Gedenkstätte für im Nationalsozialismus ermordete Roma und Sinti

Vor dem Justizministerium. Wahl für Standort fiel einstimmig aus.
Justizministerium

Die geplante Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus aus den Reihen der Roma und Sinti wird im Weghuberpark vor dem Justizministerium im siebenten Wiener Gemeindebezirk errichtet. Das teilte der Zweite Präsident des Nationalrates und Vorsitzender des Nationalfonds, Peter Haubner (ÖVP), am Donnerstag in einer Aussendung mit. Der Volksgruppenbeirat der Roma sowie Vereine der Volksgruppe sprachen sich einstimmig für diesen Standort aus.

"Die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus aus der Volksgruppe der Roma ist weit mehr als ein Bauprojekt", so Haubner: "Sie ist Ausdruck unserer historischen Verantwortung und ein klares Bekenntnis der Republik dazu, einer Opfergruppe des Nationalsozialismus, die über Jahrzehnte im öffentlichen Bewusstsein zu wenig sichtbar war, den ihr gebührenden Platz in der österreichischen Erinnerungskultur zu geben." Für Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) markiert die einstimmige Entscheidung des Beirats einen "wichtigen Meilenstein" in dem von der Stadt Wien unterstützten Prozess. Diesen habe man in einem aktiven Dialog mit dem Beirat und Vertretern der Community begleitet.

Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath, sieht in der Entscheidung einen "wichtigen Schritt". Erinnerung müsse im öffentlichen Raum sichtbar sein und dürfe nicht anonym bleiben. "Sie muss die Verfolgung und Ermordung der Volksgruppe der Roma klar benennen und auch Österreichs Verantwortung offen ansprechen", betonte der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats. Die Gedenkstätte soll sich an die gesamte Gesellschaft richten, zum Innehalten anregen, historisches Wissen fördern und deutlich machen, "dass Antiziganismus bis heute fortbesteht und ihm entschieden entgegengetreten werden muss".

Breit angelegter Abstimmungsprozess

Der Standort sei im Rahmen eines vom Nationalfonds koordinierten, breit angelegten Abstimmungsprozesses unter Einbindung der Vertreter der Volksgruppe festgelegt worden. Dabei seien auch die fachlichen Einschätzungen der zuständigen Stellen der Stadt Wien berücksichtigt worden. Mit der Errichtung der Gedenkstätte soll ein zentraler Ort des Erinnerns im öffentlichen Raum entstehen, der die Verfolgung und Ermordung von Roma und Sinti im Nationalsozialismus sichtbar macht.

Von den rund 11.000 Angehörigen der Volksgruppe in Österreich wurden etwa 90 Prozent Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Diese Zahl steht für ein beispielloses Ausmaß an Verlust. Zugleich komme dem Projekt angesichts des Fortbestehens von Antiziganismus auch eine besondere gesellschaftspolitische Relevanz zu, hieß es.

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