U-Ausschuss, Tag 8: Nikbakhsh und Mattura werden befragt
Die Befragungen am Donnerstag werden sich maßgeblich um Recherchen zur Causa Pilnacek drehen: Befragt wird zuerst der Investigativjournalist Michael Nikbakhsh, danach ist er Unternehmer Christian Mattura an der Reihe. Dieser spielt insbesondere in Bezug auf den Laptop des verstorbenen Sektionschefs eine wesentliche Rolle. Außerdem soll er in einem Wiener Restaurant brisante Aussagen Pilnaceks heimlich aufgenommen haben.
Die Befragung leitet Verfahrensrichterin Christa Edwards.
Der KURIER berichtet live aus dem Parlament in Wien.
Pilnacek-U-Ausschuss, Tag 8
-
Tomaselli fragt nach dem "Weg des Laptops"
Nina Tomaselli von den Grünen befragt Nikbakhsh nach dem komplizierten Weg von Pilnaceks Laptop. Ihre Beschreibung entspricht auch seinem Kenntnisstand, sagt der Journalist.
Wolfgang Rauball habe einen IT-Techniker beauftragt, die Datensammlung des Laptops aufzubereiten. Wer diese Person gewesen sei, wisse er nicht.
-
"Man wird robust"
Nun fragt Wotschke nach dem Medienverfahren und nach etwaigen damaligen Interventionen von Karl Nehammer (ÖVP), die Aufnahme des Gesprächs nicht zu veröffentlichen. Inhaltliche Details nennt Nikbakhsh nicht, beruft sich auf das Redaktionsgeheimnis. Unter Druck von außen sei er in seiner journalistischen Tätigkeit nie gesetzt worden. Aber: "Wenn man das so lange macht wie ich, wird man robust. Ich empfinde Druck vielleicht nicht so wie andere". -
War der Laptop Thema?
Habe er von den beiden Frauen, Anna P. und Karin Wurm, gehört, dass Pilnaceks Laptop wichtig für Wolfgang Sobotka gewesen sei? Nikbakhsh verneint.
-
Was ist schon "abstrus"?
Sophie Wotschke (Neos) will von Nikbakhsh dann wissen, ob der Abend "abstrus und irre" gewesen sei. Nein, es sei ein "Gespräch unter Erwachsenen" gewesen, vollkommen gesittet und ruhig, erinnert sich der Journalist zurück. „Aber das ist natürlich eine Frage der persönlichen Wahrnehmung. Ich habe in meiner Laufbahn schon vieles erlebt“. Auch sei die Stimmung nicht emotional aufgeheizt gewesen, so Nikbakhsh.
© APA/GEORG HOCHMUTH -
Zur Aufnahme des Gesprächs
Edwards fragt den zuerst nach der Aufzeichnung, die Nikbakhsh von einem Gespräch in seinem Kellerbüro gemacht hat. Warum habe er das gemacht? Er habe „keine Absicht“ damit gehabt, hat das Band einfach laufen lassen und danach in einen Schrank gelegt, erwidert der Journalist. Die Erklärung von Nikbakhsh ist folgende: Er wollte nicht mitschreiben. Daraufhin wendet Edwards ein, dass er dann ja zumindest einen Block und Papier auf den Tisch hätte legen können - damit die Teilnehmer wissen, dass er mitschreiben oder das Gespräch irgendwie protokollieren wollte. Nikbakhsh bleibt dabei: Er hatte ja keine ursprüngliche Absicht. Bemerkenswert ist auch die Antwort, die der Journalist zu Peter Hochegger gibt. Edwards möchte wissen, warum Nikbakhsh an dem Gespräch in dessen Büro teilgenommen hat. Darauf antwortet der Gastgeber: "Ich war wirklich überrascht, dass Peter Hochegger plötzlich bei mir in der Tür stand." Dieser sei "von seinem Freund Wolfgang Rauball" gebeten worden, am Gespräch teilzunehmen. Nikbakhsh nahm dies so hin. "Und so kam er (Hochegger, Anm.) dann bei mir zu sitzen."
