© Kurier/Juerg Christandl

Politik | Inland
06/17/2019

EU-Mandatar Reimon will für die Grünen ins Parlament

Burgenländer wollte sich eigentlich selbstständig machen. Jetzt doch Fortsetzung der politischen Karriere geplant.

Mit Michel Reimon hat sich ein prominenter Grüner dazu entschieden, sich für ein Nationalratsmandat zu bewerben.

"Ich werde auf dem Bundeskongress am 6. Juli kandidieren und mich um ein Mandat bewerben", schrieb Reimon am Sonntag auf seinem Facebook-Account.

Der 48-jährige Burgenländer vertritt die Grünen seit 2014 im EU-Parlament, zuvor war er Landtagsabgeordneter im Burgenland. In Brüssel und Straßburg hat sich der frühere Journalist und Pressesprecher einen Namen als Experte für Handels- und Telekommunikationspolitik gemacht.

Adieu

Im vergangenen Oktober hatte Reimon dann verkündet, sich aus privaten Gründen nicht erneut für ein EU-Mandat bewerben und nach Österreich zurückkehren zu wollen. Er wolle "in den nächsten Jahren doch weniger Zeit in Flugzeugen und Hotelzimmern und mehr mit den Menschen zu verbringen, die mir viel bedeuten", hatte Reimon damals, ebenfalls auf Facebook, geschrieben.

Auch am Grünen Bundeskongress wollte sich Reimon nicht mehr für ein Mandat bewerben - bis jetzt. Anstatt wie geplant seine Dissertation abzuschließen, Bücher zu schreiben und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, will der Grüne Social-Media-Profi - auf Facebook folgen ihm 20.000, auf Twitter sogar 70.000 Menschen - jetzt doch in der Politik bleiben.

Als entscheidende Punkte für diese Planänderung gibt Reimon einerseits die Ibiza-Affäre an, andererseits aber auch die bevorstehenden Verhandlungen eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay (Venezuela ist auch Mitglied des Mercosur, derzeit aber suspendiert, Anm.).

"Wir müssen nicht nur schlechte Abkommen verhindern, wir brauchen gute Abkommen, die Mehrwert schaffen, nicht sinnloses Wachstum der Handesbilanz. Es ist einer der größten Hebel, die wir für grüne Politik haben. Und da solche Abkommen von der EU und den Nationalstaaten verhandelt werden, sind es zwei Hebel, die man nutzen kann. Ich habe mich aus persönlichen Grünen entschieden, nicht mehr nach Brüssel zu gehen. Aber wenn türkisblau mir den anderen Hebel in Wien quasi vor die Füße legt...", schrieb Reimon als Begründung für seine Kandidatur.

Reimon war bereits in der Vergangenheit im Kampf gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA engagiert.

Der Grüne Bundeskongress findet am 6. Juli statt.