U-Ausschuss: Zeugen spekulieren über Pilnaceks Tod
Haben Justiz und Polizei bei der Aufarbeitung des Todes von Sektionschef Christian Pilnacek geschlampt? Gab es politischen Einfluss oder gar Manipulationsversuche?
Am Donnerstag haben im Parlament die Befragungen von Zeugen begonnen, den Auftakt machte jener Baggerfahrer, der Pilnaceks Leichnam am Morgen des 20. Oktober 2023 in einem Seitenarm der Donau gefunden hat. Die Befragungen begannen um 9 Uhr und dauerten bis in die Abendstunden. Erst um 19.00 Uhr war Schluss.
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Pilnacek-U-Ausschuss
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Es geht los
Schönen guten Morgen aus dem Parlament, wo heute die Einvernahmen im Pilnacek-U-Ausschuss beginnen. Bevor um 9 Uhr die Befragungen starten, äußern sich die Fraktionen bzw. deren Leiter zur Untersuchung. Jakob Grüner, stv. Fraktionschef der ÖVP, appelliert an die Abgeordneten und die Öffentlichkeit, dass es um Fakten gehe - nicht um Spekulationen.
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Hafenecker: Befragungen sollen Gesamtbild vom Fundort der Leiche liefern
Christian Hafenecker, FPÖ-Fraktionsführer im U-Ausschuss, meint eingangs, dass Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) die Smartwatch-Daten zurückhalten würde. Irgendwann werde auch Karner seine Motive erklären müssen, so Hafenecker.
Was erwartet er von der Befragung des Baggerfahrers, der Pilnaceks Leiche gefunden hat? Natürlich stelle sich die Frage, warum dieser bis heute nicht einvernommen worden sei, so Hafenecker. Zudem wolle man die gesamte Rettungskette nach dem Fund rekonstruieren. Dabei helfen sollen auch die zweiten Zeugen - ein Feuerwehrmann und der Tatortbeamte. Hafenecker will ein "Gesamtbild" bekommen.
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Warum eine Sandbank aufgeschüttet wird
Die grüne Fraktionschefin Nina Tomaselli verteidigt eingangs erneut den Lokalaugenschein am Mittwoch in Rossatz. Man habe sich vor Ort ein Bild machen können, was bei den Befragungen der heutigen Auskunftspersonen jedenfalls hilfreich sei. Tomaselli geht noch einmal die Vorgänge vom Morgen durch, an dem die Leiche von Christian Pilnacek gefunden wurde. Sie schildert im Detail, wie die Feuerwehr die Bergung erledigt hat - zumindest laut den Akten. Ein Detail: Die Feuerwehr bittet den Baggerfahrer (er hat die Leiche gefunden und die Polizei alarmiert) eine Sandbank aufzuschütten, um den Leichnam einfacher bergen zu können - mit allen Konsequenzen für einen möglichen Tatort. Das Gelände wurde laut Tomaselli nicht abgesperrt, Formulare wurden nicht vollständig ausgefüllt, die Temperatur der Leiche nicht gemessen, sondern geschätzt, kurzum: die Tatort-Arbeit hatte offenbar Schwächen. „Wir haben viele Fehler bei den Ermittlungen“, sagt Tomaselli. „Jeder fragt sich: Wie konnte das passieren? Geht’s ums Nicht-Wollen oder Nicht-Können.“
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Krainer will politische Einflussnahme untersuchen
Weiter geht es mit einem bündigen Statement von SPÖ-Fraktionsführer Kai Jan Krainer. "Wieso sind wir hier? Weil es eine Reihe von offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Ableben von Christian Pilnacek gibt, die geeignet sind, das Vertrauen in die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft zu untergraben." Es stelle sich die Frage, ob es politische Einflussnahme gegeben habe, so Krainer, der unvoreingenommen in den U-Ausschuss gehen will.
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Und Wotschke?
Die neue Neos-Fraktionsführerin Sophie Wotschke hat offensichtlich ihr Pressestatement verpasst.
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Wotschke: "Was ist da schiefgelaufen?"
Kommando zurück: Sophie Wotschke hat ihr Statement an anderer Stelle abgegeben. Ihr gehe es um Aufklärung ohne parteipolitische Scheuklappen: "Weite Teile der Bevölkerung sind der Meinung, dass hier etwas nicht passt. Es geht nicht um Polittheater, es geht schlicht um eines: dass wir nachvollziehen können, ob es im 'System Pilnacek' zu politischer Einflussnahme gekommen ist und ob es in weiterer Folge auf die Ermittlungen rund um seinen Tod zu Einflussnahme gekommen ist."