-
Kurzes Gelächter
Die Vertrauensperson von Nikbakhsh ist der Anwalt Johann Pauer. Edwards verliest das Stammdatenblatt und hält in Richtung der Vertrauensperson fest: "Wenn ich Sie so ansehe, darf ich daraus schließen: Ihr Geburtsjahr ist 1983, nicht 1883."
-
Befragung von Michael Nikbakhsh beginnt
Der Journalist Nikbakhsh wird darin erinnert, dass eine Falschaussage vor dem Ausschuss mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren geahndet werden kann. Es ist anzunehmen, dass er das bereits wusste.
-
Die Befragung wird eröffnet
NR-Präsident Walter Rosenkrankz eröffnet die Befragung. Verfahrensrichterin Christa Edwards erinnert die Medien an die schutzwürdigen Interessen der Auskunftspersonen.
-
"Der Laptop muss verschwinden"?
Ebenfalls brisant ist (mal wieder) die Frage, was mit Pilnaceks Laptop passiert ist. Im November 2023 organisierte der Pilnacek-Vertraute Wolfgang Rauball ein Treffen zwischen Mattura, Karin Wurm und Anna P. (den beiden Frauen in Pilnaceks Leben). Frau P. sei mit Mattura danach zu dessen Auto gegangen und habe ein Stoffsackerl mit dem privaten Laptop Pilnaceks sowie einen USB-Stick in den Kofferraum gelegt.
Mattura selbst gab im März 2025 vor der WKStA an, das besagte Sackerl mit dem Laptop in ein Lager nahe Amstetten transportiert und dort zehn Tage lang versteckt zu haben. Aber vor wem, was steckte dahinter? Auch darum wird es bei der Befragung heute gehen.
-
Wer ist Christian Mattura?
Sie erinnern sich vielleicht: Der suspendierte Justiz-Sektionschef Pilnacek wurde am 28.7.2023 im Wiener Innenstadtlokal "Il Cavalluccio“ aufgenommen, die darin enthaltenen Vorwürfe gegen die ÖVP, insbesondere Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka, erst nach seinem Tod publik.
Christian Mattura ist jener Ex-BZÖ-Politiker, der an besagtem Juli-Abend das Gespräch mit Pilnacek aufgenommen und 10 Minuten davon an Kronenzeitung und ORF übermittelt hat. Warum er das damals gemacht hat? Dazu sagte Mattura: "Wenn Sie hören, dass er Interventionen von der ÖVP bekommt, dann drückt, glaub i, jeder einmal auf die Taste. Ich denke, dass es richtig ist, dass das passiert ist.“
Mehr dazu können Sie hier nachlesen:
-
Guten Morgen aus dem Parlament
Nach dem Ausschuss ist vor dem Ausschuss: Heute gehen die Befragungen im Parlament weiter, am Vormittag ist Investigativjournalist Michael Nikbakhsh an der Reihe. Am Nachmittag folgt der Unternehmer Christian Mattura. Wir berichten wieder live für Sie.
-
Den Tag in etas kompakterer Form können Sie an dieser Stelle nachlesen.
-
Und damit belassen wir es an dieser Stelle für heute. Wir danken für die Aufmerksamkeit. Morgen geht's ab 9 Uhr weiter - dann wieder mit den Kollegen Amina Beganovic und Christian Böhmer.
-
Wir sind in den allerletzten Zügen dieses jetzt schon unangenehm langen U-Ausschuss-Tages.
"Sind Sie Teil eines türkisen Putztrupps?", fragt ÖVP-Abgeordnete Bettina Zopf. Kai Jan Krainer beantwortet's mit einem Zwischenruf. "Kann man noch ein bisschen suggestiver Fragen, bitte."
-
Gründe für den Einstieg in einen Akt gäbe es mehrere, sagt S. Es müsse nicht immer eine Änderung sein.
