Politik Inland
11/26/2019

Ibiza-Maklerin spricht: "Oligarchin" war "sehr, sehr glaubwürdig"

Die Wiener Immobilienmarklerin Irena M. hat mit ihrer Anbahnung die Ibiza-Affäre ins Rollen gebracht. Jetzt erzählte sie ihre Version der Geschichte.

von Christoph Schattleitner

Ohne sie hätte es das Ibiza-Video, die Regierungkrise und die Neuwahl vielleicht nicht gegeben: Irena M. hat den Kontakt zwischen Familie Gudenus und der vermeintlichen russischen Oligarchennichte hergestellt. In der Causa Ibiza wird sie allerdings nicht als Verdächtige, sondern als Zeugin geladen.

Die anhaltenden Gerüchte, wonach sie in den Tatplan eingeweiht gewesen sein soll, wolle sie nicht mehr länger ertragen, erklärt die Wienerin. Deshalb hat sie Puls24 ein ausführliches Interview gegeben, das Dienstagabend auf dem neuen Sender der ProSiebenSat1.Puls4-Gruppe ausgestrahlt wurde.

M. habe sie um Kontakvermittlung zu den Gudenus gebeten

M. Version der Geschichte geht so: Bei einem Mietvertragsabschluss, der weder mit Gudenus noch Ibiza zu tun gehabt habe, habe sie den Anwalt M. kennengelernt. Der Kunde habe daruf bestanden, das M. den Vertrag aufsetzt.

Einige Zeit später, "maximal ein Jahr danach", habe M. sie, Marakovich, kontaktiert und gefragt, ob sie den Kontakt zur Familie Gudenus herstellen könne. M. habe nämlich eine Interessentin für den Forstbetrieb der Familie.

M. sagt im Interview, zuvor nichts über das Grundstück gewusst zu haben. Der Anwalt sei derjenige gewesen, der davon wusste. Es wurde offenbar versucht, "die Vertrauensbasis [zu den Gudenus']" auszunutzen, meint sie.

Es habe zwei Treffen mit der Interessentin, dem Ibiza-Lockvogel, gegeben. Es habe Monate gedauert, bis es zur Besichtigung kam: Für M. war das alles "ganz unbedenklich." Es wirkte wie "ein ganz normales Immobilliengeschäft."

Bei der Besichtigung vor Ort waren laut ihr dabei: Familie Gudenus, die vermeintliche Interessentin, ein Detektiv (der sich aber als Freund der Interessentin ausgab), der Anwalt M., und sie selbst.

"Sie war sehr selbstbewusst"

Die Interesstin habe bei diesem Termin "sehr detaillierte Fachfragen" zum Forstbetrieb gestellt, die man nur stellen könne, wenn man sich mit Forst und Jagd gut auskenne, so M.

"Ich habe Monate gebraucht, um alles beantworten zu können", sagt M. Sie habe immensen Aufwand betrieben, um diesen Immobilliendeal abzuschließen (zu dem es schließlich nie kam).

Über die vermeintliche Oligarchin sagt M: "Sie war sehr selbstbewusst, sehr teuer gekleidet (...) Ihre Erscheinung war sehr, sehr glaubwürdig". Ihr sei "nie etwas aufgefallen." Ihr Englisch sei "hervorragend" gewesen, sie habe aber die meiste Zeit Russisch gesprochen.

M. seien auch Unterlagen gezeigt worden, wonach die "Oligarchin" eine Anzahlung von sieben Millionen Euro zahlen könnte.

Gudenus habe genauso wie sie großes Interesse gehabt, diesen Deal abzuschließen. Es sei aber zu keinem weiteren Treffen gekommen. Bis zur Veröffentlichung des Videos habe sie "nie gedacht, dass es sich um eine Falle handeln könnte."

Auch dem Anwalt M. misstraute sie nicht: Sie habe ihn danach noch einmal zufällig auf einem Wiener Ball gesehen und Fotos gemacht: "Ich war ihm dankbar", weil er bei einem potentiell großen Immobillien-Deal an sie gedacht habe.

Wundert sich, "was alles möglich ist"

M. wurde in der Causa Ibiza bereits einvernommen und wolle auch weiter zur Aufklärung beitragen. Zu Ibiza sagt sie: "Kaum zu glauben, was da alles möglich ist."

Sie wäre lieber nicht an die Öffentlichkeit gegangen, sagt sie zum Schluss, "ich bin nicht so ein politischer Mensch". Sie habe vor dem Ibiza-Video kaum Nachrichten konsumiert oder das politische Geschehen verfolgt. "Jetzt halt schon."