Kickl als "Papa der Familie Österreich" hat einen "Phoenix-Plan"

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ
Bei seinem 5. Neujahrsempfang als FPÖ-Chef erinnert er an Vorgänger Haider, spricht der Dreierkoalition ihre Existenz ab und gibt für 2026 ein Motto aus "Volkskanzlerschaft".

"Wir wollen alle Fahnen sehen", ruft die Moderatorin kurz vor 11Uhr in der Klagenfurter Messe als sich Herbert Kickl, flankiert von Bodyguards, mit Metallicas "Enter Sandman" den Weg zur Bühne bahnt. Rund 5.000 Funktionäre und Sympathisanten folgen ihrem Aufruf.

Unter "Herbert, Herbert"-Rufen wird der FPÖ-Chef willkommen geheißen. Den Anfang macht an diesem Samstag aber nicht Kickl, sondern Gerhard Darmann, Sicherheitssprecher und Stadtparteiobmann von Klagenfurt. Nachdem "Don't stop believing" verklungen, lässt Darmann wissen, dass die Freiheitlichen heute an einem besonderen Ort seien, zitiert das Kärntner Heimatlied  "Wo Mannesmut und Frauentreu die Heimat sich erstritt aufs neu" und dann alle anwesenden Länderchefs namentlich. 

Rede von Bundesparteichef Herbert Kickl

Neben Mario Kunasek, Landeshauptmann in der Steiermark, Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (Oberösterreich) und Landeshauptfrau-Stellvertreter Marlene Svazek (Salzburg) und Udo Landbauer (Niederösterreich) fehlt nur einer, wie Darmann betont - Markus Abwerzger (Tirol) ob eines Skiunfalls. Auch der "durchaus streitbare Volksanwalt" Christoph Luisser wird wie Nationalratspräsident Walter Rosenkranz eigens willkommen geheißen. 

Als "Speerspitze" bezeichnet Darmann die Generalsekretäre Michael Schnedlitz und Christian Hafenecker. 

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ: KICKL

Erwin Angerer ist als nächstes am Wort. Der FPÖ-Kärnten-Chef verweist auf das heute lancierte FPÖ-Internet-Radio "Austria First", die er als zusätzliches Zeichen einer "Zeitenwende" interpretiert wissen will. Diese "Zeitenwende" werde nur mit dem FPÖ-Chef gelingen, dessen Namen "Kickl 2026" am Rednerpodest zu lesen ist. 

Im Gegensatz zu Darmann wird Angerer weniger Gehör geschenkt als er über Ungleichbehandlung von Österreichern und Zuwanderern und "leeren Floskeln von Einheitsparteien" zu sprechen beginnt. Um 11.30 Uhr wird Kickl als "Papa der Familie Österreich" entriert, die John Otti-Band ruft auf, erneut die Fahnen zu schwenken, ehe Kickl die Bühne betreten wird. Nach dem FPÖ-Lied "Wir sind eine Familie" soll eine Videoeinspielung Stimmung für Kickls Rede machen.

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ: DARMANN

Mit martialisch anmutenden Tönen wird die Bühne verdunkelt, dann tritt Kickl auf - vor dem Schriftzug "Kickl 2026". Es dauert eine Weile ehe die "Herbert"-Rufe verklingen und der FPÖ-Chef beginnt. "Ihr seid spitze! Jetzt bumpert mein Herz und a Ganslhaut habe ich auch. Ihr habt alles richtig gemacht, Freude!" Es sei gut, dass die Anwesenden so laut sein, denn das sei ein Zeichen "die Zukunft des Landes ist hier". 

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ: ANGERER

Dieses Jahr "2026 wird unser Jahr, es wird ein freiheitliches Jahr" verspricht der FPÖ-Chef. "Egal, was daherkommt, egal, wer daherkommt. Volkskanzlerschaft - das ist das Motto. Immer vorwärts FPÖ."

"Jörg war ein Schutzpatron der österreichischen Bevölkerung"

Es gebe allen Grund zu feiern. 70 Jahre besteht die FPÖ, 40 Jahre ist es her, dass Jörg Haider beim Innsbrucker Parteitag die Führung der FPÖ übernommen. "Das war die Initialzündung für die neue Politik." Aus der Partei sei eine "starke Freiheitsbewegung" geworden. "Der Jörg war ein Schutzpatron der österreichischen Bevölkerung".

