Entmachtet die Ministerin ihre wichtigste Medizin-Beamtin?

Korinna Schumann gründet eine neue Sektion. Offizieller Grund: die Gesundheitsreform. Doch es herrschen Zweifel.
PRÄSENTATION GESUNDHEITSMINISTERIUM, GESUNDHEIT ÖSTERREICH GMBH (GÖG) "NATIONALES KREBSRAHMENPROGRAMM" - STRATEGISCHE SCHWERPUNKTE FÜR PRÄVENTION, SCREENING UND ONKOLOGISCHE VERSORGUNG IN ÖSTERREICH: SCHUMANN

Als Korinna Schumann im März 2025 an die Spitze des Sozial- und Gesundheitsministeriums berufen wurde, da gab die langjährige ÖGB-Vizechefin ein durchaus sympathisches Motto aus. „Uns wurde gesagt, wir sollen ab sofort das freundlichste Ministerium und das freundlichste Kabinett aller Zeiten sein“, erzählt eine langjährige Beamtin dem KURIER.

Ein Jahr später stellt sich die Erwartungshaltung als, nun ja, leicht überzogen dar.

Denn die Fluktuation, sprich der Personalwechsel, im Büro der Gesundheitsministerin gilt als eine der höchsten, wenn nicht überhaupt die auffallendste in der gesamten Regierungsmannschaft – kein Zeichen für Stabilität oder überbordende Arbeitszufriedenheit. Und der Wechsel im Büro ist derart auffällig, dass sich die Ministerin sogar in Interviews dafür rechtfertigen muss.

Auch was das Ministerium im Ganzen angeht, gibt es erhebliche „Umbau-Arbeiten“, die Unruhe verursachen.

So wird in diesen Tagen die sogenannte Geschäftseinteilung, also die formale Organisation und Gliederung des Mega-Ministeriums, verändert. 

Was genau passiert? Zum ersten Mal seit FPÖ-Ministerin Beate Hartinger-Klein wird Korinna Schumann die Zahl der Sektionen auf zehn anheben.

Die Frage, warum es gerade in einer Phase des absoluten Sparkurses eine zusätzliche Sektion samt Chef oder Chefin geben muss, wird höchst unterschiedlich beantwortet – je nachdem, mit wem man spricht.

Kritische Köpfe im Ministerium erklären die Neugründung unter anderem mit der Strahlkraft von Katharina Reich. Die fachlich beschlagene Chefin der Sektion VII hat sich als „Chief Medical Officer“ und damit als wichtigste Medizin-Beamtin einen Namen gemacht und Selbstbewusstsein entwickelt.

Exakt das soll ihrer Chefin, der Ministerin, nur bedingt recht sein. Die Konsequenz: Wesentliche Kompetenzen aus Reichs Ressort wandern in die neue Sektion. Die Ärztin werde entmachtet, eine Vertrauensperson der Ministerin solle die neue Sektion führen, so heißt es.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Schumann eine kompetente Kraft „zurückstutzt“. Schon vor Monaten haben KURIER-Recherchen ergeben, dass die Ministerin selbst ihrer Parteifreundin und Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig Fernsehauftritte neidet.

Im Büro der Bundesministerin will man sich zur Entmachtungstheorie nicht weiter äußern.

Warum wird jetzt das Ministerium umgebaut?

Die Erklärung lautet sinngemäß so: Wer eine Gesundheitsreform mit voller Kraft umsetzen will, der muss die dazugehörenden Agenden in einer Sektion bündeln.

Die neue Sektion X führe das Gesundheitssystem und die Digitalisierung im Gesundheitswesen in einer „integrierten Sektion“ zusammen, erklärt ein Sprecher Schumanns dem KURIER. Dies diene dazu, um „in der Zeit der unverzichtbaren Reformvorhaben im Gesundheitswesen neue Umsetzungsstärke“ zu entwickeln.

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