Offene Fragen seien etwa, warum sich die Ermittler vor Ort gegen ein Obduktion ausgesprochen haben, Pilnaceks Mobiltelefon nicht sichergestellt wurde und die Ermittler sowie Ex-Kanzler Sebastian Kurz sofort von Suizid gesprochen haben, so Wotschke. "Was ist da schief gelaufen, wieso wusste Sebastian Kurz so früh Bescheid und hat selbst schnell von Suizid gesprochen, noch bevor überhaupt die Obduktion stattgefunden?
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Es geht los
Verfahrensrichterin Christa Edwards belehrt den Baggerfahrer über seine Rechte und Pflichten. Er muss nun Fragen wahrheitsgemäß beantworten.
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Wer Pilnacek identifiziert hat
Er habe wie jeden Tag um 6 Uhr die Arbeit mit seinem Bagger begonnen, so der Baggerfahrer. Er habe die Leiche dann im Wasser "treiben" gesehen, sie sei komplett weiß gewesen. "Für mich war klar, dass ich nicht ins kalte Wasser gehen kann und keine Hilfe mehr möglich ist." Danach seien zwei Polizisten gekommen. "Dann haben wir einen stillen Alarm bei der örtlichen Feuerwehr gemacht."
Anna P. und Karin W., beide mit Pilnacek befreundet, seien bereits vor dem stillen Alarm gekommen, P. habe Pilnacek identifiziert. "Die beiden Damen sind gleich der Polizei nachgefahren." Pilnacek sei dann geborgen und hinter Bagger auf eine Trage der Feuerwehr gelegt sowie mit einem Tuch abgedeckt worden. "Ich bin dann noch länger dortgeblieben, bis die Polizei gesagt hat, ich kann gehen." Hat der Baggerfahrer Pilnacek gekannt? "Ich habe den Herrn Pilnacek einmal getroffen bei einem Feuerwehrfest bei uns, aber nur ganz kurz."
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Pilnacek war "weiß wie ein Blattl Papier"
Hafenecker befragt den Baggerfahrer - dunkelhaarig, Gelfrisur, gestutzter Vollbart - als erster Fraktionsführer. Der Baggerfahrer erklärt noch einmal, dass er den Weg im Sand für die folgenden Lastwagen "vorgeschoben" habe. Pilnaceks Leiche habe er aus dem Augenwinkel gesehen. Der Baggerfahrer sagt wiederholt zum Erscheinungsbild der Leiche aus. "Ich bin bei der Feuerwehr und kenne auch solche Sachen." Pilnacek sei "extrem weiß" gewesen, "wie ein Blattl Papier". Er habe gewusst, hier sei nichts mehr zu machen.
Habe er Verletzungen oder Blutungen an der Leiche erkennen können? "Gar nichts", zumindest nicht "augenscheinlich", sagt der Baggerfahrer. Gegenstände seien ihm am Fundort auch nicht aufgefallen. Warum man nur einen stillen Alarm ausgelöst habe? Der Baggerfahrer über einen normalen Alarm: "Da geht dann die Sirene los und es kommt so ziemlich jeder."
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Politische Einflussnahme? Baggerfahrer hatte nicht das Gefühl
Hafenecker hat seine Befragung beendet. ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger ist nun an der Reihe. Ob der Baggerfahrer das Gefühl gehabt habe, es hätte in der Causa Pilnacek politische Einflussnahme gegeben? "Von meiner Seite her: Nein." Es sei aus seiner Sicht "schwer" gewesen, den Fundort abzusperren, meint der Baggerfahrer. Wahrnehmungen, dass eine Obduktion der Leiche hätte verhindert werden sollen, habe er nicht gehabt.
Zwischen 10 und 12 Uhr habe er den Fundort dann verlassen.
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"Die zwei Damen waren natürlich traurig"
Für die SPÖ befragt Abgeordnete Muna Duzdar den Baggerfahrer. Pilnacek sei die ganze Zeit am Rücken getrieben, die Leiche habe sich wegen der Strömung bei Niederwasser im Kreis gedreht. Wie hätten die Frauen P. und W. reagiert? "Die zwei Damen waren natürlich traurig und haben die ganze Zeit geweint", sagt der Baggerfahrer.
