"Zur Zeit"-Herausgeber Andreas Mölzer

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Politik Inland
12/11/2018

Umstrittene Ehrung für FPÖ-nahes Blatt wurde nun nachgeholt

Nach Absage im November wurde der Dinghofer-Preis verspätet an "Zur Zeit" vergeben. FPÖ-nahes Blatt aktuell mit Kickl-Sondernummer.

Die weit rechts stehende Wochenzeitschrift Zur Zeit ist nachträglich mit dem Dinghofer-Medienpreis ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung war ursprünglich im Palais Epstein geplant gewesen, das als Parlaments-Außenstelle dient. Nach scharfer Kritik an einem im Blatt erschienenen Text hatte die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller ( FPÖ) damals die Auszeichnung ohne Nennung von Gründen abgesagt. Die Feier hätte ursprünglich am 8. November stattfinden sollen, also im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Gründung der Ersten Republik und einen Tag vor dem Gedenken an die Novemberpogrome.

Die Verleihung an das FPÖ-nahe Blatt fand laut einem Vorab-Bericht der Tiroler Tageszeitung bereits am Montag im "Haus der Heimat" der Landsmannschaften in Wien statt, wie Zur Zeit-Herausgeber Andreas Mölzer gegenüber der Zeitung sagte. Verliehen wurde der Preis demnach vom ehemaligen Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ) in seiner Funktion als Präsident des Dinghofer-Instituts.

Die Laudatio wurde vom ehemaligen F.A.Z.-Redakteur Reinhard Olt gehalten, der im September als neuer Autor beim rechten Monatsmagazin alles roger? vorgestellt wurde. Laut Tiroler Tageszeitung würdigte er Zur Zeit als "Gegengift gegen die toxische Wirkung" der "Auswirkungen der Political Correctness". Olt ist auch Teil der FPÖ-Historikerkommission, in deren Rahmen er einen Beitrag zur Südtirolpolitik der FPÖ lieferte.

Anlass für die Absage im Palais Epstein im Oktober war ein Artikel mit dem Titel "Mehr Recht, Ruhe und Ordnung im Land! - Was wünscht sich Otto Normalverbraucher?" Darin schlug Autor Lajos Rohonczy zahlreiche Verschärfungen vor, unter anderem die Einführung von "Arbeitshäusern", die "Korrektionsmöglichkeit" im Wachzimmer, das Ende des freien Angebots von "unnötigen Studienrichtungen" und die Säuberung des ORF von "linksextremen Elementen". Später distanzierte sich das Wochenmagazin "vollinhaltlich" von diesem Text, er sei "aus Versehen" ins Blatt gerutscht, hieß es.

Sonderausgabe für Kickl

Wie ebenfalls heute bekannt wurde, widmet Zur Zeit dem Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) eine Sondernummer. Darin beschäftigt sich das Wochenblatt mit dem Wirken des Ministers sowie der BVT-Affäre. "Diese Sonderausgabe ist natürlich auch so etwas wie eine Solidaritätsadresse gegenüber dem wohl am heftigsten angefeindeten Minister der neuen Mitte-Rechts-Regierung", heißt es im Editorial.

Der Titel lautet "Herbert K.: Der Law-&-Order-Minister". Der Herausgeber und ehemaliger FPÖ-Chefideologe Mölzer begründet die Themensetzung mit der Kritik, die dem Ressortchef entgegenschlage: "Die Legitimität dieser Sonderausgabe ergibt sich allein schon aus der Tatsache, dass sowohl die linke Opposition als auch die politisch-korrekten Mainstream-Medien den Innenminister zum primären Ziel ihrer Attacken gemacht haben, und dies wohl nicht zufällig", schreibt Mölzer.

Symbolfigur für "wertkonservative Reform"

Kickl sei "zur Symbolfigur dafür geworden, dass diese aus ÖVP und FPÖ gebildete Mitte-Rechts-Regierung tatsächlich gewillt und in der Lage ist, das Land einer wertkonservativen Reform zu unterziehen. Und dafür hat er unsere Unterstützung", so der Gründer des Blattes.