Zölle belasten: Exporte in die USA brechen ein

++ ARCHIVBILD ++ THEMENBILD: METALLER-KV / STAHLPRODUKTION
Das Geschäft mit Österreichs zweitwichtigstem Handelspartner ist um 20 Prozent geschrumpft. Die Suche nach neuen Partnern läuft.

Donald Trumps Kehrtwende in der Grönland-Frage mag in der Politik kurzfristig für Erleichterung sorgen. In der Wirtschaft hält die Verunsicherung durch die Hü-Hott-Politik des US-Präsidenten an. „Noch weiß niemand, wie der Grönland-Deal aussehen soll. Die Unsicherheit ist groß wie eh und je. Die Großwetterlage kann sich jederzeit ändern, für die Unternehmen vor Ort ist das ein fast unzumutbarer Zustand. Man muss dauernd analysieren, was als Nächstes droht“, schildert Thomas Moschig, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Washington.

Minus von 40 Prozent

Die Statistik spricht eine klare Sprache. Nach den sehr erfolgreichen Jahren 2023 und 2024 mit jeweils zweistelligen Zuwachsraten im Export folgte aufgrund der US-Zölle auf Stahl und Alu von 50 Prozent sowie 25 Prozent auf Fahrzeuge und -teile (Rest 15 Prozent) ein massiver Einbruch. Von Jänner bis Oktober 2025 (neueste verfügbare Daten) gaben Österreichs Exporte in die USA um 21 Prozent nach, der Handelsüberschuss schrumpfte von 7,1 auf 4,3 Mrd. Euro gar um 40 Prozent.

Das ist für die Exportnation Österreich insofern hoch relevant, als die USA in der jüngeren Vergangenheit zum zweitwichtigsten Handelspartner nach Deutschland aufgestiegen waren. BMW Steyr, Glock, GM Powertrain, Magna oder die Voestalpine sind namhafte Beispiele für Unternehmen mit Töchtern in den USA. 23 Milliarden Euro wurden über die Jahre in Summe investiert, 60.000 Jobs geschaffen. Und jetzt: Trump.

Komplizierte Berechnung

„Die Nicht-Planbarkeit ist das große Thema. Kein Unternehmen spricht über etwas anderes. Der Exporteinbruch trifft uns in einer ohnehin sehr angespannten Situation“, sagt auch Michael Dobersberger, Wirtschaftsdelegierter in San Francisco. Anlass der Gespräche war der Nordamerikatag in der WKO nach einem Jahr mit einem neuen, unberechenbaren Chef im Weißen Haus.

Ein Beispiel für den Bürokratieaufwand: Maschinen sind vor Pharma-Produkten und Fahrzeugen die wichtigsten Exportgüter Österreichs in die USA.

Alle Einzelteile in einer Maschine aus Stahl oder Aluminium sind mit einem Zoll von 50 Prozent belegt, alle andere Teile mit 15 Prozent. Bei Maschinen, die aus 2.000 Einzelteilen bestehen, ist die exakte Berechnung eine hoch komplexe Angelegenheit, schildert Moschig. „Das ist alles wahnsinnig kompliziert.“

Mühsame Exportkontrollen

Das gilt auch für den aufwendigen Genehmigungsprozess bei US-Exportkontrollen. Liefert ein österreichisches Unternehmen in ein Drittland wie z. B. China, verwendet in dem Produkt aber US-Teile oder etwa Software, unterliegt das der US-Exportkontrolle – um die Einhaltung von Sanktionen im High-Tech-Bereich zu garantieren. Moschig: „Auch die Zölle sind gekommen, um zu bleiben. Ich bin wenig optimistisch, dass sich da schnell etwas ändert.“

Kommentare