Tag 8 als Tag der Aufzeichner
Christian Mattura und Michael Nikbakhsh haben eines gemein bei ihrem Auftritt im Pilnacek-U-Ausschuss: Sie sind Gesprächspartner, die vertrauliche Unterhaltungen gerne mal aufzeichnen. Und das selbst dann, wenn die Gesprächspartner nichts davon wissen.
Lieblingsitaliener
Es geht an diesem achten Ausschusstag also – auch – um zwei später veröffentlichte Mitschnitte. Der eine davon – jener von Mattura – stammt vom 28. Juli 2023.
Zur Erinnerung: An diesem Tag verbrachte Christian Pilnacek den Abend in seinem Lieblingsitaliener in der Wiener Innenstadt. Mit am Tisch: Herr Mattura und der gemeinsame Freund Wolfgang Rauball.
Pilnacek redete sich im Laufe des Abends in Rage, erzählt Mattura. Und weil Pilnacek beschreibt, wie ihm die ÖVP Druck macht, drückte Mattura irgendwann auf den Aufnahme-Knopf seines Smartphones.
Monate später, so sagt der Unternehmer, habe ihn und Rauball dann Sebastian Kurz so genervt, dass man beschlossen hat, den Mitschnitt öffentlich zu machen. Was war passiert? Der Ex-Kanzler habe behauptet, die WKStA sei Pilnacek aufgesessen bzw. habe Jagd auf ihn gemacht. Und weil das so gar nicht dem entsprach, was Pilnacek in seinem Lieblingsitaliener erzählt hat, hätten sie die Aufnahme Medien zugänglich gemacht. Kurz’ Behauptung sei eine „Schweinerei“ gewesen.
Auskunftsperson Michael Nikbakhsh im Rahmen einer Sitzung des Pilnacek-U-Ausschusses am Donnerstag, 12. März 2026, im Parlament in Wien
Man muss nicht viel von Politik verstehen, um zu wissen, dass derartige Vorwürfe und Behauptungen ÖVP-Fraktionschef Andreas Hanger nicht gefallen; schon gar nicht, weil ihm Mattura gleich in seinem Eingangsstatement namentlich angreift und behauptet, Hanger übe Druck auf Auskunftspersonen aus.
Und so wurde der ÖVP-Mann nicht müde zu erwähnen, dass Mattura Sprecher bzw. Lobbyist des illegalen Glücksspiels war.
Was die Vorgänge rund um den Tod des Sektionschefs angeht, wiederholt Mattura von ihm Bekanntes: Die beiden Frauen, gemeint sind Anna P. und Karin Wurm, hätten nach Pilnaceks Ableben Angst gehabt. Und ja, sie hätten auch für seinen Laptop keine Verwendung gehabt – weshalb dieser über Umwege auch bei Mattura gelandet ist.
Der Weg des Gerätes ist ein komplizierter. Plastiksäcke und Tiefgaragen spielen eine Rolle. Und auf dem Gerät, auch das bestätigt Mattura, hätten sich Verschlussakten und parlamentarische Unterlagen befunden.
Podcaster
Vor dem Unternehmer Mattura war Michael Nikbakhsh geladen. Der Journalist betreibt einen Podcast und hat, wie er sagt, fast 20 Folgen mit der Causa Pilnacek bestritten.
Im Mittelpunkt seiner Befragung stand ein Treffen in Nikbakhshs Büro, das lange nach dem Tod des Sektionschefs, nämlich am 9. Dezember 2023, stattfand. Die Teilnehmer: Die Erwähnten, also Anna P., Karin Wurm und Herr Mattura. Und auch Ex-Lobbyist Peter Hochegger war zugegen.
Vor den Abgeordneten bemüht sich Nikbakhsh, seriös zu wirken. Er verwendet eine gewählte Sprache, trägt einen gut sitzenden Anzug, dazu dunkle Krawatte und Stecktuch. Die journalistischen Techniken, die er preisgibt, irritieren allerdings das Auditorium – so auch Verfahrensrichterin Christa Edwards.
Ohne gefragt zu haben, zeichnet der Journalist das zweistündige Gespräch auf.
Warum?, will Edwards wissen. Er habe sich das Mitschreiben ersparen wollen, lautet die Antwort.
In der Sache kann der Journalist keine wesentlichen Neuigkeiten beisteuern.
Auffallend ist, wie unterschiedlich er und Anna P. das Gespräch im „Kellerbüro“ empfunden haben: P. hatte im U-Ausschuss von einem abstrusen, alkoholgeschwängerten Abend gesprochen - um damit ihre dort getätigten ÖVP–kritischen Aussagen zu relativieren.
Nikbakhsh konnte keine derartige Stimmung feststellen. Die Teilnehmer, die die Zweifel an Pilnaceks Suizid versammelt haben, seien „gesittet und ruhig“ gewesen. Keine Anzeichen für einen Exzess also. „Ich halte mich für einen ganz guten Gastgeber“, sagt Nikbakhsh nicht ohne Selbstbewusstsein.
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