Weniger Latein, mehr KI: Wiederkehr verteidigt in ZIB2 Lehrplan-Reform
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat für Herbst einen kompletten Umbau des Bildungssystems angekündigt, auch bei den Lehrplänen. Künstliche Intelligenz (KI) sowie das Fach Medien und Demokratie sollen dabei künftig mehr Raum bekommen. In den Gymnasien wird dafür beim Latein-Unterricht gekürzt.
Die Reaktionen darauf fielen gemischt aus: Kritik kam postwendend von der Gewerkschaft. Industriellenvertretung und Wirtschaftskammer hingegen begrüßen die Idee. Wiederkehr war dazu am Donnerstagabend in der ZIB 2 zu Gast.
"Neue Gewichtung"
Latein sei ihm noch immer wichtig, so Wiederkehr im Studio bei Moderator Martin Thür. Aber: „Wenn andere Themen wichtiger werden, müssen wir auch den Mut haben, in der Schule manche Themen zu reduzieren." Konkret schlägt er vor, Latein von zwölf auf acht Stunden zu reduzieren.
Der Minister betonte, dass es sich nicht um eine Abschaffung handle. „Gesamt haben wir noch immer mehr Latein als diese anderen Fächer (KI, Medienbildung und Demokratie), es ist nur eine neue Gewichtung“, sagte er.
Querschnittsmaterien wie politische Bildung oder KI in allen Fächern zu verankern, habe sich aus seiner Sicht nicht bewährt. Das „überfordert die Schulen und auch die Lehrkräfte und es kommt dann auch nicht gezielt vor“. Stattdessen sollten zentrale Themen wie Informatik und Künstliche Intelligenz „einen eigenen Raum im Unterricht" bekommen, also "in einem eigenen Fach mit entsprechend ausgebildeten Lehrkräften“.
Reduktion der Sprachstunden
Kritik an der Reduktion von Sprachstunden wies der Bildungsminister zurück. Englisch bleibe „in der gleichen Stundenzahl erhalten“. Eine zweite lebende Fremdsprache werde dort, wo es nicht Latein ist, zwar um zwei Stunden gekürzt, in Gymnasien um vier Stunden. Er verweist jedoch auf Spielräume für Schulen. Standorte könnten eigene Schwerpunkte setzen, etwa mehr Französisch oder zusätzliche Stunden in Sport oder Latein, „sie müssen nur am Schulstandort verhandeln, wovon es weniger gibt“.
Der Minister sprach von einer „Güterabwägung“. Rückmeldungen von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften würden zeigen, „man kann nicht immer nur was dazu stopfen, das geht sich irgendwann nicht mehr aus“. Für neue Themen wie KI, Demokratie und Medienbildung müsse Raum geschaffen werden, „und in dieser Güterabwägung komme ich klar zum Bekenntnis, das zahlt sich aus“.
Wer unterrichten soll
Zum Einwand, es fehle an Personal für KI-Unterricht, verwies Wiederkehr auf das bestehende Fach digitale Grundbildung in der Unterstufe. Dort gebe es bereits Lehrkräfte, die weiterqualifiziert werden könnten. Zusätzlich seien Fort- und Weiterbildungen geplant, weil sich die Themen laufend verändern.
Der geplante Start mit dem Wintersemester 2027 sei ambitioniert, räumte er ein. Aber: „Man muss in der Schule auch nicht jeden tagesaktuellen Wandel gleich mitmachen. Es geht eher um die Grundprinzipien“, etwa, wie man KI kritisch hinterfragt oder welche Anwendungen es gibt. "Aber ja, auch in Zukunft werden wir öfters Veränderungen vornehmen müssen."
Latein als Studienvoraussetzung
Die Kürzung von Latein hat möglicherweise auch Auswirkungen auf Studienvoraussetzungen, etwa für Jus oder Medizin. Nach aktueller Gesetzeslage wären Zusatzprüfungen nötig. Der Bildungsminister sprach sich jedoch dafür aus, die Anforderung auf acht Stunden zu senken, „damit wirklich alle, die im Gymnasium acht Stunden Latein hatten, auch Fächer studieren können, ohne Zusatzprüfung“.
Gespräche mit der Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) dazu liefen, eine Zustimmung gebe es noch nicht.
Kommentare