Der Baggerfahrer sollte dann Erde aufschütten, damit man besser zur Leiche gelangt. Darum habe ihn der Polizeikommandant gebeten - und das habe er dann natürlich auch gemacht. Als dann die Notärztin Dr. W. eintraf, sei der Baggerfahrer nicht mehr in der Nähe gewesen. W. wollte eine Obduktion durchführen lassen, stieß vor Ort aber auf Widerstand der anwesenden Polizisten.
Nicht weiter äußern wolle und könne er sich zum "Dorftratsch", dass Pilnacek in der Nacht nicht alleine gewesen sein, meint der Baggerfahrer.
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Ein SMS nach Wien
Jetzt ist Sophie Wotschke, Fraktionsführerin der Neos, an der Reihe. Der Baggerfahrer erklärt ihr, dass ihn überrascht hat, dass er bisher nicht detailliert einvernommen wurde. „In den Krimis sieht man das ja immer anders.“ Wotschke interessiert, wie es sein konnte, dass eine Zeitung schon kurz vor halb neun an jenem Morgen die Todesmeldung von Pilnacek veröffentlichte, obwohl zu diesem Zeitpunkt niemand - abgesehen vom Baggerfahrer, dessen Chef und der Polizei vor Ort - von der Identität der Leiche wusste. Ein Wiener Rechtsanwalt, Otto Dietrich, bekam laut Wotschke als einer der Ersten in Wien Bescheid vom Tode Pilnaceks. Das SMS habe Dietrich deutlich später bekommen, nämlich um 9:28 Uhr.
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Das erste Hickhack
“Wenn Du nicht immer unqualifiziert hereinrufen würdest, dann wären wir längst fertig“, sagt FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker in die Richtung von Andreas Hanger. Die beiden Mandatare liefern sich das erste kleinere Hick-Hack des Tages. Sie sind uneins, ob die Frage nach einer politischen Gesinnung im U-Ausschuss zulässig ist. Während Hanger meint, der Baggerfahrer müsse dazu gar nichts sagen, weil das ja Privatsache sei, ist Hafenecker (wie übrigens auch Neos-Mandatarin Wotschke) überzeugt, man dürfe generell natürlich nach der politischen Gesinnung fragen. Immerhin gehe es im U-Ausschuss um die Klärung politischer Abhängigkeiten und Netzwerke. Der Baggerfahrer sagt von sich selbst, er habe keine politische Gesinnung - womit die Sache erledigt ist.
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"Hat sich um seine Tochter gekümmert"
Jetzt stellt noch Grünen-Fraktionsführerin Nina Tomaselli ihre Fragen. Der Baggerfahrer betont, nur einen der beiden Lkw-Fahrer persönlich gekannt zu haben. Ob die Polizei die Namen der Lkw-Fahrer notiert oder mit diesen gesprochen habe, dazu habe er keine Wahrnehmung, so der Baggerfahrer. Seine Daten seien jedenfalls aufgenommen worden.
Neu ist laut Tomaselli, dass der Vater von Anna P. zum Fundort nachgekommen sei. Dieser habe sich "eher um seine Tochter gekümmert", sagt der Baggerfahrer. Tomaselli: "Das ist verständlich."
Auch Tomaslli stellt eine Nachfrage zur Rampe. War diese wirklich nötig? "Ohne diese Rampe wäre die Feuerwehr nicht raufgekommen über dieses steile Gelände", sagt der Baggerfahrer.
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Hafenecker gegen Hanger - die zweite Runde
Der Staatsanwalt und die Postenkommandantin hätten ihn befragt, so der Baggerfahrer zu Tomaselli. Ein Befragungsprotokoll sei ihm nicht vorgelegt worden.
Nun ist wieder Hafenecker an der Reihe und fragt noch einmal nach der Rampe. Pilnacek mit dem Bagger direkt aus dem Wasser zu heben, sei aus Sicht des Baggerfahrers zur gefährlich gewesen. Er würde auch versuchen, Dinge so einfach wie möglich zu lösen, sagt Hafenecker - und erntet eine Bemerkung Hangers. "Kollege Hanger, wenn du einmal nichts sagen würdest, würde das deinem Gesamteindruck, den du hinterlässt, sehr helfen", sagt Hafenecker. Und: "Von dir lasse ich mich nicht außer Tritt bringen."
