Massive Kritik an Latein-Kürzung: So reagiert Wiederkehr

MINISTERRAT: PRESSEFOYER - WIEDERKEHR
Nach Petition gegen die Kürzung von Lateinstunden: Neos-Bildungsminister verteidigt seine Pläne und lädt Initiatoren zu Gespräch ein.

Prominente aus Kultur und Wissenschaft machen gegen den Plan von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) mobil, den Lateinunterricht an AHS-Oberstufen zu kürzen - und stattdessen einen stärkeren Fokus auf Demokratiebildung, Medienkompetenz und den Umgang mit KI zu setzen.

In einer Petition, die unter anderem die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek unterstützt, wird vor einem "grundsätzlichen Angriff auf die geistige Substanz" des Bildungssystems gewarnt. "Wer Latein marginalisiert, schwächt bewusst jene Fähigkeiten, die eine demokratische Gesellschaft dringend braucht: strukturiertes Denken, sprachliche Präzision, historische Urteilskraft", heißt es in dem Aufruf an den Bildungsminister.

Wie reagiert Wiederkehr, der angekündigt hatte, die Lehrpläne zu "entrümpeln"?

"Dürfte ein Missverständnis sein"

Er lädt die Initiatoren der Petition, Nina Hoppe und Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren), zu "einem offenen Dialog" ein. "Denn genau das ist für mich gelebter Humanismus", so Wiederkehr laut Stellungnahme. Die angekündigte Kürzung bei Latein verteidigt er erneut. Es handle sich um eine gezielte Reaktion auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen und digitalen Veränderungen unserer Zeit.

"Der geäußerte Kritikpunkt - die Schwächung der Literatur - dürfte ein Missverständnis sein", meint Wiederkehr. Deutschunterricht werde künftig verstärkt auf Gegenwartsliteratur setzen, auch klassische Sprachen und Literatur weiterhin wichtiger Teil des Fächerkanons bleiben, versichert er. Die Initiatoren haben für das kommende Woche geplante Gespräch bereits zugesagt.

Zur Seite springt Wiederkehr Neos-Bildungssprecherin Martina von Künsberg Sarre via Aussendung. "Um gut auf das Leben vorbereitet zu sein, brauchen Schülerinnen und Schüler heute andere Kompetenzen als noch vor 200 Jahren", meint sie. "Humanistische Bildung ist mehr als Latein." Angesichts von Desinformation, Filterblasen und KI-generierten Inhalten sei Medienkompetenz schlicht entscheidend für "Kritikfähigkeit".

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