Kern erhält keine Unterstützung von Ludwig – kandidiert er dennoch?

Die Unterstützer von Ex-Kanzler Christian Kern hoffen weiterhin auf dessen Comeback. Wie ein Gespräch zwischen Kern und Wiens Bürgermeister gelaufen ist.
Michael Ludwig und Christian Kern in der Bäckerei Anker

Die Situation in der SPÖ ist derzeit dynamisch bis unübersichtlich. Schauplatz: Wien. Wie mehrere Spitzenvertreter dem KURIER bestätigen, fanden heute zumindest drei brisante Treffen statt. Die zentrale Frage: Wird Ex-Kanzler Christian Kern am 7. März beim SPÖ-Parteitag gegen den amtierenden Vorsitzenden Andreas Babler antreten?

Die Unterstützer Kerns wittern seit Tagen Morgenluft. Der 60-Jährige soll prinzipiell bereit sein, die Bundespartei zu übernehmen – allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen. Eine davon ist – obwohl die Versionen variieren – dass auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig Kern unterstützt.

Kern soll sich am Dienstag zuerst mit der Dritten Nationalratspräsidentin Doris Bures getroffen haben. Am Nachmittag stand demnach noch ein Termin mit Ludwig an, der sich ebenso mit dem neuen Landesvorsitzenden der SPÖ Kärnten, Daniel Fellner, traf. Fellner zählt, neben dem Steirer Max Lercher und dem Niederösterreicher Sven Hergovich, hinter den Kulissen zu jenen roten Landeschefs, die am stärksten auf eine Kandidatur Kerns drängen.

Nach Treffen: Zwei Deutungen

Und? Ludwig habe Kern "in keinster Weise ermutigt", gegen Babler anzutreten und an dessen Verantwortung appelliert, fasst ein Sprecher des Bürgermeisters das Treffen auf KURIER-Nachfrage zusammen. Aus Wiener Sicht ist es der falsche Zeitpunkt für eine Obmann-Debatte. Was Ludwig Kern auch mitgeteilt habe: Eine Kampfabstimmung würde die Stabilität der Partei gefährden und sich negativ auf das Bild der SPÖ als Koalitionspartner auswirken.

Allerdings gibt es auch noch eine zweite Deutung des Gesprächs, von anderer Seite. Ludwig habe Kern nämlich auch gesagt, er werde ihn zwar nicht aktiv unterstützen, ihm aber auch keine Prügel in den Weg legen. Die Entscheidung liege bei ihm, also Kern. Und der Altkanzler werde sich nun zeitnah entscheiden.

Die Wiener SPÖ hat Kerns verpatzten Nationalratswahlkampf 2017 und dessen überstürzte Demission von der Bundesparteispitze nicht vergessen. Ja, Kern sei "belesen und eloquent", aber man leide nicht unter Amnesie, heißt es aus dem Umfeld des Bürgermeisters.

Falls das Überraschende doch eintritt

Was geschieht, sollte Kern wider Erwarten doch kandidieren? Am Freitag, 13. Februar, treten Präsidium und Vorstand zusammen. Das wäre auch die vorerst letzte Chance, einen Gegenkandidaten für den Parteitag zu nominieren. Wie der KURIER erfuhr, stehen mehrere rote Bezirksobleute bereit, einen Antrag ans Präsidium zur Zulassung eines zweiten Kandidaten zu stellen. Dieser müsste laut SPÖ-Statuen, zumindest aus deren Sicht, dann auch im Präsidium behandelt werden.

Mehrere SPÖ-Landesparteivorsitzende haben in den vergangenen Tagen und Wochen mit Ludwig geredet. Er habe, so ein SPÖ-Insider, auch E-Mails von Bürgermeistern bekommen, die Kern unterstützen – und sich teilweise telefonisch zurückgemeldet. Aus dem Umfeld des Bürgermeisters wird das in dieser Form jedoch nicht bestätigt.

So groß die Unzufriedenheit mit Bablers Kurs und den Umfragewerten in mehreren Landesparteien ist: Ohne Unterstützung aus Wien, hiervon sind weite Teile der Partei überzeugt, wäre eine Mehrheit Kerns beim Bundesparteitag alles andere als sicher.

Winkler: "Phantomdiskussion"

Dazu kommt: Weite Teile der Gewerkschaft halten derzeit wenig bis gar nichts von einem Wechsel an der Parteispitze. Auch die Tiroler um Vorsitzenden Philip Wohlgemuth sollen mehrheitlich hinter Babler stehen. Oberösterreichs SPÖ-Vorsitzender Martin Winkler, der in den vergangenen Wochen eher dem Kern-Lager zugerechnet wurde, spricht sich in den Oberösterreichischen Nachrichten ebenso für Babler aus. Er akzeptiere das Ergebnis des Parteitages 2023, bei dem sich Babler gegen Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil durchgesetzt habe: „Und wir tragen dieses in Oberösterreich loyal mit.“ Winkler bezeichnet die Debatte gar als Phantomdiskussion: „Christian Kern hat nicht angerufen und sich bei uns vorgestellt als neuer Kandidat.“

Es bleibt also wahrscheinlich, dass am 7. März nur Babler als SPÖ-Chef kandidiert. Dafür nominierte ihn der rote Bundesparteivorstand im September 2025 auch einstimmig.

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