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Erde bei der Rampe schon davor "umgelöffelt"
Hafenecker fragt den Baggerfahrer, ob er vor Ort Gespräche mitbekommen habe, in denen über einen Suizid diskutiert wurde. Dieser verneint. Auch die Frage, ob er Gespräche über eine Obduktion mitbekommen habe, verneint er erneut. Um die Errichtung der Rampe, so der Baggerfahrer, hätten ihn Polizei und Feuerwehr gemeinsam gebeten. Und: Dort, wo die Rampe gewesen sei, hätte er die Erde in der Früh "schon einmal umgelöffelt". Hätten sich dort also Beweisstücke befunden, dann hätte er sie schon davor zerstört, ergänzt der Baggerfahrer.
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"Mehr kann ich dazu nicht sagen"
Hanger will in der zweiten Fragerunde nur noch wissen, ob er das Gefühl habe, dass Polizei und Feuerwehr behindert wurden. "Nein." Duzdar fragt, ob der Baggerfahrer mit Frau Karin W. gesprochen habe. Er wiederholt, dass beide Damen traurig gewesen seien und geweint hätten. W. kenn er vom "Sehen", Anna P. sei mit ihm in den Kindergarten gegangen, die kenne er "persönlich" - ihren Vater auch. "Wir sind eine kleine Gemeinde, da kennt fast jeder jeden." Der Vater sei gekommen und habe seine Tochter getröstet: "Mehr kann ich dazu nicht sagen."
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Baggerfahrer: "Ich glaube, dass es ein Unfall war"
Wotschke will wissen, ob der Haken, der bei der Bergung der Wasserleiche verwendet wurde, spitz sei und einer Leiche eine Verletzung hätte zufügen können. "Könnte sein, ja", sagt der Baggerfahrer. Dass es zu einer Verletzung im Gesicht von Pilnaceks Leiche gekommen sei, habe er nicht mitbekommen.
Und: "Ich glaube, dass es ein Unfall war. Man kann über den Schacht sehr wohl runterstürzen und dann ins Wasser fallen." Dass bereits so früh über einen Suizid gesprochen wurde, sei für ihn unverständlich gewesen.
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Detailfragen zur Farbe der Leiche
Die Abgeordneten haben keine weiteren Fragen an den Baggerfahrer. Die Verfahrensrichterin will abschließend noch ganz genua wissen, was an der Leiche "komplett weiß wie ein Blatt Papier" gewesen sei. Kopf und Hände, so der Baggerfahrer. Ob der Kopf auch einmal blau gewesen sei, fragt die Verfahrensrichterin. "Der Kopf war nicht blau, er war immer weiß."
Die Befragung ist beendet.
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Blaues Resümee
Die Befragung des Baggerfahrers ist beendet, FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker zieht kurz Bilanz. Der Freiheitliche hält es für auffällig, dass - abgesehen vom Baggerfahrer - noch zwei Lkw-Fahrer vor Ort waren, die in den Akten nicht vorkommen und offensichtlich nicht befragt worden sind. Überhaupt wurde keine Einvernahme des Baggerfahrers in die Akten aufgenommen bzw. an den U-Ausschuss geliefert. Die Frage, ob der Baggerfahrer mit seiner Rampe mögliche Beweismittel vernichtet hat, könne man nicht klären. Bemerkenswert sei allerdings, dass der Baggerfahrer die Unfall-Theorie für plausibel halte, man vor Ort aber keine Spuren in diese Richtung gesichert habe.
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Es geht weiter: "Ich hoffe, das ist nicht der Pilnacek"
Es geht weiter, die Verfahrensrichterin ist am Wort. Jetzt wird ein Feuerwehrmann befragt, der beruflich auch Gruppeninspektor ist, und an der Bergung der Wasserleiche beteiligt war. Er habe sich nach der Benachrichtigung über die Wasserleiche zum Feuerwehrhaus begeben, sich mit rund sechs Kameraden der Feuerwehr eine Wathose genommen und sie seien zum Fundort der Leiche gefahren.
Im Feuerwehrauto hätte der Bruder von Anna P., am Einsatz beteiligt, gesagt: "Ich hoffe, das ist nicht der Pilnacek." P. wusste, dass Pilnacek am Vorabend stark alkoholisiert von der Polizei aufgehalten wurde, die ihm seinen Führerschein abnahm. P. stehe nicht am Einsatzprotokoll, ist die Verfahrensrichterin verwundert. Der befragte Feuerwehrmann hat das Protokoll nicht erstellt und kann somit nicht näher auf die Frage eingehen.
