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Politik Inland
11/28/2019

Mantel, Uhren, Friedhofsgärtner: Was Strache als Spesen noch abgerechnet haben soll

Dem KURIER liegt die Aussage von Straches ehemaligem Leibwächter über dessen Spesenabrechnung im Detail vor.

von Ida Metzger

Die Spesen-Affäre rund um den ehemaligen Vizekanzler und Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wird immer absurder.

Wie der KURIER berichtete, hat Straches ehemaliger Leibwächter Schachteln voll mit Belegen gesammelt. Laut der Darstellung des Leibwächters Oliver R. bei der Einvernahme vor der Justiz, habe Strache dem Leibwächter Belege für irgendwelche, auch private Ausgaben übergeben, und der Leibwächter habe die Aufgabe gehabt, diese Belege reinzuwaschen. Also: Wenn eine Strache-Ausgabe nicht als "Spesen" gelten konnte, wie z.B. eine private Reparatur, dann sollte der Leibwächter in selber Höhe Restaurantbelege von befreundeten Wirten einsammeln und diese bei der Partei einreichen.

Strache bestreitet diese Darstellung entschieden, für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Nun sickern Details aus den Einvernahmeprotokollen des Leibwächters an die Öffentlichkeit. Es handelt sich dabei um seitenweise Aufzählungen von tatsächlichen oder vorgetäuschten Ausgaben auf FPÖ-Kosten, die der Leibwächter bei seiner Einvernahme angegeben hat. Am Donnerstagmorgen berichtete Ö1, dass Strache mit dem Geld der FPÖ nicht nur private Einkäufe finanzierte, sondern der Partei unter anderem auch die Kosten von Nachhilfestunden und die Reparatur seines Whirlpools verrechnet habe.

Dem KURIER liegt nun die Aussage von Straches ehemaligem Leibwächter im Detail vor.

Daraus geht hervor, was Strache sonst noch aus der Parteikassa bezahlt haben soll. Darunter etwa eine Rechnung über 262 Euro für einen Mantelkauf seiner Ehefrau und nunmehriger Nationalratsabgeordneter Philippa Strache in Amerika. Außerdem hatte Strache der Partei die Reparatur der Uhr seiner Ehefrau verrechnet – Kostenpunkt 390 Euro.

Auch der „Winterservice Bewässerungsanlage“ findet sich in der Liste, ebenso die Rechnung einer Friedhofsgärtnerei für die „Grabstelle Strache“ für 167 Euro.

Besonders kurios: Ein Steinmetzmeister stellte dem Freiheitlichen Parlamentsklub eine Rechnung über 570 Euro zu, die über Straches Spensenkonto verrechnet wurde. Laut der Website des Steinmetz‘ beinhalten seine Leistungen Grabsteine oder „Wohnen mit Natursteinen“.

Rauswurf oder nicht?

FPÖ-intern hat man indes die Entscheidung über einen Parteiausschluss Straches vertagt. Das Parteischiedsgericht der Wiener FPÖ wurde, wie der KURIER erfahren hat, damit beauftragt, dem Vorstand der Landespartei eine Empfehlung abzugeben: Soll der ehemalige Parteichef und Vizekanzler ausgeschlossen werden –  oder nicht?

Zur Last gelegt wird Strache seitens der Partei nebst dem  Ibiza-Video insbesondere seine fragwürdigen Spesenabrechnungen. Anlass für Argwohn gab Strache jüngst selbst: neben dem Angebot, Wiener FPÖ-Chef werden zu wollen, ein Foto, das ihn mit Milliardär Frank Stronach zeigt. Damit wurde das Gerücht genährt, wonach Strache eine eigene Liste für die Wien-Wahl 2020 plant.