Darf man eigentlich in so einen Ermittlungsakt einsteigen, wenn man gar nicht damit befasst ist, fragt Tomaselli. Auch hier ist S. vorsichtig in der Antwort - auch wenn es sie gar nicht betrifft. Sie war ja mit dem Ermittlungsakt in der Causa Pilnacek befasst.
-
Tomaselli ist wieder am Wort - und sie kommt auch in der zweiten Befragungsrunde auf die Logdaten zurück.
-
"Ich kenne ihr Auto"
Und wie ist ihr Verhältnis zu Dagmar W., der Gemeindeärztin? S. kennt W. nicht, nur "ihr Auto", sagt sie jetzt schon zum zweiten Mal.
Klingt lustig, wirkt im Gegenschuss mit einer Aussage von Dagmar W. aber etwas unglücklich.
Schließlich hat W. im Untersuchungsausschuss zu Protokoll gegeben, dass "komische Sachen" passiert seien, an dem Auto ihres Sohnes etwa Reifen aufgeschlitzt und Scheiben eingeschlagen wurden. Zur Anzeige gebracht habe das W. aber jedenfalls nicht, sagt S. Sie hätte davon lediglich aus den Live-Tickern vom U-Ausschuss erfahren.
Update: Was S eigentlich meint: Sie hat Dagmar W mal einen Strafzettel ausgestellt. Ganz simpel.
-
Können Polizisten eine Obduktion unterbinden?
Wir befinden uns in der zweiten Fragerunde. Da sind Wiederholungen vorprogrammiert. Aber noch einmal: "Nein", Polizisten können keine Obduktion unterbinden, sagt S.
-
Wir kommen zur Spurensicherung. Hat S. im Flussbett noch andere Spuren als jene von Pilnacek gefunden? Die Einstiegsstelle wurde ja ca. 100 Meter flussaufwärts von jener Stelle, von der Pilnaceks Leichnam geborgen wurde, identifiziert. Darüber kann S. nichts sagen, da sie die Spurensicherung auch nicht vorgenommen habe.
-
War S. auch bei der "Schulung" im Innenministerium dabei?
Themawechsel. S. war auch bei der ominösen "Schulung" im Innenministerium dabei, in der sie gemeinsam mit Kollegen auf den Untersuchungsausschuss vorbereitet wurde. Dass es so einen Kurs überhaupt gegeben hat, hatte ja am dritten U-Ausschuss-Tag für den ersten größeren Aufreger bei der FPÖ gesorgt.
-
Was die Log-Daten aus dem Akt betrifft, will Tomaselli einen Antrag an das Innenministerium stellen. Dabei bekommt sie auch von Andreas Hanger Unterstützung. Schließlich betreibe Tomaselli ohne den genauen Inhalt zu den Log-Daten zu kennen reine "Mutmaßungen".
-
Ermittlungsakt verändert? S. bleibt Antwort schuldig
Tomasellis neuer Vorhalt: S. habe zwei Jahre nach Fund des Leichnams von Pilnacek, einen Tag vor dem von S. mitangestrengten Zivilprozess gegen ZackZack Medien wegen übler Nachrede, den Ermittlungsakt bearbeitet. Das soll auch noch gar nicht lange her sein, konkret soll S. am 8. September 2025 noch einmal zugegriffen haben.
Das gehe aus dem Log-Files hervor, die dem U-Ausschuss vom Innenministerium zur Verfügung gestellt wurden. Tomaselli fügt aber hinzu: "Wir wissen nicht, was geändert wurde. Das Innenministerium hat uns das nicht mitgeteilt."
Was also hat S. geändert? Auch hier dauert es einige Minuten, bis S. endgültig und nach mehrerer Nachfrage von Tomaselli definitiv antwortet.
Sie könne sich nicht mehr erinnern, sagt sie. Unklar ist auch, ob Tomaselli überhaupt den richtigen Vorhalt macht, da es offenbar unterschiedlich Bezeichnungen der Dateien gibt.
-
Stellen Sie sich schon einmal darauf ein: Das wird heute noch länger dauern. Maximal drei Stunden kann eine Auskunftsperson befragt werden. Debatten zur Geschäftsordnung und Sitzungsunterbrechungen zählen nicht dazu - und von diesen haben wir jetzt aber schon einige erlebt.