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Fragen zur Bergung
Die ÖVP startet die Befragung, am Wort ist nicht Hanger, sondern Jakob Grüner. Der Feuerwehrmann erklärt noch einmal den Ablauf. Er habe sich eine Wathose genommen und sei ins Feuerwehrauto eingestiegen. Wer hat ihn beim Einsatz begleitet? "Sicher" der Feuerwehrkommandant. Der Zeuge nennt weitere Namen - und den Nachnamen immer zuerst.
Am Fundort sei man "den Weg" nach vorne gegangen, habe die Wasserleiche gesichtet, sei über eine seichte Stelle in die Donau eingestiegen. Mit der Wathose seien sie nicht zur Leiche gekommen, dafür sei das Wasser zu tief gewesen. Die Leiche hätten sie dann mit einer Stange, an der Spitze ein Haken, zu sich gezogen.
Verzögerungen oder Hindernisse habe es beim Einsatz nicht gegeben. Ob es Auffälligkeiten in der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Feuerwehr gegeben habe? "Nein, eigentlich nicht." Zuhause habe er nach der Bergung mit niemanden gesprochen, sagt der Feuerwehrmann: "Ich war allein." Aus der Donau habe er bisher "um die fünf" Wasserleichen geborgen.
Ein "Fremdverschulden" habe er beim Anblick der Leiche nicht wahrnehmen können. "Ich habe die Leiche nur im voll bekleideten Zustand gesehen." Ihm sei nur eine "fingernagelgroße" Wunde über der Augenbraue aufgefallen. Er sei kein Arzt, aber es habe nicht nach einer schweren Verletzung ausgesehen.
Die Leiche sei im Wasser "am Rücken" gelegen, der Kopf sei aber teilweise unter Wasser gewesen. Er habe das Gefühl gehabt, dass Pilnaceks Jacke die Leiche gerade noch so am Rücken gehalten habe, so der Feuerwehrmann.
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Gesicht etwas "bläulich-gräulich"
Für die SPÖ stellt nun der Abgeordnete Antonio Della Rossa, ein Ersatzmitglied des roten U-Ausschuss-Teams, die Fragen. Er befragt den Feuerwehrmann zu den Gegebenheiten vor Ort. Es stellt sich heraus: Nach dem Hochwasser im Spätsommer 2024 haben sich die Gegebenheiten am Fundort durchaus verändert. Der Zeuge muss noch einmal erklären, wie die Leiche geborgen wurde.
Der Kopf sei unter Wasser gewesen. Welche Farbe habe die Leiche gehabt? "Ich würde sagen, eine übliche Leiche", so der Feuerwehrmann, die Leiche sei vielleicht etwas bläulich-gräulich gewesen.
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Nur Feuerzeug gefunden
In den Taschen von Pilnacek habe er nur ein Feuerzeug gefunden, sagt der Feuerwehrmann. Dieses habe er "in der Hose gelassen".
Nun befragt ihn Wotschke - der Feuerwehrmann kann mit ihren Fragen eher wenig anfangen. Er hat beispielsweise keine Wahrnehmung, was die jene Feuerwehrleute während der Bergung gemacht haben, die nicht an dieser beteiligt waren. Der Zeuge weiß auch nicht, was er an deren Stelle gemacht hätte. Und er kann auch nicht sagen, warum ein Datum am Einsatzbericht der Feuerwehr fehle - diesen verfasse immer die "Verwaltung" der Feuerwehr.
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Feuerwehrmann weiß nicht, wer die Medien informiert hat
Wotschke fragt den Feuerwehrmann, ob er wisse, wie Informationen an die Medien gelangt seien. "Nein, absolut nicht", sagt der Zeuge. Es sei nicht üblich, dass die Feuerwehr vor Ort Fotos mache. Auch zu weiteren Informationsflüssen habe er keine Wahrnehmungen.
Wotschke fragt auch den Feuerwehrmann nach dem Wiener Rechtsanwalt, Otto Dietrich. Dieser bekam ja laut Wotschke einer der Ersten in Wien Bescheid vom Tode Pilnaceks - um 9:28 Uhr. Der Feuerwehrmann betont, Dietrich nicht zu kennen. Er könne sich jedenfalls vorstellen, dass Pilnacek "ins Wasser gegangen sein könnte".
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Wer hat den Feuerwehrmann vorbereitet?
