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Politik Inland
10/15/2019

Die Debatte um die SPÖ und ihr Luxus-Problem

Warum regen gerade der Porsche und die Luxusuhren der SPÖ-Politiker die Öffentlichkeit auf?

von Ida Metzger

Es ist nicht das erste Mal, dass über Politiker und ihre Faible für sündteuere Porsche-Modelle diskutiert wird. Man erinnere sich nur an das legendäre Foto, entstanden Pfingsten 2000, als der damalige FPÖ-Chef Jörg Haider den neuen ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel im Porsche-Cabrio zum Kufenstechen chauffierte. Das legendäre Foto gilt noch heute als Synonym für die Wenderegierung. Eine Luxusdebatte entbrannte damals nicht. „Haider und das Zurschaustellen seines Luxus machten ihn zum tollen Hecht. So wie er wollten viele seiner Wähler auch sein“, analysiert Politikexperte Thomas Hofer.

Wenn allerdings Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda (54) wie in der Vorwoche in einem Porsche zur SPÖ-Zentrale fährt, um seine persönlichen Habseligkeiten nach seinem Rücktritt aus dem Büro zu räumen, wird das sogar von den eigenen Parteigenossen skandalisiert. Wenige Tage später outete man auch Tirols SPÖ-Parteichef Georg Dornauer als Besitzer eines Porsche Macan. Damit war das Porsche-Problem der SPÖ perfekt.

Wo aber liegt der Unterschied? Warum darf FPÖ-Chef Norbert Hofer selbstverständlich Besitzer eines Privatflugzeuges sein? Ein Sebastian Kurz Feste um 16.000 Euro feiern – und keinen regt es wirklich auf? Drozda hingegen darf keinen Porsche, der noch dazu 25 Jahre alt ist, besitzen? Für Dornauer war die Diskussion „befremdlich“ und er meinte, dass er sich „ernsthaft die Frage stelle“, wer noch in die Politik gehen will, „wenn man nicht einmal mehr selbst entscheiden kann, welches Auto man fährt“.

SPÖ rebelliert gegen Genossen

Drozda will die Diskussion als niederträchtige Neiddebatte abtun. Das ist aber zu kurz gegriffen.

Zwei Antworten lassen sich auf die Frage geben: Die eine liegt in der 130 Jahre alten Erzählung der Sozialdemokratie, die andere in der Entwicklung der sozialen Medien. „Es gibt eine mediale Überbelichtung der Politiker. Jede kleine Landesgruppe kann heute über soziale Medien ihre Meinung absetzen. Das ist nicht kontrollierbar“, erklärt Politikexperte Thomas Hofer.

So rebellierte die steirische SPÖ schon beim Antreten gegen Drozda. Man bezeichnete ihn auf Facebook hämisch als „Bobo“, der sicher „jedes große Shakespeare-Zitat in fünf verschiedenen Sprachen auswendig kennt“.

In Zeiten von Bruno Kreisky, der in einer Villa in Wien-Döbling residierte, und auch von Franz Vranitzky, der gerne als „Nadelstreif-Sozialdemokrat“ bezeichnet wurde, war die mediale Landschaft noch eine ganz andere. Diese Sozialdemokraten verzeichneten aber auch noch Wahlerfolge. „Auch das macht den Unterschied. Es kommt auch drauf an, in welcher Stimmung die Partei gerade ist. Deswegen kann auch ein Haar-Styling um 600 Euro nicht das Image von Kurz beschädigen“, so Hofer.

Statussymbole sind Schieflage

Jene Komponente, die aber viel schwerer in der Porsche-Debatte wiegt, ist die Politik der Sozialdemokratie. Sie steht für eine Verteilungspolitik, und dass sich vor allem „öffentliche Güter wie Gesundheitsvorsorge und die Daseinsvorsorge ausweiten, damit der kommerzielle Sektor in einer Gesellschaft nicht Überhand nehme“, erklärt Parteikritiker und „Sektion 8“-Mitgründer Nikolaus Kowall.

Statussymbole wie ein Porsche oder teure Luxusuhren symbolisieren genau das Gegenteil. Deswegen muss für einen Sozialdemokraten ein Porsche ein absolutes Tabu sein, so die Theorie des roten Vordenkers.

„Je ungleicher eine Gesellschaft ist, umso größer ist die Bedeutung von Statussymbolen. Das sieht man in den USA deutlich“, erklärt Kowall. In Schweden beispielsweise, wo eine der egalitärsten Gesellschaften weltweit existiert, haben Statussymbole kaum eine Bedeutung. Hier fliegt der Ikea-Gründer nach wie vor Economyclass, oder Pop-Stars leben nicht in sündteuren Villen, sondern in leistbaren Stadtappartements. „Statussysmbole stehen im Gegensatz zu einem egalitären Einkommen“, analysiert Kowall, der Vertretungsprofessor für „International Economics“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin ist.

In der Erzählung der Sozialdemokratie liegt für Kowall auch der Grund, warum bei FPÖ-Politikern keine Debatte entfacht wird, wenn Hofer Besitzer eines Privatflugzeuges ist. „Bei der FPÖ geht es nicht um Gleichheit und Solidarität, auch wenn ihre Wähler ein unterdurchschnittliches Einkommen haben“, erklärt Kowall.

Oder man könnte es auch so wie Thomas Hofer auf den Punkt bringen: „Man kann nicht Wasser predigen und Wein trinken.“