Heinz-Christian Strache redete nach drei Monaten wieder vor einer ORF-Kamera.

© Screenshot ORF

Politik Inland
08/16/2019

Strache über Ibiza-Video: "War in sehr eigenartigem Zustand"

Der ehemalige FPÖ-Chef macht Andeutungen über seine Verfassung während der Video-Aufnahmen und will ein Comeback in Wien.

Nach seinem viel kritisierten Auftritt bei Russia Today hat der ehemalige FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache auch in österreichischen Medien eine große Offensive gestartet.

In der ZiB 2 zeigte sich Strache - wie zuvor schon im KURIER - empört über die Hausdurchsuchung wegen etwaiger illegaler Deals rund um Personalien bei den Casinos Austria und neue Glücksspiellizenzen.

Der ORF konfrontierte Strache damit, dass dieser schon 2017 auf Ibiza von seinem Willen, das Monopol der Casinos Austria abzuschaffen, erzählt hatte. Dies schreiben die zwei damaligen Ibiza-Aufdecker der Süddeutschen Zeitung in ihrem neuen BuchStrache entgegnete, dass die FPÖ immer gegen dieses Monopol gewesen sei. "Aber was man in einem sehr eigenartigen und zu hinterfragenden Zustand sagt, das ist die Frage. Wie ist man dort hingeführt worden. Ich kann für mich sagen, das entspricht nicht meinem Verhaltensmuster. Wenn ich diese Bilder sehe, so weiß ich: Das bin nicht ich."

Von Strache "ein Schmarrn"

Dem widersprach bei einem Interview ebenfalls in der ZiB 2 der Süddeutsche-Journalist Frederik Obermaier entschieden: Strache selbst sei zum Beispiel auf die künftige Benachteiligung des Baukonzerns Strabag zu sprechen gekommen und habe das Gespräch mehrmals auf einen Umbau der Kronen Zeitung gelenkt. Der Münchner Journalist sagte, die Darstellung Straches sei "auf gut Bairisch ein Schmarrn".

Strache hatte in dem mittlerweile legendären Video über Parteispenden vorbei am Rechnungshof, den Kauf der Krone sowie den Austausch einiger Redakteure und die Privatisierung eines ORF-Kanals gesprochen. Außerdem hatte er einer vermeintlichen russischen Oligarchin und Großinvestorin öffentliche Bauaufträge in Aussicht gestellt.

Ein Strache-Zitat aus dem Video: "So, dann haben wir ein Riesenvolumen an infrastrukturellen Veränderungen. Wenn da eine Qualität da ist und ein qualitativer Anbieter da ist...bin ich der Erste, der sagt...dann sag' ich ihr, dann soll sie nämlich eine Firma wie die Strabag gründen, weil alle staatlichen Aufträge, die jetzt die Strabag kriegt, kriegt sie dann."

Anwalt: Keine Grundlage für Durchsuchung

Bereits im KURIER hatte Strache am Freitag kriminelle Handlungen rund um die Casinos Austria, die Novomatic und Glücksspiel-Lizenzen klar zurückgewiesen. Bei den Hausdurchsuchungen, die unter anderem bei Strache und dem Ex-FPÖ-Politiker Johann Gudenus stattfanden, geht es um die Bestellung von Peter Sidlo als Finanzvorstand der Casinos Austria. Sidlo ist FPÖ-Bezirksrat in Wien-Alsergrund.

Die Hausdurchsuchung bei ihm sei eine "Farce" gewesen, die Vorwürfe seien ein "Vollholler". Das Ziel der Staatsanwaltschaft war laut Strache, "an mein Handy und meine Daten zu kommen".

In der ZiB2 nannte der Ex-Parteichef die Hausdurchsuchung zudem einen "Unrechtsakt" aus "politischer Motivation". Strache werde Einspruch und Beschwerde gegen die Durchsuchung einlegen, erklärte sein Anwalt Johann Pauer wiederum im Standard. Eine Razzia gegen einen Politiker auf Basis einer anonymen Anzeige sei nur zulässig, wenn diese sehr plausibel sei. Dies sei aber nicht gegeben.

Im Boulevardsender oe24.TV schilderte Strache Details der Razzia in seinem Privathaus: "Ich war noch nackt, als die Polizei gekommen ist. Ich habe sie dann gebeten, noch etwas zu warten. Es war ein echter Schock, so etwas privat zu erleben."

Strache: Habe an Fortsetzung geglaubt

Im ZiB2-Interview erzählte Strache auch seine Version der Ereignisse unmittelbar nach dem Auffliegen seiner Ibiza-Aussagen. Er sei am Samstagvormittag, 18. Mai, mit dem damaligen Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zusammengetroffen. Strache sei von Ex-Innenminister Herbert Kickl begleitet worden, Kurz habe seinen Vertrauten Stefan Steiner dabei gehabt. Strache habe sich entschuldigt, auch gegenüber Kurz persönlich. Der ÖVP-Chef habe ihm versprochen, wenn Strache aus seinen Regierungs- und Parteiämtern ausscheide, werde er die Koalition fortsetzen.

Wie zuvor schon Kickl sagte auch Strache, es sei an diesem Samstagnachmittag dann allerdings eine neue Bedingung, der Rücktritt Kickls als Innenminister, hinzugekommen. Strache: "Man kann es als Wortbruch bezeichnen."

Rückkehr-Gedanken

Strache wurde auch gefragt, ob eine Rückkehr in die erste Reihe der Politik denkbar sei, auch wenn noch Ermittlungen der Justiz laufen würden. "Selbstverständlich", lautet seine Antwort. Er habe "eine saubere Weste" und lasse "sich nicht mit Dreck bewerfen". Die neuen Vorwürfe rund um Novomatic würden ihn geradezu "animieren", "möglichst rasch ein Comeback zu starten". Gemeint ist auf Wiener Landesebene. Bereits die Wien-Wahl im Jahr 2020 sei "eine Möglichkeit".