Jurist und Ex-Politiker Alfred Noll verstorben

Der 66-Jährige war auch als vielbeschäftigter Autor tätig. Zwei Jahre saß er für die Liste Pilz im Nationalrat.
46-105345849

Der bekannte Jurist und Ex-Politiker Alfred Noll ist am Montag verstorben. Das wurde dem KURIER seitens seiner Rechtsanwaltskanzlei in Wien bestätigt. 

Noll, geboren 1960 in Salzburg, studierte nach einer Lehre als Fernmelde-Techniker Rechtswissenschaften in Salzburg und war ab 1992 als Rechtsanwalt tätig. Sein Spezialgebiet war Urheberrecht und Medienrecht, aber auch die Menschenrechte.

Alfred Noll und Veronika Sengmüller

.

2013 wurde ihm der Berufstitel Universitätsprofessor verliehen. Bekanntheit erlangte er auch als Moderator der Radioreihe Die Kunst der Demokratie. Weiters verfasste er zahlreiche wissenschaftliche und journalistische Beiträge.

Mandatar der Liste Pilz

Politisch wurde er anfangs den Grünen zugerechnet und unterstützte auch Alexander Van der Bellen in seinem ersten Bundespräsidentschaftswahlkampf. Als Peter Pilz sich von den Grünen abwandte, half er ihm bei der Listengründung. 2017 trat er bei der Nationalratswahl für die Liste Pilz an und zog auch in den Nationalrat ein. Bei der Nationalratswahl 2019 kandidierte er allerdings nicht mehr. 

Im Jahr 2024 trat er beim inszenierten Festwochen-„Prozess“ gegen die FPÖ als „Ankläger“ auf. Im selben Jahr wurde Noll von der KPÖ Plus in Salzburg in den Aufsichtsrat des dortigen Messezentrums entsandt. Ende 2025 wurde er außerdem Aufsichtsratsmitglied der Wiener Festwochen. 

Zuletzt fungierte Noll auch als Herausgeber von Michael Scharangs Essaybänden „Die Sehnsucht des Geistes nach dem Tornister“, „An vorderster Front“ und „Im Angesicht der Barbarei“.

 Der Vater von erwachsenen Zwillingen sah sich als Schöngeist und Intellektueller. Er schrieb Gastkommentare und versuchte sich als Hobby-Maler. Als Anwalt machte er sich unter anderem im Medienbereich und in Restitutionsangelegenheiten einen Namen, etwa in den Causen „Amalie Zuckerkandl“ oder „Beethoven-Fries“. 

Noll war Gründer und Mitherausgeber des Journals für Rechtspolitik, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Zeitschrift Medien und Recht, Ausschussmitglied der Wiener Rechtsanwaltskammer sowie Mitglied der Österreichischen Juristenkommission. 

Tiefe Betroffenheit

Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) zeigte sich in einer Aussendung bestürzt. „Alfred Noll war nicht nur ein juristischer und kunstaffiner, sondern auch ein zutiefst politischer Kopf“, so Babler. „Seine Arbeit hatte stets einen gesellschaftspolitischen Anspruch: Die Wahrung der Menschenrechte, eine freie Gesellschaft und eine lebendige Diskussionskultur waren die Leitlinien seines juristischen und politischen Lebens - Werte, die wir miteinander teilen. Nolls viel zu früher Tod hinterlässt eine Leerstelle in der österreichischen Zivilgesellschaft.“ 

Die Grüne Justizsprecherin und ehemalige Parteikollegin Nolls bei der Liste Pilz, Alma Zadic, würdigte Noll als „herausragenden Juristen und Intellektuellen“, der mit seinem analytischen Verstand und seinem pointierten Humor Debatten geprägt habe, „sowohl im Gerichtssaal als auch im Parlament und in der Öffentlichkeit“. Betroffen zeigte sich auch der FPÖ-Justizsprecher Harald Stefan. Er bezeichnete Noll als „scharfsinnigen Juristen“, mit dem er trotz aller politischer Gegensätze einen respektvollen Umgang gepflegt und immer wieder interessante und tiefgehende Diskussionen geführt habe. Das Ableben Nolls sei ein „Verlust für die juristische Landschaft in Österreich“, so Stefan in einer Aussendung.

Kommentare