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Politik Inland
09/10/2021

Demokratiezufriedenheit war in der Flüchtlingskrise am geringsten

Aber generell kein Ansteigen des autoritären Potenzials.

Das Bekenntnis der Österreicher zur Demokratie ist stabil, die Zufriedenheit mit deren Funktionieren unterliegt aber beträchtlichen Schwankungen. Das geht aus Befragungsdaten hervor, die die Meinungsforscher Peter Ulram und Peter Hajek am Freitag präsentiert haben. Am größten war die Unzufriedenheit während der Flüchtlingskrise 2015/16. In der Covid-Krise bekundeten 39 Prozent Unzufriedenheit und 59 Prozent Zufriedenheit.

Bei der Einschätzung der Problemlösungsfähigkeit der Demokratie war der negative Ausreißer ebenfalls die Flüchtlingskrise mit einem Anteil von 28 Prozent Zweiflern. In der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 sahen hingegen nur 13 Prozent die Demokratie nicht zur Problemlösung in der Lage, in der Covid-Krise 14 Prozent (Befragungszeitraum: April 2021).

Beim konsolidierten Demokratiebewusstsein als harter Indikator bevorzugen 83 Prozent die Demokratie. Acht Prozent bevorzugen eine Diktatur, vier Prozent ist es als "Entfremdeten" egal. Der Anteil der Demokraten ist in den vergangenen Jahren zwar von einst 90 Prozent gesunken, für Ulram gab es aber in all den Jahren keinen signifikanten Anstieg des autoritären Potenzials, das sich stets um die zehn Prozent bewegt habe (aktuell: 12 Prozent).

Demokratischen Lackmustest bestanden

Für Ulram belegen die Daten, dass Krisen nicht zwangsläufig zu mehr Zweifel an der Demokratie führen. Die Hinwendung zum Autoritarismus bleibe aus, eher ändere die Unzufriedenheit die Optimismus-Pessimismus-Relation innerhalb der Demokratieüberzeugten. Die Österreicher hätten den demokratischen Lackmustest bestanden, zeigte er sich überzeugt.

Hajek betonte, dass bei Demokraten der Anteil der Geimpften bzw. Impfbereiten (auch hier sind die Daten vom April) mit 57 Prozent am höchsten war (29 Prozent Skeptiker, 18 Prozent Gegner). Die meisten Impfgegner fanden sich mit 45 Prozent bei den von der Demokratie Entfremdeten (34 geimpft oder impfbereit, 21 Prozent skeptisch). Die meisten Impfskeptiker fanden sich mit 39 Prozent unter den Autoritären. Hier waren 36 Prozent für und 25 Prozent gegen die Impfung.

Bezüglich der politischen Verortung unterstrich Hajek: "Es ist nicht so, dass die Impfgegner oder Impfskeptiker Herbert Kickl nachlaufen. Es ist umgekehrt, Herbert Kickl läuft den Impfgegnern nach." Insofern würde auch ein FPÖ-Meinungsschwenk beim Impfen nur eine geringe Anzahl von Menschen erreichen.

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