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Politik Inland
02/11/2019

Nach Messerattacken: Cobra kommt zum Einsatz

Die Anti-Terroreinheit wird an „Gewalt-Hotspots“ in ganz Österreich auf Streife gehen.

von Patrick Wammerl

Amokfahrten wie in der Grazer Innenstadt oder Messerangriffe wie zuletzt bei zahlreichen Mordfällen stellen die Polizei vor neue Herausforderungen. Während 2008 bei Straftaten 800-mal ein Messer als Tatwaffe verwendet wurde, so waren es 2016 bereits 3500 Delikte mit Hieb- und Stichwaffen. Für den Direktor für Spezialeinheiten im Innenministerium, Bernhard Treibenreif, eine alarmierende Statistik.

Das Ministerium hat deshalb vor wenigen Tagen ein Projekt mit dem sperrigen Titel „Bewältigung gefährlicher Einsätze“ ins Leben gerufen. Koordinator des Projekts ist der aus der BVT-Affäre bekannt gewordene Kabinettsmitarbeiter Udo Lett.

Einfach formuliert: Eine Expertenrunde verschiedener Einheiten untersucht, wie die gewöhnliche Streifenpolizei von top-ausgebildeten Spezialeinheiten wie der Cobra oder der Wega in ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden kann. Wie bereits seit Jahren in Vorarlberg der Fall, könnten demnächst Spezialkräfte der Anti-Terroreinheit an Hotspots in ganz Österreich unterstützend auf Streife gehen.

Regionale Verteilung

Die Cobra ist bereits seit 2002 mit regionalen Standorten in den Bundesländern flächendeckend über Österreich verteilt. „Das hat den Vorteil, dass wir sehr rasch an jedem Ort des Landes sein können“, erklärt Cobra-Sprecher Gerald Haider.

Dass gut ausgebildete Sondereinheiten im Streifendienst gerade bei Amoksituationen oder Messer-Attentaten Schlimmeres verhindern können, hätten zuletzt Angriffe am Bahnhof in Amsterdam oder am Strand von Den Haag gezeigt. In beiden Fällen wurden die Attentäter von anwesenden Sondereinheiten ausgeschaltet. Für Innenminister Herbert Kickl sind die Entwicklungen in Österreich Anlass genug, um die polizeilichen Einsatzstrukturen neu zu bewerten.

Treibenreif kann sich gut vorstellen, die vorhandenen Ressourcen der Cobra-Beamten nicht nur im Anti-Terrorkampf oder für den Personenschutz zu nutzen. Im turnusmäßigen Streifendienst wird bereits darüber diskutiert, Spezialkräfte auch in Zivil an neuralgischen Punkten einzusetzen. „Das hätte den Vorteil eines einheitlichen Systems in allen Bundesländern“, so Treibenreif. Im Ernstfall sollen die Kräfte sofort auf Schutzausrüstung oder Spezialwaffen an den jeweiligen Orten zugreifen können. „Ein Messer ist eine fatale Waffe. Es bedarf einiges an Können und Erfahrung, einen solchen Angreifer zu überwältigen“, so Haider. 2017 wurden 29 Polizisten mit Stichwaffen attackiert.