S. berät sich immer wieder in längeren Pausen mit ihrer Vertrauensperson. Nach Wotschke hat nun auch Tomaselli bereits mehrfach eingemahnt, das doch zu unterlassen. Vorsitzender Norbert Nemeth (FPÖ) gibt S. aber immer wieder die Zeit, sich zu beratschlagen.
-
Für S. war hier ein anderer Kollege, der bereits im U-Ausschuss aussagte, verantwortlich. Er war auch derjenige, der den Bericht zeichnete.
Nächste Frage von Tomaselli, jetzt noch schärfer als zuvor: Wurde ein Trampelpfad für die Einsatzkräfte eingerichtet?
S., inzwischen schon sehr verunsichert: "Es gab keinen Trampelpfad."
Zur Erklärung: So ein Trampelpfad wird üblicherweise bei Tatorten eingerichtet. Um möglichst wenig Spuren zu zerstören, bewegen sich alle Beamten in einem definierten Korridor vulgo Trampelpfad. Das Missverständnis vielleicht dabei: S. ging nie von einem Tatort aus, Tomaselli jetzt offenbar schon.
-
Ungereimtheiten, oder?
Nina Tomaselli ist am Wort - und die Grünen-Abgeordnete fragt noch einmal "zur Wiederholung", wann S. genau am Fundort war.
20 Minuten nach der Inkenntnissetzung, um kurz vor 9.30 Uhr, sagt diese. Und insofern auch auch kurz vor der Todesfeststellung um 9.35 Uhr.
Aber stimmt das wirklich? Tomaselli weist S. auf einen Aktenvermerk hin, den diese selbst angefertigt habe, wonach sie bereits um 9.05 Uhr anwesend war. S. kann sich nicht mehr genau erinnern. Sie war jedenfalls vor der Gemeindeärztin vor Ort - und sei auch bei der Totenbeschau vor Ort gewesen.
Was die Absperrungen vor Ort betrifft, sei eine Beamtin dafür abgestellt worden, den Fundort zu sichern, sagt. S. Tomaselli weist sie auch hier auf Ungereimtheiten hin - jedenfalls aus ihrer Sicht hätte der Fundort besser abgesichert werden müssen.
Tomaselli erwähnt auch Karin Wurm und Anna P., die am fünften U-Ausschuss-Tag bereits assagten, schon zur Bergung Pilnaceks am Fundort gewesen zu sein - und dort keine Absperrungen gesehen zu haben. Für S. ist das ganz einfach erklärt. "Die waren auch eine der ersten am Fundort", sagt sie.
Nächstes Detail, wieder ein Unschärfe: Wer war aller am Tatort anwesend? Dazu hätte es doch eine Liste gebraucht? Hätte nicht S. als Einsatzleiterin diese führen müssen?
-
"Soll nicht in juristische Prüfungssituation ausarten"
Nach fast jeder Frage Wotschkes hat sich jetzt eine längere Unterbrechung und Beratungen von S. und ihrer Vertrauensperson ergeben. Inklusive Unterbrechung der Befragung durch den Vorsitzenden.
Verfahrensrichterin Christa Edwards ergreift letztlich das Wort. Dass Wotschke so im Detail nachfrage, hält sie für ein Problem. Die Befragung solle "nicht in eine juristische Prüfungssituation ausarten", appelliert sie an Wotschke.
-
Wassertemperatur 🌡️
S.s Antwort nach kurzer Unterbrechung: Das wäre eine Alibimessung gewesen.
"Hätten sie überhaupt einen Thermometer dabei gehabt, um so eine Messung durchzuführen?"
"Nein", sagt S. Ihres Wissens nach hätten auch andere Kollegen keinen Thermometer dabei - und somit wird das wohl meistens nicht eingetragen.
Im Berichtsformular ist aber ein Feld vorgesehen, in dem die Wassertemperatur eingetragen werden sollte. Wotschke bleibt drauf: Wieso habe S. dieses Feld also einfach übergangen?