Tomaselli will vom Feuerwehrmann wissen, warum er den Baggerfahrer nicht namentlich nenne - sondern "Baggerfahrer". Der Zeuge antwortet: "Weil er eben der Baggerfahrer ist." Jetzt fragt Tomaselli nach, wer den Feuerwehrmann auf den U-Ausschuss vorbereitet hat, wer ihn "gecoacht" habe. Das sei eine "persönliche Sache", widerspricht die Verfahrensrichterin. Hafenecker weist darauf hin, dass die Vertrauensperson des Feuerwehrmanns, Rechtsanwalt Martin Huemer, sonst eher namhafte ÖVP-Politiker im U-Ausschuss begleite.
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"Hat ja nichts mit den Ermittlungen zu tun!"
Tomaselli fragt noch einmal, warum Huemer die Vertrauensperson des Feuerwehrmanns ist. Die Verfahrensrichterin erkennt weiterhin keinen klaren Zusammenhang der Frage mit dem Untersuchungsgegenstand des U-Ausschusses. Jetzt fragt Tomaselli, wer Huemer bezahlt. Vielleicht das Innenministerium? Nun weist U-Ausschuss-Vorsitzender und Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) darauf hin, dass auch ihm wichtig sei, dass Fragen zum Ermittlungsgegenstand passen.
Tomaselli meint daraufhin, dass der Feuerwehrmann im Brotberuf Polizist sei. Und Huemer hat dem Vernehmen nach einen Rahmenvertrag mit dem Innenministerium als Berater. Die Verfahrensrichterin wird leicht emotional: Tomasellis Frage insinuiere, der Zeuge wolle etwas verschleiern. "Die Auskunftsperson hat ja nichts mit den Ermittlungen zu tun!"
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Feuerwehrmann will Frage nicht freiwillig beantworten
Rosenkranz stellt dem Feuerwehrmann offen, die Frage freiwillig zu beantworten. Will er das? "Nein, will ich nicht", antwortet er.
Der U-Ausschuss wird für eine Geschäftsordnungsdebatte unterbrochen.
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Frage ist zugelassen
Es geht weiter: Tomaselli muss zurückrudern, Huemer habe derzeit keinen Rahmenvertrag mit dem Innenministerium. Sie wiederholt dennoch ihre Frage an den Feuerwehrmann. Der fragt, ob er diese nun beantworten muss. Eine weitere, zirka fünfminütige Beratung folgt. Rosenkranz stellt nun klar, dass die Frage zugelassen sei.
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"Dienstgeber hat mir das Angebot gemacht"
Die Frage lautet: Ist jemand aus dem Innenministerium an den Feuerwehrmann, beruflich Polizist, herangetreten? "Der Dienstgeber hat mir das Angebot gemacht, an einer Schulung zu Rechten und Diensten am U-Ausschuss teilzunehmen", so der Feuerwehrmann bzw. Polizist. Tomaselli will weiter wissen: Wer habe aller an der Schulung teilgenommen, was wurde dort alles gemacht? Diese Fragen hält Rosenkranz wiederum für unzulässig.
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Zähe Befragung zur Vorbereitung des Feuerwehrmannes
Die Befragung verläuft gerade sehr, sehr zäh, die Auskunftsperson ist ungemein vorsichtig...
Tomaselli will wissen: Ist im Rahmen des Seminars allgemein über die Geschäftsordnung des U-Ausschusses oder genau über den Fall Pilnacek geredet worden? "Das waren rein die Rechte und Pflichten im U-Ausschuss", antwortet der Feuerwehrmann - aber nicht spezifisch zum Pilnacek-Ausschuss. Ob er sich mit einem Rechtsvertreter oder anderen vor der Befragung abgesprochen habe, will Tomaselli weiter wissen. Gespräche habe es gegeben, Antworten seien aber nicht abgestimmt worden, sagt der Zeuge. "Haben Sie mit anderen Angehörigen vom BMI sich über Ihre heutige Befragung unterhalten? Sie sind seit Dezember geladen", fragt Tomaselli den Feuerwehrmann weiter. "Aussageinhalte wurden nicht besprochen", antwortet der Befragte. Worüber sei dann im Seminar gesprochen worden? Der Feuerwehrmann wiederholt: "Über die Rechte und Pflichten im Untersuchungsausschuss."
Tomaselli bedankt sich, Themenwechsel...
