FPÖ-Kritik an Habsburg: Auch Ursula Stenzel legt St.-Georgs-Orden zurück
Die Kritik aus den Reihen der FPÖ gegen den Kaiserenkel Karl Habsburg will nicht verstummen. Nachdem Ex-Parteichef Norbert Hofer am Wochenende wie berichtet seine Ehrenritterschaft im illustren St.-Georgs-Orden, dem Habsburg als Großmeister vorsteht, zurücklegte, schließt sich nun eine weitere prominente Blaue an. Ursula Stenzel, einst ÖVP-Bezirksvorsteherin in Wien – Innere Stadt und dann FPÖ-Stadträtin – legt den Orden „aus Protest gegen die Äußerung Karl Habsburgs zur FPÖ zurück“, wie sie auf X schreibt. Sie wolle sich „noch in den Spiegel schauen können“.
Wie berichtet hatte Habsburg in einer Rede zu seinem 65. Geburtstag die EU-Fraktion „Patrioten für Europa“, zu der auch die FPÖ gehört, scharf kritisiert. Sie seien die „fünfte Kolonne Moskaus“ und würden damit doppelten Hochverrat betreiben – „am eigenen Land und an Europa“.
Auch FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz hatte die Aussagen Habsburgs scharf zurückgewiesen: „Er liegt schlicht und ergreifend falsch.“
Unterdessen mischt sich auch der ehemalige FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache in den Disput ein - und kritisiert seine ehemaligen Parteikollegen. In einem ausführlichen Posting auf X führt er aus, dass für ihn eine Mitgliedschaft eines Ordens, der in direkter Tradition des Hauses Habsburg stehe, „für einen national-freiheitlichen Grundsatzmenschen grundsätzlich nicht in Betracht kommt.“ Wer sich ernsthaft auf 1848 berufe, „kann sich nicht gleichzeitig in eine neohabsburgische Traditionslinie stellen, ohne die eigene weltanschauliche Grundlage preiszugeben“.
Es verwundere daher, dass „viele sogenannte Freiheitliche dort Mitglied geworden sind und jetzt austreten müssen. Aus diesem Grund habe ich bereits 2018 eine entsprechende Mitgliedsanfrage abgelehnt. Nicht aus persönlichen Motiven, sondern aus politischer Konsequenz.“
Tatsächlich traten damals viele FPÖ-Spitzenfunktionäre in den Orden ein. Etwa der frühere Vizekanzler Herbert Haupt oder Ex-Klubchef Johann Gudenus. Maßgeblich verantwortlich dafür war laut damaligen profil-Recherchen Helmut Günther, Sektionschef im Sozialministerium und bis 2015 Wiener FPÖ-Landtagsabgeordneter, der bis 2017 als „Kanzler“ an einer Schlüsselstelle des Ordens saß. Erst dann wandte sich Habsburg zunehmend gegen die blaue „Unterwanderung“ des Ordens.
Andreas-Hofer-Bund verstimmt
Habsburg hat sich unterdessen für seine Kritik an der FPÖ einen Rüffel des ihm nahestehenden Andreas-Hofer-Bundes eingehandelt. „Es ist ein Novum in der über 100-jährigen Geschichte des AHBT, dass öffentliche Kritik an einem Mitglied des österreichischen Kaiser- und Tiroler Fürstenhauses geäußert wird“, teilte Vereins-Obmann Alois Wechselberger am Dienstag in einer Aussendung mit. „Umso größer ist die Irritation“ über die jüngsten Aussagen „von Karl von Österreich“.
„Unabhängig davon, wie man zur FPÖ stehen mag, erscheint es ungeschickt, dass sich gerade ein Mitglied des Hauses Habsburg öffentlich parteipolitisch positioniert und eine demokratisch gewählte Partei angreift“, so Wechselberger. Er bot seinen Verein als Vermittler an, brach aber zugleich inhaltlich eine Lanze für die FPÖ. Was Südtirol und die österreichischen Volksgruppen betreffe, setze sich diese besonders „klar und konsequent für deren Interessen“ ein. „Vaterlandsliebe, EU-Kritik sowie die neutrale Haltung der FPÖ im Ukraine-Konflikt sind weder mit Nationalismus noch mit Europafeindlichkeit oder einer Nähe zu Russland gleichzusetzen“, betont Wechselberger.
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