Die Neos-Abgeordnete beharrt auf einer Antwort, die ihr S. in ihren Augen schuldig bleibt. Was deshalb folgt, ist eine längere Diskussion zur Geschäftsordnung. Das Ergebnis: S. muss die Frage beantworten.
Also nächster Versuch S.: Die Temperaturmessungen dienen zur Alibimessung bei Tötungsdelikten. Sie selbst habe den finalen Tatortbericht nie gesehen, sagt S. Das habe im Anschluss das Landeskriminalamt übernommen.
-
Was steht genau im Tatorleitfaden?
"Muss eine Messung der Körpertemperatur durchgeführt werden?", fragt Neos-Abgeordnete Wotschke.
"Die Messung der Körpertemperatur obliegt der Gemeindeärztin", sagt S. nur knapp. Sie habe die Beamten und die Ärztin über das Ergebnis ihrer Feststellung befragt - wo eben keine Hinweise auf Fremdverschulden festgestellt wurden. Mehr nicht.
"Haben Sie die Wassertemperatur gemessen?"
"Nein"
"Wieso nicht?"
"An welcher Stelle sollte ich messen?"
"Haben Sie dokumentiert, dass Sie nicht gemessen haben?"
"Nein, ich dokumentiere, was ich gemacht habe, nicht was ich nicht gemacht habe."
"Dann sind wir jetzt beim Erlass von vorhin, wonach eine Abweichung von der empfohlenen Vorgangsweise zu dokumentieren ist. Haben Sie das gemacht?"
S. berät sich mehrere Minuten mit ihrer Vertrauensperson. Bevor wir ihre Antwort hören, unterbricht der Vorsitzende die Sitzung.
-
Handy. Schlüssel. Geldbörserl
Was kann sie denn zur späteren Übergabe von Pilnaceks persönlichen Gegenständen sagen? Das sei nicht in ihrer Zuständigkeit gewesen, sagt S. Sie habe dazu auch keine Wahrnehmungen.
Aber S. erzählt allgemein: Persönliche Gegenstände würden in anderen Suizidfällen auch nicht verschlossen, sondern den Angehörigen übergeben. Hier würde sie die Analogie ziehen. Entgegnung der Verfahrensrichterin Christa Edwards: "Im Gegensatz zu dem geschilderten Fall gibt es aber ein eingeleitetes Ermittlungsverfahren." .
Entgegnung von S.: Die Einleitung eines Ermittlungsverfahren sei ein formaler Akt, der die Obduktion überhaupt erst möglich mache. Aber das ändere nichts an der ursprünglichen Feststellung, dass es sich um einen Fall ohne Fremdverschulden handle.
© APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGERVerfahrensrichterin Christa Edwards
-
"Ich bin ja froh, dass er obduziert wurde, aber einen Franz Maier hätte man wohl nicht obduziert", sagte S. bei einer Befragung. Dazu steht sie auch heute noch. Dass sich die Gemeindeärztin W. und die Staatsanwältin, die schließlich die Obduktion angeordnet hat, kannten, habe sie zwar überrascht. An der Sache habe das aber freilich nichts geändert.
-
Die Bergung selbst habe sie nicht mehr wahrgenommen, erzählt S. Also sie sei am Fundort angekommen, also Pilnacek bereits am Ufer der Donau lag. Damals ebenfalls anwesend: Der Baggerfahrer, die Feuerwehrmänner, zwei Polizeibeamte aus Weißenkirchen. Karin Wurm oder Anna P. waren nicht mehr vor Ort.
-
"Schau, dass alles genau abläuft"
Ihr Vorgesetzter habe sie gebeten, darauf zu "schauen, dass alles genau abläuft".