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ: KICKL

Neujahrstreffen der FPÖ 2026

Nun seien die "Erben von Jörg Haider" an der Reihe, ruft Kickl. Der "Zeugungsakt" der Dreierkoalition sei ein "Wählerverrat"  Dann überschlägt sich Kickl in Metaphern. Die FPÖ werde die "Verliererampel in die Luft sprengen". Es werde Neuwahlen geben und es gebe keine Geheimgespräche mit der ÖVP. "Es gibt mit uns keine miesen Deals hinter dem Rücken der Bevölkerung", stellt Kickl klar. Der "Koralm-Tunnel" müsse eigentlich "Jörg Haider-Tunnel" heißen.

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ

Kickl der verlorene Sohn

Zeitgleich sei Kickl "gerührt", weil es eine Form von "Heimkehr" sei. Ein wenig komme der Kärntner Kickl sich vor, als käme er als "verlorener Sohn" nach Hause. Je älter er werde, desto wichtiger würden ihm die Wurzeln seiner Kindheit werden. 

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ: AUSTRIA FIRST

"Dieses Neujahrstreffen ist eine riesige freiheitliche Machtdemonstration", ruft Herbert Kickl, nachdem er alle Anwesenden anhält, sich umzuschauen, wie viele Menschen in der Klagenfurter Messe sind. Wie viele mutmaßlich via Stream zusehen und wie viele beim neuen Radio zuhören werden. 

Österreich werde durch die FPÖ ein Land der "Sicherheit, Geborgenheit und des Friedens" werden, so Kickl. "Was Du im Kopf und im Herzen hast, das hast du auch in Deinen Händen." Es seien die besten Händen, befindet der FPÖ-Chef. Dann zitiert Kickl Erich Maria Remarque. "Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ: KICKL

"Spiel mit dem Feuer"

Die Regierenden würden gerade mit ihrer Politik ein "Spiel mit dem Feuer", Kickl "ist dem Herrgott" dankbar, dass er keinen Krieg erleben musste und er hofft, dass das für Kinder und Enkelkinder gelten werde. Das alles heiße aber nicht, dass sich Österreich nicht schützen können muss. "Wir dürfen uns nicht in Konflikte hineinziehen, die nicht die unsere sind. Unsere Söhne und Töchter geben wir nicht."

Österreichs Aufgabe sei in der Diplomatie zu suchen und nicht "in aufgeregter Keppelei". Neos-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger richtet er aus "Reden ist silber, schweigen ist Gold". 

Andreas Babler, Christian Stocker, Beate Meinl-Reisinger

Die Dreierkoalition bezeichnet er als "Monstrum", als "Hydra", die drei Farben und 21 Köpfe habe derweil eine "dicke, fette Nebelbank" auf Österreich drücke. Für Asylwerber gelte immer noch der "All-Inklusive-Club" Österreich während die Bevölkerung weiter leide. 

Kurz nach Mittag kritisiert Kickl Minuten lang die Koalition, lässt die vergangene Woche Revue passieren. Es handle sich um "die reinste Pflanzerei", die Regierung stelle "ungedeckte Schecks" aus. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel sei "mickrig" und werde nur ein paar Cent ausmachen.

Es handle sich um eine "Panikattacke" der Regierung. Die Formel, die Christian Stocker ausgegeben hat, 2-1-0 (2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wirtschaftswachstum, null Toleranz den Intoleranten) sei auf Stockers Medikamentenschachtel geschrieben. "Zwei Tabletten morgens, eine mittags und abends ausruhen".

Alexander van der Bellen

Die Ergebnisse der Klausur brächten "null", attestiert Kickl ehe er unter anderem an den Rücktritt von WKO-Präsident Harald Mahrer erinnert. Hätte die Regierung "nur einen Funken von Verantwortung, müssten sie noch heute zurücktreten, damit Österreich aus der Nebelsuppe kommt."

