Bildungsministerium: Medienbildung wird erstmals eigenes Unterrichtsfach

PG BILDUNGSMINISTERIUM "ENTWICKLUNG DES BILDUNGSBUDGETS 2025/26": NETZER +++ACHTUNG SPERRFRIST: DIENSTAG, 6. MAI, 18:00+++
Sektionschef Martin Netzer betont, dass das Unterrichtsfach Latein keineswegs abgeschafft werde.

Die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) angestoßene Debatte über eine mögliche Reduktion der Lateinstunden an den Gymnasien sorgt weiter für Diskussionen. 

Stattdessen sollen künftig Medienbildung und der kompetente Umgang mit künstlicher Intelligenz stärker in den Fokus rücken. Martin Netzer, Sektionschef im Bundesministerium für Bildung, verteidigte die Reformpläne am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal und betonte, dass Latein keineswegs abgeschafft werde.

"Latein behält weiterhin einen wichtigen Stellenwert an den Gymnasien", stellte Netzer klar. Die Bedeutung der Sprache für die westliche Kultur und Zivilisation sei unbestritten. Gleichzeitig habe Schule aber den gesetzlichen Auftrag, junge Menschen auf das "wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Leben" vorzubereiten. Vor diesem Hintergrund müsse man sich die Frage stellen, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler heute tatsächlich benötigen.

Netzer argumentierte, dass Medienbildung und informatische Grundkenntnisse angesichts der Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und der Verbreitung von Fake News an Bedeutung gewinnen. Jugendliche müssten lernen, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen und soziale Medien verantwortungsvoll zu nutzen. "Wir müssen diesen Schritt ins 21. Jahrhundert machen, ohne Latein als wichtige kulturelle Sonde unserer Vergangenheit über Bord zu werfen", so der Sektionschef.

Pläne in Kritik

Kritik an den Plänen kommt unter anderem von der Lehrergewerkschaft. Herbert Weiß sprach von einem "Anschlag auf das Gymnasium" und warnte vor einer Gefährdung der Allgemeinbildung und Studierfähigkeit. Netzer wies diese Vorwürfe zurück. Das Gymnasium sei ein erfolgreicher Schultyp mit steigenden Schülerzahlen. Zudem würden die Übergänge an die Universitäten genau beobachtet, um Nachteile für Absolventinnen und Absolventen zu vermeiden.

Ein Blick auf die Zahlen relativiere die Debatte, so Netzer: Von rund 41.000 Maturantinnen und Maturanten pro Jahr maturieren etwa 2.000 in Latein. Eine moderate Reduktion einzelner Stunden sei daher kein Angriff auf das Gymnasium. Außerdem gebe es bereits jetzt Schulformen innerhalb der Oberstufe, in denen kein Latein unterrichtet werde.

Wesentlich sei auch die schulische Autonomie. Die meisten Gymnasien verfügen über eigene Stundentafeln, an denen sich nichts ändern soll. Zusätzlich stehen jeder Schule pro Jahrgang mehrere autonome Unterrichtsstunden zur Verfügung. Damit könnten Schulen weiterhin Schwerpunkte setzen und etwa zusätzliche Stunden für Latein oder moderne Fremdsprachen anbieten. Ziel sei es, das Angebot zu erweitern und den Schülerinnen und Schülern mehr Wahlmöglichkeiten zu geben.

Medienbildung wird erstmals Unterrichtsfach

Neu eingeführt werden soll hingegen ein eigener Unterrichtsgegenstand für Medienbildung mit engem Bezug zur Demokratiebildung. Angesichts des Wahlrechts ab 16 Jahren sei es entscheidend, junge Menschen frühzeitig auf politische Meinungsbildung, den Umgang mit Informationen und die Erkennung von Fake News vorzubereiten. "Erstmals wird es in der österreichischen Schule einen eigenen Gegenstand für Medienbildung geben", betonte Netzer.

Die Reformpläne sollen damit klassische Bildungsinhalte mit neuen Anforderungen verbinden.

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