Wie das zu verstehen sei, fragt SPÖ-Abgeordnete Katrin Auer. "Es macht einen Unterschied, ob der Magister Pilnacek einen Unfall hat, oder jemand anderes", sagt S. Also man achte doppelt genau, nur ja keine Fehler zu machen. Dass es sich um einen speziellen Fall handle, zeige ja auch der Umstand, dass sie jetzt - 3 Jahre nach diesem unseligen Morgen - im U-Ausschuss im Parlament sitzen muss.
-
Richtline Tatortleitfaden
Im Tatorleitfaden steht klar, dass eine Obduktion bei einer Wasserleiche anzuordnen ist. Wäre es dann also nicht unstrittig, eine Obduktion anzuordnen. "Das ist eine Richtlinie", sagt S. an der man sich orientiere.
"Aber er gibt keine zwingende Handlungsanweisung wieder." Wobei sie noch einmal spezifiziert: Es habe gar keinen Streit um die Obduktion gegeben, sondern lediglich darum, wer diese anordnen könne.
Sie selbst habe im Anschluss an das Gespräch mit Gemeindeärztin W. mit der Staatsanwaltschaft telefoniert. Und habe hier ein möglichst umfassendes Bild schildern wollen.
-
Nachfragen zum Gespräch mit W. Dass die Gemeindeärztin das unter Umständen als Drucksitution empfunden habe, könnte auch daran liegen, dass gleich drei Polizisten mit ihr über die Obduktion gesprochen haben. Also am Verhältnis 3:1...
Wie kann sich S. sonst noch erklären, dass zwei Parteien von ein und derselben Situation so eine unterschiedliche Wahrnehmung haben? "Objektiv kann ich das in keinster Weise nachvollziehen", sagt S. Aber vielleicht habe sich die Gemeindeärztin einfach auf den Schlips getreten gefühlt.
-
"Arbeit getan nach bestem Wissen und Gewissen"
S. macht auch auf einige vermeintliche Widersprüche aufmerksam. Etwa: Dass die Wassertemperatur nicht gemessen wurde, sei kein Skandal, sondern sinnlos - weil von der Wassertemperatur eben keine Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt möglich seien.
Das Messen der Körpertremperatur Pilnaceks sei Aufgabe der Gemeindeärztin gewesen. Dass all keine Ungereimtheiten seien, habe sie auch bereits im Medienverfahren gegen Peter Pilz bewiesen. Sie möchte nun auch den U-Ausschuss überzeugen, dass das ein "Tod ohne Fremdverschulden war".
Sie und ihre Kollegen hätten "ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen getan". Dass sie als "dumm und faul" dargestellt werde, schmerze sie besonders.
-
Sehr emotionales Statement
S. ist sichtlich gerührt. "Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr", sagt sie. Der Fall habe inzwischen massive Auswirkungen auf ihr persönliches Leben. "Ich bin es leid, dass sich Leute ein Urteil über mich bilden", sagt sie. "Vor allem tut es mir weh, dass mein dreijähriger Sohn mich schon fragt, was es mit diesem Pilnacek auf sich hat."
-
Dialog mit der Gemeindeärztin
Wie hat S. also nun diesen Schlagabtausch mit Dagmar W. erlebt?
Hat sie ihr verboten, eine Obduktion anzuordnen? S. schildert den Dialog nach ihrer Erinnerung wieder.
Sie selbst sei stur und genau - das sei ihr Naturell. Und deshalb habe sie nach W.'s Anordnung einer Obduktion eben entgegnet: "Sie können gar nichts anordnen, das kann nur die Staatsanwaltschaft."
Mit dieser Deutlichkeit hätte die Ärztin offenbar nicht gerechnet.
"Gäbe es denn Anzeichen eines Fremdverschuldens?", fragte sie W.
Nein, aber Pilnacek könnte vergiftet worden sein, sagte W.
Das kann man ja nie aussließen, habe sie geantwortet.
-
Politische Interventionen seien ihr zutiefst zuwider. Und S. diese hätte es auch weder am Morgen des Leichenfundes noch danach gegeben, betont S.
-
Auskunftsperson ist SPÖ-Mitglied
Weg von den Daten, wir sind zurück am Morgen des Leichenfundes: Die Polzeibeamtin S. ist als nächste Auskunftsperson geladen.
