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Politik | Inland
01/29/2019

Land der Klimasünder: Österreichs verheerende Treibhausgas-Bilanz

Wie in den Vorjahren ist auch 2017 der Treibhausgas-Ausstoß gestiegen – und nicht gesunken, wie es unsere Verpflichtung wäre.

Schon das dritte Jahr in Folge legt Österreichs Klimapolitik einen Bauchfleck hin. Vom angeblichen Klimaschutz-Musterschüler sind wir weiter entfernt denn je. Das zeigen die neuesten Daten des Umweltbundesamts, wonach die Treibhausgas-Emissionen 2017 im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen sind.

Seit 2013 gelten in Österreich gesetzliche Höchstmengen beim Verkehr, bei Gebäuden, in der Landwirtschaft und für die Abfallwirtschaft. Das gesetzliche Ziel für 2017 wurde verfehlt. Die tatsächlichen Emissionen dieser Sektoren liegen bei rund 51,7 Millionen Tonnen und damit um rund 2,1 Millionen Tonnen über dem Zielwert von 49,5 Millionen Tonnen. Im EU-Vergleich (1990 bis 2016) liegt Österreich an fünftletzter Stelle. Während etwa Dänemark seit 1990 27,5 Prozent Emissionen einsparen konnte, legte Österreich um über ein Prozent zu.

Besonders der Verkehrsbereich ist für den CO2-Anstieg verantwortlich. Das hat mit dem im Vergleich zum Ausland billigeren Dieselpreis zu tun, aber auch mit immer größeren Fahrzeugen. Dazu kamen 2017 überdurchschnittlich viele Heiztage.

-Berechnung

Treibhausgase entstehen zum überwiegenden Teil aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle zu CO2 (Kohlendioxid). Zwei Drittel der in Österreich eingesetzten Energie stammt aus fossilen Brennstoffen. Die chemische Berechnung ist einfach: Aus einem Liter Heizöl entstehen bei der Verbrennung rund 3,4 Kilogramm CO2, bei einem Liter Diesel sind es drei Kilo, bei einem Liter Benzin sind es 2,7 Kilogramm.

Wie teilen sich die Emissionen auf die Sektoren auf? Der größte Brocken mit 37 Prozent kommt aus der Industrie. Diese unterliegt einer jährlich strenger werdenden europäischen Regelung samt Emissionshandel.

Alle anderen Bereiche liegen in der Verantwortung der nationalen Politik. Maximalziele gibt es für die Jahre 2020 und 2030. „Das Erreichen des Klimaziels für 2020 ist nicht gesichert“, warnt nun das Umweltbundesamt.

Sorgenkind Verkehr

Der Verkehrsbereich ist für rund 29 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, von 2016 auf 2017 stiegen die Emissionen um knapp 3 Prozent. Auch der Gebäudebereich, der für rund 10 Prozent der Emissionen verantwortlich ist, verzeichnete einen Anstieg um rund 1,8 Prozent. In der Landwirtschaft (-Anteil 10 Prozent) und in der Abfallwirtschaft (3 Prozent) wurden weniger Treibhausgase ausgestoßen.

„Seit dem Jahr 1990 verzeichnen wir im Verkehrssektor eine Steigerung der Treibhausgas-Emissionen in der Höhe von 71,8 Prozent. Anreize und Maßnahmen zum Umstieg auf klimaverträgliche Mobilitätsformen sind unumgänglich“, erklärt Umweltbundesamt-Geschäftsführerin Monika Mörth.

„Nicht genügend“

Für den Verkehrsclub Österreich ist die Klimabilanz ein „Nicht genügend“, es brauche „rasch ein umfassendes Maßnahmenpaket, damit der Verkehr seine Klimaziele erreicht“. Greenpeace fordert die österreichische Regierung auf, sofort ein Notfallprogramm zu starten, um dem Negativtrend wirksam gegenzusteuern. Global 2000 meint, die Bundesregierung dürfe angesichts steigender Emissionen den Kopf nicht länger in den Sand stecken; und der WWF fordert, daß Steuersystem zu ökologisieren, umweltschädliche Subventionen abzubauen und eine Mobilitätswende zu forcieren.

Klimaschutz-Ministerin Elisabeth Köstinger verweist auf die 2018 beschlossene Energie- und Klimastrategie. Diese sei „unsere Grundlage für weitere Handlungsschritte und Maßnahmen“.