Politik | Inland
03/21/2019

Faßmann reagiert: Klimakrise wird breites Thema an Schulen

In der Frage der Klimastreiks steht der Bildungsminister auf Seiten der Schüler. Er besucht gemeinsam mit einer Schulklasse die ZAMG in Wien.

Jetzt werden die Lehrpläne umgekrempelt.Rund 20 Schüler des Döblinger Gymnasiums Maria Regina hatten am Mittwochmorgen eine besondere Unterrichtsstunde: Gemeinsam mit Bildungsminister Heinz Faßmann waren sie bei Direktor Michael Staudinger in der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, besser bekannt als ZAMG.

Am Stundenplan: Die Klimakrise, ihre Ursachen und vor allem die Folgen.

Staudinger gibt einen Crashkurs zum Thema: Durch die weltweit steigende Freisetzung von Treibhausgasen wie entstehe eine Schicht in unserer Atmosphäre, die die Wärmeabstrahlung der Erde ins Weltall beeinträchtige – und so den Planeten erhitzt. Bisher global um etwa 1°C, erklärt der Wissenschaftler. Was sich nach wenig anhöre, habe enorme Auswirkungen: In Österreich sei eine doppelte Temperaturzunahme registriert worden, also rund 2°C.

Staudinger bestätigte, dass nach Jahrzehnten penibler Aufzeichnungen mittlerweile sehr verlässliche Daten zu Gletscherrückgängen, Hitzewellen, Hochwasser, Lawinen oder Grundwasserveränderungen vorliegen würden.

Aber was wissen die Schüler darüber?

Bisher, berichtet ein Schüler der Oberstufe, sei dem Thema nur wenig Unterrichtszeit gewidmet worden. Im Lehrplan sei das Thema nicht wirklich verankert. Auch das ist ein Grund, warum Minister Faßmann heute dabei ist.

In seinem Ministerium werden gerade die Lehrpläne entrümpelt, Klimawandel und Nachhaltigkeit sollen zentrale Themen werden.

Dass die Schüler überhaupt übers Klima Bescheid wissen, ist ihrer Neugier geschuldet. „Wir haben ein Klassenprojekt zum Klimawandel und zum Thema Nachhaltigkeit durchgeführt, sonst wüssten wir herzlich wenig über all das“, erklärt die Schülerin Emilia Tscherne.

Für Faßmann, der sich nun intensiv des Themas annimmt, sind Politik, Konsumenten und Medien in der Pflicht. Alle müssten beginnen, etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Breit wurden von den Schülern auch die jüngsten Klimastreiks diskutiert, die vergangenen Freitag ihren ersten Höhepunkt in Österreich (und weltweit in mehr als 2000 Städten) erreicht hatten. Auch an den kommenden drei Freitagen sind Klimastreiks bereits angemeldet.

Faßmann zeigte erneut Verständnis für die Anliegen der Jugend, die ja auch die Folgen des Klimawandels viel deutlicher spüren werde.

Nur finde er das Wort „Schulstreik“ unglücklich gewählt – „Schulen sollen Projektpartner beim Klimathema sein.“

Die Diagnose, meinte Faßmann später, sei klar. „Bei der Therapie müssen wir noch etwas reden.“ Dann musste er sich verabschieden – und ins Bundeskanzleramt zum wöchentlichen Ministerrat. Er werde Umweltministerin Elisabeth Köstinger jedenfalls von dem Gespräch mit den Schülern erzählen.

Bis zu 10 Milliarden

Die Angesprochene steht vor einem gewaltigen Problem: Österreich dürfte nach den Kioto-Klimazielen auch jene der EU für 2020 und 2030 verfehlen. Laut Klimaforscher Gottfried Kirchengast wäre Österreich damit gezwungen, -Zertifikate in Höhe von fünf bis zehn Milliarden Euro zukaufen zu müssen, berichtet der Standard.

Übrigens: Beim Ministerrat wurde beschlossen, dass Österreich 500.000 Euro für Mosambik bereitstellt. In Südost-Afrika hatte der Zyklon Idai Hunderte Tote verursacht und schwere Schäden angerichtet (s. Seite 9). Solche Wetterextreme, sagen Klimaforscher, werden durch die Klimakrise immer häufiger.