In ihrer einleitenden Stellungnahme möchte sie sich zunächst einmal vorstellen, "um Falschmeldungen gerade zu biegen".
Aber, sagt S., sie habe aufgrund der zahlreichen Falschbehauptungen keine Hoffnungen, dass das gelinge.
Das spannendste Detail ihrer Biografie: S. ist seit 2023 SPÖ-Mitglied, sagt sie.
Auch S. ging wegen übler Nachrede, in erster Instanz erfolgreich, gegen das Pilz-Buch über die Causa vor.
Strittig ist eben ihre Rolle am Morgen des Leichnam-Fundes. Dass Gemeindeärztin Dagmar W. eine "Drucksituation" wahrnahm, die Obduktion nicht durchzuführen, kann sie nicht nachvollziehen.
-
Hafenecker bedankt sich zum Ende der dritten Fragerunde für die genaue Arbeit von H. - und bedankt sich fürs Kommen.
Next up: Polizistin S., die am Morgen des 20. Oktober 2023 an den Fundort des Leichnams an einem Nebenarm der Donau im niederösterreichischen Rossatz (Bezirk Krems) gerufen worden war. Es wird also wieder einmal um den vermeintlichen Streit um die Obduktion Pilnaceks gehen, zu dem wir im Laufe des Untersuchungsausschusses nun schon mehrere Versionen gehört haben.
-
Auch bei der Polizei sind Nerds
Wotschke wird ganz konkret, "weil das so im Raum rumschwebt". Also klare Frage an H., sinngemäß: "Gibt es in der Expertise bei den IT-Technikern, die beim BKA arbeiten und jenen die bei der Staatsanwaltschaft sind, Unterschiede?"
"Die sind eigentlich alle wie wir", sagt H. klar. "Die sind alle Nerds und kennen sich sehr gut aus," sagt H.
Es gibt also auch bei der Polizei gute Leute. Jeder hätte sein Feld, in dem er sich gut auskenne.
Grundsätzlich gäbe es auch in der Justiz Ressourcenprobleme. "Ich hätte immer noch gerne mehr Ressourcen - aber im Großen und Ganzen sind wir als IT-Experten sehr gut aufgestellt."
-
"Hatten Sie schon vor dem Fall mit Geräten von Christian Pilnacek zu tun?"
H. muss wieder grinsen. "Ich wurde informiert, dass ich diese Frage nicht beantworten muss."
-
HansWurst
"Wer ist eigentlich dieser Hans W., der als Benutzer im Laptop ist?", fragt Sophie Wotschke - wir befinden uns mittlerweile in Fragerunde 3. Und wenn es eine Dramaturgie in Sachen Details gäbe, dann wir jetzt am Höhepunkt angelangt.
H. muss jetzt jedenfalls selbst kurz lachen. Das ist einfach nur kurz für "HansWurst" - der offenbar als Benutzername im Notebook hinterlegt wurde.
Das habe er auch so in einem seiner Berichte vermerkt, sagt er. Wobei diese Berichte dem U-Ausschuss gar nicht vorliegen, kommt Wotschke jetzt auf Nachfrage drauf. Denn 2026 seien drei neue Berichte hinzugekommen, sagt H.
Wotschke hat angebissen. "Gibt es noch andere Auswertungen vom Laptop?", fragt sie. H. weiß nichts davon, will "aber nicht ausschließen, dass es dazu schon etwas gibt".
-
Die kopierten Daten
Der IT-Experte erklärt jetzt, wie das mit den Daten von Christian Pilnaceks Laptop und dem Kopieren funktioniert. Der Laptop hatte nach Pilnaceks Ableben mehrere „Eigentümer“. Und genau das zeigt sich auch beim Abgreifen der Daten, sprich: Es sind chronologisch sichtbare Phase vorhanden, wo Dokumente und Daten kopiert worden sind. Der Experte weist darauf hin, dass das Kopieren offenbar von Laien gemacht wurde. Sein Argument: Wenn man das Kopieren und Verändern von Daten verschleiern will, zieht man eine große Kopie und arbeitet an dieser - und nicht permanent am Gerät selbst, wo jede Veränderung dokumentiert wird.