Den Gegner der Freiheitlichen richtet er aus: Die Zeit der Freiheitlichen komme erst. "Es wird eine neue Ära, ein neuer Sonnenaufgang" werden.

Dann arbeitet sich Kickl am Bundespräsidenten und dessen Rede am Neujahrstag ab. Er habe zum ersten Mal eine Rede von Alexander van der Bellen gehört. Van der Bellens Appell eines "Europa-Patriotismus" kritisiert er Minuten lang. Es gehe nur um "Österreich-Patriotismus". 

"Kompromiss ist Grundübel dieses Landes"

Es werde noch dramatischer, räsoniert Kickl über Van der Bellens Rede. "Die zentrale Botschaft war eine Heiligsprechung für den Kompromiss." Der Kompromiss sei der Schlüssel zum Erfolg. "Dann habe ich Ganslhaut bekommen und alles hat sich in mir zusammengekrampft", führt Kickl aus. Jörg Haider habe den "Proporz, den institutionalisierten Kompromiss" bekämpft. Es handle sich um "miese Deals", hinter denen nur ein Ziel stecke: " Machterhalt. Das ist das Betriebssystem der Verlierer-Ampel".

NEUJAHRSTREFFEN DER FPÖ: KICKL

Herbert Kickl befindet, die Dreierkoalition habe nur "faule Kompromisse" erarbeitet, der EU die Entscheidungskompetenzen überlassen und gehe fahrlässig auch mit der Neutralität um. "Wir brauchen klare Verhältnisse".  Den guten Kompromiss zwischen politischen Islam und Österreichs Werten gebe es nicht.  

"Wie soll er denn ausschauen, der gute Kompromiss" beginnt Kickl die Haltungen der FPÖ zu deklinieren - von der Neutralität über das Asylwesen bis hin zum Milliardendefizit.

"27 Wischiwaschi-Geschlechter"

Kickl ruft "Weg mit dem Systemspeck" und wenig später "Remigration. Ich habe gar kein Problem, dieses Wort auszusprechen." Die selbsternannten "Gutmenschen" könnten ob dieses durch die Identitären konnotierten Begriffs "ruhig die Nase rümpfen."

Eine Atempause später spricht sich der FPÖ-Chef gegen "27 Wischiwaschi-Geschlechter" und für "zwei Geschlechter" aus. 

Gleich hernach ist das Ziel seiner Kritik wieder die ÖVP. Sie seien "Globalisten in Lederhosen".  Die Art der ÖVP-Politik vergleicht er mit einer Online-Bestellung, die dann eine falsche Lieferung beinhalte. Bei der SPÖ verhalte es sich nicht viel besser.

Die Freiheitlichen müssten und würden deshalb noch größer werden. "Glaubts mir eines: Das ist möglich. Das ist kein Hirngespinst von mir. Es fehlt nicht viel. Nur noch eine entscheidende Wahl."

Kickls Versprechen

Österreich könne nach einem Wahlsieg der FPÖ aufsteigen wie "Phoenix aus der Asche". Nach über einer Stunde Redezeit skizziert Herbert Kickl das Bild des "kleinen Glücks", das nicht mehr möglich sei, weil die FPÖ nicht regiere. "Ich verspreche allen Österreichern: Wir werden gemeinsam erfolgreich sein. Egal, wann die nächste Nationalratswahl daherkommt."

Letzter Schluck Wasser und neues Lied

Kickl begreift sich als "Volkskanzler, der die Seele des Volkes" versteht. Kickl will einen "Sinn geben" und ein "starkes und gerechtes Österreich" schaffen. Der Volkskanzler habe einen "Phoenix-Plan" für Österreich und es gebe nur ein Motto "Immer vorwärts FPÖ", ruft Kickl ehe er seine Rede beendet, den letzten Schluck Wasser trinkt und die John Otti-Band die "neue Hymne" singt. Darin ist die Rede von der Geschichte der Partei - "für Gerechtigkeit und Frieden" sei die Partei immer verbunden "durch ein blaues Band" und sie seien alle Patrioten, stünden für die "Dritte Republik" ein. 

Kurz vor 13 Uhr kommen die Länderchefs mit Fahnen um Kickl für das Schlussfoto zu flankieren.

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