Politik | Inland 12.06.2018

Deutschklassen: Gewerkschaft will Planungssicherheit

© Bild: Kurier/Gilbert Novy

Kimberger: "Kann weite Teile der Kritik nachvollziehen"

Die Pflichtschullehrer-Gewerkschaft verlangt Planungssicherheit bei den ab Herbst einzurichtenden Deutschförderklassen. Am Mittwochnachmittagsteht dazu ein Treffen im Bildungsministerium auf dem Programm. Er verstehe etwa nicht, warum man nicht auf die autonomen Gegebenheiten an den einzelnen Standorten Rücksicht nehme, so Gewerkschafts-Vorsitzender Paul Kimberger zu APA.

Im Moment gingen sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Lehrerschaft die Wogen ziemlich hoch, schilderte Kimberger. "Ich kann weite Teile der Kritik nachvollziehen." Die Gewerkschaft habe bereits zum Begutachtungsentwurf eine sehr kritische Stellungnahme abgegeben.

"Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum man nicht auf bestehende, erfolgreiche Sprachfördermodelle an einzelnen Standorten aufsetzen kann", betonte der Lehrervertreter. "Ich verstehe auch nicht, warum es keine Gruppen-Obergrenze gibt." Dazu komme, dass es nach wie vor weder Diagnoseinstrumente für den Sprachförderbedarf noch Lehrpläne gebe. In Ballungsräumen könnten sich aufgrund von Raumproblemen organisatorische Schwierigkeiten ergeben. Und schließlich gelte es auch besoldungsrechtliche Fragen zu klären.

Grundsätzlich halte er mehr Sprachförderung für positiv, betonte Kimberger. "Ich sehe auch eine Art Crashkurs als eine gute Maßnahme, wenn man eine kleine Gruppe von Kindern intensiv in der Unterrichtssprache beschult. Man muss aber auf die jeweiligen Voraussetzungen an den Standorten eingehen." Und es müsse auch klar sein, dass zusätzliche Sprachförderung etwas koste, meinte der Gewerkschafter. "Das versteht sich von selbst."

Kinder, die dem Unterricht nicht ausreichend folgen können, werden als sogenannte außerordentliche Schüler eingestuft und kommen ab Herbst für maximal vier Semester in eine eigene Deutschförderklasse. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet - für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder dann aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt. Einschränkung: Die Klassen werden erst ab acht Schülern pro Standort eingerichtet. Besuchen müssen sie außerdem nur jene Kinder, die in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden, oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem.

Nach jedem Semester soll dann nach einem österreichweit einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können. Ist dies der Fall, können sie in die Regelklassen wechseln. Dort erhalten sie noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs.

( Agenturen ) Erstellt am 12.06.2018