-
Aufgeblähter Bericht
1.200 Seiten klingen viel. In dem Bericht sind aber auch viele Bilder etwa von den Icons auf der Uhr zu sehen. H. spricht deswegen von einem "aufgeblähten Bericht". Wobei man vielleicht ergänzen muss an der Stelle: automatisiert aufgebläht. -
Und damit ist Sophie Wotschke von den Neos am Wort. Ist es Usus, dass so ein Bericht nicht vollständig ausgefüllt zu ihm kommt? Der 1.200-seitige Bericht aus dem BKA hatte ja keinen Autor. "Usus ist das nicht", sagt H. Aber vorgekommen sei es durchaus schon einmal. Normalerweise stünde aber "zumindest die Dienstnummer des Beamten, der das ausgefüllt hat" drinnen.
-
Daten, Daten, Daten
Viele Daten, wenig Erkenntnis: Krainer fragt zu zwei anderen Geodaten, die H. in der Uhr gefunden hatte. Die einzigen Geo-Daten, die auf der Uhr zu finden waren, würden darauf hindeuten, dass Pilnacek während der Fahrt nach Hause bei einer Raststätte stehen geblieben war. Wie genau diese Daten sind, ist allerdings schwer zu sagen, räumt H. ein. Krainer verfolgt das nicht weiter.
Schauplatzwechsel: Treppelweg. H. hat sich sogar den Stromverbrauch der Uhr angesehen und hat herausgefunden, dass die Kommunikationsversuche der Low-energy-Bluetoothgeräte zwischen 1.55 und 3.55 Uhr stattgefunden haben. Also zu einer Zeit, in der die Uhr Großteils unter Wasser war, spezifiziert Krainer. "Kann man davon ausgehen, dass die Reichweite von Bluetooth in der Zeit, wenn die Uhr unter Wasser ist, massiv reduziert ist?"
"Ja."
-
Und damit ist Kai Jan Krainer (SPÖ) am Wort. Er zeigt einen "Ausdruck von Google Maps" vom Auffindeort der Leiche Christian Pilnaceks. Ausgedruckt.
Worum es ihm geht? Um die Geräte, die sich nach 1 Uhr nachts mit der Smartwatch verbinden wollten. H. soll den Treppelweg identifizieren, wo sich eines der Geräte verbinden wollte. Treppelweg, T-Kreuzung...
Zur Erinnerung: Vor der Mittagspause hatte H. berichtet, dass sich 2 Geräte versucht hätten, sich zu verbinden. Welche Geräte das genau sind, kann H. auch jetzt nicht sagen bzw. ist das offenbar nicht rekonstruierbar.
-
Wir sind zurück aus der Mittagspause und der zweiten Fragerunde (die erfahrungsgemäß weniger lang dauert). Wieder beginnt Thomas Elian (ÖVP). Was ihn diesmal interessiert? 206 Chats, die IT-Experte H. an die WKStA weitergeleitet hat. Er habe diese überraschend auf der Smartwatch gefunden und habe diese in Form einer Excel-Datei der WKStA zur Verfügung gestellt. Gab es da einen erweiterten Auftrag? Nein.
-
Zurück zur Unglücksnacht. Christian Hafenecker (FPÖ) fragt im Detail nach. Kurze Rekonstruktion: Um 1:07 trennt sich die Uhr vom Handy. Und noch einmal die Bluetooth-Geräte, mit denen sich die Uhr in den darauf folgenden Stunden bis kurz vor 4 Uhr 75 Mal verbunden hat.
Eines sei auf der Donau gewesen und weiter weg, ein anderes an einer Kreuzung des Treppelwegs an der Donau. Das ergebe sich aus einer Osint-Analyse, die H. angestellt habe.
Und damit ist die erste Fragerunde beendet. Wir machen 20 Minuten Pause.
Kommentare