Strompreise purzeln: Was bedeutet das für österreichische Haushalte?
Der Freitag begann mit guten Nachrichten für Stromkunden: Ab 1. April 2026 bietet der niederösterreichische Landesenergieversorger EVN einen neuen, günstigeren Tarif für alle Haushaltskunden im Netzgebiet der Netz NÖ in der Höhe von etwa 10 Cent (netto) pro Kilowattstunde an. Dieser Tarif soll für alle Bestands- und Neukunden gelten. Die EVN folgte damit dem Verbund, der schon Anfang der Vorwoche mit einem neuen Stromtarif ab April um rund 10 Cent warb.
In der Folge kündigten am Freitag dann weitere Landesenergiebetreiber an, im Laufe des Frühjahrs günstigere Tarife anbieten zu wollen. Warum passiert das alles jetzt – und was heißt das für Kunden?
Wie sieht der neue Stromtarif von Verbund und EVN genau aus?
An den genauen Details wird noch gearbeitet, es sollen aber jeweils fixe Tarife rund um oder knapp unter 10 Cent pro Kilowattstunde sein.
Bei der EVN heißt es zudem, dass es dazu einen Sommertarif geben wird: Von April bis Ende September soll die Kilowattstunde um etwa 7 Cent angeboten werden.
Was versprechen die Unternehmen, wie viel sich ein Haushalt damit zum aktuellen Tarif ersparen kann?
Die EVN sagt: Vergleicht man den neuen Tarif mit dem Tarif vom April 2025, ergibt das für einen EVN-Durchschnittskunden (3.500 kWh/Jahr) eine Ersparnis von rund 190 Euro oder rund 15,5 % weniger Stromkosten pro Jahr.
Sind das dann die günstigsten Tarife in Österreich?
Nicht unbedingt. Es gibt zahlreiche Discounter bei den Stromanbietern, die ähnlich günstig oder günstiger anbieten können.
Wie kann ich für meinen Haushalt herausfinden, wo ich am günstigsten Strom beziehen kann?
Beim Regulator e-Control unter der Webseite www.e-control.at/tarifkalkulator wird ein objektiver Vergleich angeboten – und wie man den Stromanbieter wechseln kann. Nicht alle Anbieter bieten überall in Österreich einen Vertrag an.
Und was hat die Politik mit diesen günstigeren Angeboten zu tun?
Bundeskanzler Christian Stocker hatte anfangs beim Verbund, der im Staatsbesitz ist, niedrigere Strompreise urgiert, das haben dann auch die Landespolitiker bei ihren Landesenergieversorgern gemacht.
Wesentlich sind aber die technischen Grundlagen, etwa der mit dem Internet verbundene Stromzähler (Smartmeter), der inzwischen alle 15 Minuten Verbrauchsdaten übermitteln kann. Zudem ist seit 24. Dezember ein neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz in Kraft, das die Grundlagen ebenfalls verbessert hat.
Kanzler Stocker geht es aber noch mehr darum, den Wettbewerb zu stärken: Vor dem Hintergrund der sehr geringen Wechselbereitschaft der Österreicher ist das besonders wichtig: 50 Prozent der Kunden haben noch nie ihren Anbieter gewechselt, die Wechselrate liegt für Strom bei 4,5 Prozent. Zum Vergleich: In Italien sind es 18 Prozent. Ein Tarifvergleich ist aber einfach, das Einsparungspotenzial oft erheblich, mehr Wechsel stärkt den Wettbewerb und senkt durch Druck der Kunden die Preise.
Und wie sieht das bei den anderen Landesenergieversorgern aus?
Die Energie Steiermark plant „noch im ersten Halbjahr eine weitere Preissenkung umzusetzen“. Wien Energie biete „seit mehreren Monaten Angebote auf diesem günstigen Preisniveau“ der EVN, so ein Konzernsprecher. Die Kärntner Kelag verwies auf eine Senkung im Oktober, eine weitere sei derzeit nicht angedacht. Die Energie AG Oberösterreich hat vorerst ebenso keine Preissenkungen geplant, verweist aber auf ähnlich günstige Tarife.
Muss ich als Stromkunde tätig werden – und werde ich die Tarifsenkung auch auf der Stromrechnung sehen?
Der Verbund und die EVN wollen sich bei bestehenden Kunden in den kommenden Wochen melden. Allen anderen sollte man raten, ihren Stromtarif mit dem Tarifkalkulator zu überprüfen. Der Strompreis pro Kilowattstunde macht nur etwa ein Drittel der Stromrechnung aus, der Rest sind die Steuern und Gebühren und die Kosten für das Stromnetz.
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