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"Das vermischt sich"
Warum er nicht auf die Professionisten gewartet habe, damit sie die Leiche bergen, will Tomaselli wissen? Der Auftrag sei gewesen, eine Leiche aus der Donau zu bergen, antwortet der Feuerwehrmann. Zu den Lkw-Fahrern vor Ort habe er keine Wahrnehmungen. Habe er am Polizeiposten über den Fall gesprochen? Der Falls sei über zwei Jahre her, es werde viel gesprochen, es gebe Gerüchte: "Das vermischt sich nach zwei Jahren."
"Wer hat sie in den letzten zwei Jahren zu dem Fall kontaktiert", fragt Tomaselli. "Von Behördenseite hatte ich natürlich Kontakt mit der Staatsanwältin von Eisenstadt, telefonisch", sagt der Feuerwehrmann. Zudem habe es einmal eine Begehung des Fundortes gegeben.
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Hafenecker fragt, Auskunftsperson hat kaum Wahrnehmungen
Derzeit ist ein bisschen die Luft draußen. Hafenecker befragt die Auskunftsperson, nur hat der Feuerwehrmann zu fast allen Fragen keine Wahrnehmungen. "Ich hab nach der Ablage der Leiche nichts mit dem Fall zu tun gehabt und den Fundort verlassen", sagt der Feuerwehrmann. Die Smartwatch an Pilnaceks Handgelenk habe er nicht gesehen.
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Gab’s einen USB-Stick?
FPÖ-Mandatar Christian Hafenecker geht mit der Auskunftsperson, einem Polizisten, der vor Ort als Feuerwehrmann tätig war, noch einmal die Frage durch, was er genau an der Leiche gefunden hat. Zur Erinnerung: Der Feuerwehrmann hat - weil er für die Leichenbergung bereits Einweghandschuhe trug - die Taschen Pilnaceks durchsucht, wobei die zwei Polizistinnen dabei anwesend waren. Er hat gewissermaßen Amtshilfe geleistet. Gefunden hat er nur ein Feuerzeug. Von einem USB-Stick wisse er nichts, antwortet die Auskunftsperson.
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Beide Zeugen nahmen an Schulung des Innenministeriums teil
Die Schulung für den U-Ausschuss habe am 8. Jänner 2026 im Bezirkskommando Krems zur Dienstzeit stattgefunden, sagt der Feuerwehrmann. Ob die nächste Auskunftsperson, ein weiterer Gruppeninspektor, der ebenfalls am Fundort der Leiche war, ebenfalls an der Schulung teilgenommen habe, will SPÖ-Mann Della Rossa wissen. Der Feuerwehrmann bejaht.
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Klarstellung: Feuerwehrmann vermutet Suizid
Della Rossa will wissen, ob der Feuerwehrmann mit der Vermutung, Pilnacek sei "ins Wasser gegangen" einen Suizid gemeint habe. Der bejaht das.
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Kein Trampelpfad
Grünen-Abgeordnete Nina Tomaselli fragt nun nach einem „Trampelweg“. Zur Erklärung: An möglichen Tatorten vereinbaren die Einsatzkräfte einen Pfad, auf dem man sich möglichst bewegt, um allfällig vorhandene Spuren nicht zu zerstören. Der geladene Feuerwehrmann weiß nichts von einem solchen Pfad. Offenbar, weil alle Anwesenden fix davon ausgegangen sind, dass es sich um kein Verbrechen gehandelt haben kann. Er habe sich vor allem um die Bergung der Leiche gekümmert, sagt er.
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Befragung beendet
Auch die Befragung des Feuerwehrmanns ist nun vorbei. Die nächste Auskunftsperson wäre eigentlich für 13 Uhr geladen gewesen... Um 15.35 Uhr soll die Sitzung fortgesetzt werden.
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Was Hafenecker interessant vorkommt
Hafenecker spricht im Nachhinein von einer interessanten Befragungsrunde. Spannend sei, dass der Feuerwehrmann die Leiche als bläulich-gräulich und nicht als "weiß wie ein Blatt" beschrieben habe - wie zuvor der Baggerfahrer. Richtig interessant habe er gefunden, dass der Zeuge vor der Befragung mit einem Seminar des Innenministeriums "beglückt" worden sei - während seiner Dienstzeit. Von viel Feingefühl seitens des ÖVP-geführten Ministeriums zeuge das nicht. "Und das ist noch freundlich formuliert." Der Pilnacek-U-Ausschuss untersuche ja auch politische Einflussnahme. "Abschließend kann man sagen, wie erfahren bei jeder Auskunftsperson mehr", sagt der FPÖ-Fraktionsführer.
