Umsturz in SPÖ Niederösterreich? Hergovich gibt sich kämpferisch

Staatssekretärin Königsberger-Ludwig will den Landesparteivorsitz übernehmen. Entscheidung fällt im Mai.
"COMEBACK"-TOUR: PK SPÖ "AKTUELLE BRENNPUNKTE DER ÖSTERREICHISCHEN INNENPOLITIK?: BABLER/HERGOVICH

Nach dem Bundesparteitag am 7. März in Wien währte die Ruhe in der SPÖ nicht sehr lange. Seit dem Wochenende laufen die Telefone heiß. Der Grund: Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig möchte Landesrat Sven Hergovich an der Spitze der niederösterreichischen SPÖ ablösen. Dieser plötzliche Machtkampf betrifft auch die Bundes-SPÖ, weil man im Lager von Hergovich überzeugt ist, dass die Strategen dahinter in der SPÖ-Zentrale in der Wiener Löwelstraße sitzen. 

Allen voran Bundesparteiobmann Andreas Babler und Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim, beide Niederösterreicher. Als möglicher Hintergrund für diese Aktion wird kolportiert, dass die SPÖ in St. Pölten besonders Ex-Kanzler Christian Kern als Gegenkandidat zu Babler forciert hätte.

Königsberger-Ludwig zieht Kandidatur in Erwägung

Seit Samstag ist es jedenfalls öffentlich, dass Ulrike Königsberger-Ludwig aus Amstetten eine Kampfabstimmung am Landesparteitag Ende Mai in Erwägung zieht. Nominierungsschluss ist beim Landesparteivorstand am 20. April. Sven Hergovich dürfte erst aus den Medien erfahren haben, dass er am Parteitag mit einer Gegenkandidatin rechnen muss. Erst am Sonntag soll es dann ein direktes Telefonat zwischen Hergovich und Königsberger-Ludwig gegeben haben.

Die innerparteilichen Gegner des SPÖ-Landesparteivorsitzenden sollen sogar einen Weg vorgeschlagen haben, der eine Kampfabstimmung am 30. Mai verhindern soll. Man werde Sven Hergovich einen Job anbieten, damit sich dieser aus der Landespolitik zurückzieht. Kolportiert wurde sogar ein Vorstandsposten bei der via donau. Der KURIER erreichte Sven Hergovich am Sonntag. Zu all den innerparteilichen Querelen wollte er nichts sagen. Nur so viel: „Ich werde mich am Landesparteitag zu 100 Prozent der Wahl stellen.“ An irgendwelchen Versorgungsjobs sei er nicht interessiert.

An seinen politischen Plänen werde sich auch nichts ändern. Die hatte er vor Kurzem in einem KURIER-Interview skizziert. Er will Landesparteiobmann bleiben und 2028 als SPÖ-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl antreten. Mit dem Ziel, danach Teil einer Koalition in der Landesregierung zu sein.

Aufregung in Eisenstadt

Rund um die mögliche Kampfabstimmung – Königsberger-Ludwig hat ihr Antreten offiziell bisher noch nicht verkündet – gibt es auch in Eisenstadt Aufregung. Dort deutet man das Vorgehen der Babler-SPÖ in Niederösterreich als den ersten Schritt, unliebsame innerparteiliche Gegner nun nach dem Bundesparteitag loszuwerden.

Hergovich werde nicht nur wegen der Debatten um Christian Kern als Gegner angesehen, sondern auch, weil ihn die Löwelstraße dem Lager von SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zurechnet. Für einen Funktionär aus Eisenstadt erweisen sich Babler und sein Umfeld durch solche Aktionen als „Totengräber der Partei“. Zitat: „Wer das nach dieser Aktion immer noch nicht begreift, sollte seine politische Verantwortung ablegen.“

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