der Vereinigten Staaten befindet. Rund 80 Prozent ihrer Kunden hätten mit der Air Base zu tun, sagt sie.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums waren dort Ende 2025 rund 9.000 US-Soldaten stationiert, insgesamt sind es in Deutschland derzeit etwa 39.000. Nun, so kündigte es US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf Samstag an, soll diese Zahl verkleinert werden. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten sollen rund 5.000 Soldaten aus Deutschland abgezogen werden. Zudem soll die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland abgeblasen werden, darunter Tomahawk-Marschflugkörper. 

Nach Kritik von Friedrich Merz

Offiziell begründet Washington den Schritt mit einer Überprüfung der Truppenpräsenz in Europa. Neu ist der Gedanke nicht: Bereits gegen Ende seiner ersten Amtszeit hatte Trump versucht, Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Sein Nachfolger Joe Biden drehte die Pläne nach Amtsantritt ab.

Dass die Entscheidung ausgerechnet jetzt erfolgt, kann aber als direkte Abrechnung mit Berlin verstanden werden. Dass der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU) es zuletzt gewagt hatte, Trumps Iran-Strategie scharf zu kritisieren, hat dem US-Präsidenten nämlich gar nicht geschmeckt. Er reagierte mit verbalen Ausfällen, erhöht die Einfuhrzölle für Autos und Lkw aus Europa in die USA auf 25 Prozent  (was die deutsche Autoproduktion  jährlich zusätzlich um rund 2,5 Mrd. Euro belasten könnte) und drohte mit einem vollständigen Truppenabzug aus der Bundesrepublik – was Beobachter jedoch als unwahrscheinlich einstuften. Immerhin sind die deutschen Basen für US-Operationen – etwa im Nahen Osten – unerlässlich.

Reduktion um 15 Prozent

Geplant ist nun stattdessen also eine Reduktion um etwa 15 Prozent. Vor dem Hintergrund der Gesamttruppenstärke in Deutschland und Europa gilt das sicherheitspolitisch zunächst als nicht allzu gravierend. Deutschland bliebe damit nach Japan zweitgrößter Standort US-amerikanischer Streitkräfte weltweit.

Die deutsche Bundesregierung gab sich am Samstag auch betont gelassen. Verteidigungsminister Boris Pistorius nannte die Entscheidung „absehbar“ und forderte, dass die Europäer ihre Anstrengungen innerhalb der NATO verstärken sollten. Dennoch haben die jüngsten Spannungen die Sorge vor einem tieferen Bruch innerhalb des Verteidigungsbündnisses und einer Gefährdung seiner Abschreckungswirkung verstärkt. Trump hatte zuletzt auch anderen Verbündeten mit Truppenabzug gedroht, etwa Italien und Spanien.

Noch offen ist, welche Einheit oder Einheiten in Deutschland konkret betroffen sein sollen. Das Pentagon sprach in seiner Ankündigung lediglich von einem „Brigade Combat Team“, also einer Kampfbrigade.

Die wirtschaftlichen Folgen können für die betroffene Region durchaus erheblich sein – für Kommunen, Arbeitsplätze und Unternehmen. Viele Stützpunkte liegen im Südwesten und Süden Deutschlands, so auch Ramstein. Dort lässt sich die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz laut Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) pro Jahr „auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“.

Kommentare