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Politik Inland
11/10/2019

Grüne Jugend über Türkis-Grün: "Eine Liebesbeziehung wird das nicht"

Zwei Knackpunkte aus Sicht der Grünen Jugend: Kann man der ÖVP vertrauen? Verbiegen sich die Grünen zu sehr?

von Raffaela Lindorfer

Was junge Grüne von der ÖVP halten, haben sie im Sommer mit einer Aktion gezeigt: Sie haben ihr Gingko-Bäume in die Wiener Parteizentrale gebracht – Bäume, die stinken. „Wir haben der ÖVP gegeben, was sie sich verdient“, posteten sie auf Facebook. Ihre Klimalügen, so die Jungen, „stinken zum Himmel“.

Wie geht es ihnen damit, dass ihre Partei jetzt möglicherweise davor steht, ein Bündnis mit eben dieser Volkspartei einzugehen? Jaafar Bambouk, Bundessprecher der Grünen Jugend, meinte am Tag nach der Nationalratswahl noch, eine türkis-grüne Koalition sei eine „wilde Fantasie“.

Jetzt sagt er zum KURIER: „Es ist wichtig, dass sondiert wurde.“ Er vertraue dem grünen Team, dass es das „gewissenhaft und ehrlich“ getan hätte. Und der ÖVP? „Nicht so sehr.“ Er hat den Eindruck, sie hielte sich „noch die blaue Hintertür offen“. Eines steht für ihn fest: „Eine Liebesbeziehung wird das nicht. Aber das muss es auch nicht.“

Große Zielgruppe, wenig Mitsprache

Die Grüne Bundesjugend ist erst im Februar als Dach über die einzelnen Landesorganisationen entstanden und hat weniger als 400 Mitglieder. Ihre Vorgänger, die „Jungen Grünen“, hatte sich 2017 ja mit der Bundespartei überworfen. Die grüne Jugendarbeit lag seither brach. Jaafar Bambouk und Naomi Çitak-Sametinger bauen diese als Doppelspitze jetzt wieder auf.

Eine Parteijugend darf traditionell frecher, kritischer sein. Aber obwohl sie die mit Abstand größte Wählergruppe der Grünen ansprechen – die Unter-30-Jährigen – hat ihre Stimme in den Gremien kaum Gewicht.

Im erweiterten Bundesvorstand, der heute entscheidet, ob die Grünen Regierungsverhandlungen aufnehmen, hat die Jugend nur eine Stimme. Beim Bundeskongress, wo am Ende der Koalitionspakt mit einfacher Mehrheit abgesegnet werden muss, sitzen etwa zehn stimmberechtigte Delegierte aus den Ländern, die der Organisation zugehörig sind – von mehr als 200.