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Was Klaudia Tanner auf einem Luftwaffenstützpunkt in Italien tut

Die neue Weltordnung zwingt Europas Staaten, neue Allianzen zu schmieden. Für Österreich wird ein Partner militärisch immer wichtiger: Italien.
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Manchmal geht es um die kleinen Gesten: Als Klaudia Tanner auf einem vor Hitze flirrenden Flugfeld in Rom einen Transporter der italienischen Luftwaffe besteigt, fragt sie ein Pilot, ob sie bei ihm sitzen wolle. Es wäre ihm eine Ehre, An- und Abflug auf Sardinien seien sehenswert; und zudem sei es im Cockpit nicht so dunkel und laut wie im Bauch der Maschine.

Die Verteidigungsministerin nimmt dankend an, und vermutlich muss man an dieser Stelle erklären: Was tut Österreichs Verteidigungsministerin in Italien?

Anlässe gibt es  zuhauf. 

Der eine ist dieser: Rom und Wien rücken, salopp formuliert, militärisch immer enger zusammen. Die Armeen üben gemeinsam (etwa bei der Übung „Wechselland 26“, Anm.). Und zuletzt hat das Bundesheer beim italienischen „Leonardo“-Konzern Hubschrauber und Jets in Höhe einer Milliarden Euro geordert.

Hinzu kommt: Weil sich die Vereinigten Staaten aus der Rolle des Weltpolizisten zurückziehen, müssen sich die Staaten der EU - ob Nato oder nicht -  neu organisieren. Auch das haben Tanner und ihr Amtskollege Guido Crosetto in einem „Letter of Intent“ in Rom festgehalten - man vertraut einander und kooperiert bei Beschaffungen und Projekten wie der Drohnen- und Raketenabwehr.

Und ein letzter Grund, warum die Verteidigungsministerin in einer Militärmaschine nach Decimomannu fliegt, ist die International Flight Training School (IFTS), in der Österreichs Kampfpiloten trainieren, bevor sie etwa den Eurofighter pilotieren. 

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Campus-Feeling

In Decimomannu wird Tanner ein neues, in dieser Form besonderes Trainingskonzept gezeigt: Die IFTS ist ein „Campus“ im sprichwörtlichen Sinne. Für die 80 Flugschüler, die ganzjährig auf 22 Maschinen trainieren, wurden Apartments, ein Fitnessstudio, eine Kantine und sogar eine Schwimmhalle gebaut.  „Wo wir stehen, da waren bis vor kurzem nur Gras und Erde“, sagt  Francesco Vestito. Der Generalleutnant ist in Italiens Luftwaffe für die Pilotenausbildung verantwortlich. Es sei ein Paradigmen-Wechsel gewesen, die Industrie so eng ans Militär heranzuführen. „Wir mussten einige Gesetze ändern“, sagt Vestito. Mittlerweile funktioniert die Kooperation beispielhaft. Ein Vertreter des Leonardo-Konzerns erklärt das so: „Die Luftwaffe sagt uns, was sie braucht, und wir stellen es bereit - zum Beispiel die  gesamte Wartung.“

Tanner ist anzusehen, dass sie das Tempo, mit dem die Italiener den Campus hochgezogen haben, beeindruckt. 

Die  wehrpolitischen Themen in Österreich sind in den wenigen Stunden auf Sardinien kurz weg - und doch irgendwie nahe. 

Während die Ministerin durch die Wartungshalle geführt wird, ergibt sich eine Neuerung bei der Wehrpflicht: Bekannte SPÖ-Vertreter wie der frühere Generalstabschef Edmund Entacher und der vormalige SPÖ-Niederösterreich-Chef Franz Schnabl haben ein Papier unterschrieben, in dem sie das von der ÖVP favorisierte Modell  „8 plus 2“ verteidigen. 

Und auch die Nachbeschaffung der Eurofighter ist Thema - allein deshalb, weil die Journalisten danach fragen. Tanner gibt sich beim Thema optimistisch: „Das Bekenntnis zur Nachbeschaffung wurde im Ministerrat beschlossen“, sagt sie zum KURIER. Die Regierung arbeite „über den Sommer“ die Details aus, gleichwohl würden die Raten (für den Ankauf der neuen Jets, Anm.) „nicht sofort“ schlagend. Und „die zehn Milliarden Euro sind eine Schätzung.“

Wozu noch mehr Jets?

Als es spätabends erst nach Rom und danach weiter nach Wien geht, erzählt Tanner von der Herausforderung bei der Nachfolge für den Eurofighter. „Natürlich besteht die Gefahr, dass die Bevölkerung sagt, `Wir haben die Trainingsjets - wozu noch mehr Jets?`“

Das müsse man als Politik erklären. Aber die Ministerin hat das Gefühl, dass viele Wähler weiter seien als so mancher Politiker. Das Empfinden sei anders als bei der Beschaffung der Eurofighter vor zwei Jahrzehnten. Für Tanner ist das kein Gefühl, sondern messbar. „Trotz Spardrucks sagt mehr als die Hälfte der Österreicher, dass das Bundesheer mehr Geld braucht. Das Verständnis dafür, was militärische Landesverteidigung bedeutet, hat sich enorm verändert.“

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