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Wotschke irritieren die raschen Informationsflüsse
Wotschke interessiert im Nachhinein, wie die Information, dass Pilnacek verstorben sei, so schnell nach Wien gelangt ist. Und, wie man so schnell auf einen Suizid gekommen sei. Der Baggerfahrer hätte ja auch gedacht, es sei ein Unfall gewesen.
Die zweite Befragung sei "deutlich weniger ergiebig" gewesen, meint Wotschke. Die Schulung, über die man offensichtlich "nicht so gern spricht" sei in diesem Zusammenhang interessant.
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Nummer 3 ist am Wort
Nun ist Zeuge Nummer 3 am Wort. Es handelt sich um einen Polizisten, Gruppeninspektor Franz R. Er war als Tatort-Beamter für diesen Tag eingeteilt, das bedeutet: Aufgrund einer speziellen Ausbildung für die Spurensicherung an Tatorten wurde er an den Fundort geschickt.
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Ablauf einer Leichenbeschau
Kai Jan Krainer fragt R., wie genau er die Tatort-Arbeit angelegt hat. Dieser erklärt, wie eine kriminalpolizeiliche Leichenbeschau passiert. Zunächst wird der bekleidete Leichnam untersucht. Er habe Hosen- und Jackentaschen untersucht, sie seien leer gewesen. Die Smartwatch und der Ehering seien noch am Leichnam gewesen. Dann wurde die Leiche entkleidet - mit einer Schere. Er habe den gesamten Körper untersucht, an die Verletzungen, darunter einige Hämatome, könne er sich noch gut erinnern.
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R. weist Kritikpunkte zurück
Die Kritik, die Kriminalbeamte hätten keine kriminalpolizeiliche Leichenbeschau, sondern nur eine Totenbeschau durchgeführt, weist R. zurück: Bei einer Totenbeschau hätte man die Kleidung nicht aufgeschnitten. Ebenso kritisiert wurde, dass er die Wassertemperatur nicht gemessen hat. "Eine Messung der Wassertemperatur lässt keinen Rückschluss auf den Todeszeitpunkt einer Leiche zu. Deshalb ist es bei einer Wasserleiche nicht üblich, die Wassertemperatur zu messen", sagt R. Grund: Die Wassertemperatur sei in unterschiedlichen Wassertiefen unterschiedlich hoch.
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Die Sache mit den Schuhabdrücken
R. erzählt jetzt, wie er die Fußspuren am Ufer des Donauarms gesichert und geklärt hat. Die Fußspuren auf dem feuchten Untergrund seien auffällig gewesen - und aufgrund von Größe und Abdrücken eindeutig Pilnacek zuordenbar gewesen.
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Verhinderte Obduktion
Mittlerweile fragt wieder Sophie Wotschke (Neos) und der Polizist erklärt, es sei vor Ort eindeutig gewesen, dass bei Pilnacek keine Fremdeinwirkung feststellbar war. Dass jemand aus der Polizei versucht haben soll, eine Obduktion zu verhindern, kann R. nicht nur nicht bestätigen, er hält dies für realitätsfremd. „Ich kenne keinen Polizisten, der eine Obduktion verhindern wollen würde.“
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Keine Indizien auf Gewalt
Es habe, so R., keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gegeben. Weder habe es lebensbedrohliche Verletzungen gegeben, noch hätten die Spuren darauf hingedeutet, dass jemand anderer in den Tot Pilnaceks involviert war. Die vorliegenden Fakten, sagt R., wurden besprochen - und dann auf einen Suizid geschlossen. Schnell oder leichtfertig sei das nicht passiert.
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Erste Zeugen wurden befragt
Nachdem dem gestrigen Ausflug an den Ort, an dem Justizsektionschef Christian Pilnacek starb, haben heute die Befragungen begonnen.
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Ein Tag zusammengefasst
Nach neun Stunden durchgehender Berichterstattung übergibt das Live-Team den Ticker nunmehr an den KURIER-Newsdesk. Wir bedanken uns für das große Interesse und verweisen auf die Zusammenfassung des ersten Tages, die Sie ab sofort unter diesem Link finden.
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Das war's von Tag eins
Wir dürfen Ihnen an dieser Stelle noch den Leitartikel von Chefredakteur Martin Gebhart empfehlen. Er fordert ein neues Regelwerk, das diesem Kontrollinstrument tatsächlich gerecht wird.
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