Politik | Inland
29.10.2018

Das sind Merkels mögliche Nachfolger

Angela Merkel wird den Parteivorsitz aufgeben - einige Kandidaten haben sich bereits in Stellung gebracht.

Seit 18 Jahren ist Angela Merkel Parteichefin der CDU - nach den zwei desaströsen Wahlniederlagen in Bayern und Hessen kündigte die deutsche Kanzlerin nun an, den Parteivorsitz abzugeben. Bereits am Parteitag in Hamburg Anfang Dezember könnte der neue Vorsitz geregelt sein. Allerdings hat Merkel laut Medienberichten vor, deutsche Kanzlerin zu bleiben - obwohl sie bis jetzt stets betont hatte, dass Kanzlerschaft und Vorsitz zusammengehören würden. Der KURIER hat sich die Favoriten auf den Parteivorsitz angesehen:

Das sind Merkels mögliche Nachfolger

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Annegret Kramp-Karrenbauer

Die CDU-Generalsekretärin dürfte wohl Merkels bevorzugte Nachfolgerin sein - diese holte "AKK" aus dem Saarland und machte sie im Februar 2018 zur Generalsekretärin. Während Merkel meistens in Sachen EU und Weltpolitik unterwegs war, versuchte Kramp-Karrenbauer, die Partei zu beruhigen.

Jens Spahn

Die Kanzlerin hat einen ihrer größten Kritiker zuletzt zu sich ins Kabinett geholt, wo sich der 38-Jährige als Gesundheitsminister beweisen kann. Spahn ist inhaltlich wie stilistisch das Gegenteil der Kanzlerin: Laut, provokant und dauerpräsent in den Medien - intern also wenig konsensfähig.

Daniel Günther

Unter Daniel Günther konnte die CDU 2017 in Schleswig-Holstein einen ihrer wenigen Wahlsiege einfahren. Immerhin legte seine Partei dort um 1,2 Prozent zu. Allerdings ist unklar, ob er sein Amt als Landeschef aufgeben würde, um nach Berlin zu gehen.

Friedrich Merz

Von 2000 bis 2002 war er Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag, ehe er von Merkel abgelöst wurde. Knapp nach Merkels Ankündigung, den Parteivorsitz aufzugeben, brachte sich Merz über die "Bild"-Zeitung in Position. Merz gilt als Vertreter einer konservativen und wirtschaftsnahen Politik.

Wolfgang Schäuble

Der Bundestagspräsident ist mittlerweile 76 Jahre alt, trotzdem gilt er nach wie vor als möglicher Kandidat - vor allem in konservativen Kreisen. Einen tatsächlichen Neuanfang würde Schäuble jedoch nicht verkörpern. Er wird als möglicher "Übergangskanzler" gehandelt.

Julia Klöckner

Die Landwirtschaftsministerin schafft den Spagat zwischen Konservativen wie Jens Spahn und eher sozialpolitisch engagierten Politikern wie Annegret Kramp-Karrenbauer. Die 45-Jährige hat sich durch Zurückhaltung noch nicht abgenutzt und könnte durch interne Differenzen die lachende Dritte werden.

Peter Altmaier

Der 60-Jährige aus dem Saarland gilt als einer der engsten Vertrauten der Kanzlerin. Bis zuletzt hat er jede Spekulation, er könnte ihr Nachfolger werden, zurückgewiesen, immer mit dem Hinweis auf Merkels Kompetenz. Als Wirtschaftsminister gilt er als Macher, der vor Reformen nicht zurückschreckt und ein Faible für Hightech hat. Aber Merkel verlässt sich so sehr auf ihn, dass sie ihm auch unangenehme Aufgaben wie den Job des Flüchtlingskoordinators 2015 übertrug.

Armin Laschet

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfahlen konnte dort 2017 einen fulminanten Erfolg feiern und bescherte der CDU ein Plus von 6,7 Prozent. In den bisherigen Spekulationen über eine mögliche Merkel-Nachfolge ließ er stets viel Spielraum für Spekulationen.

Ursula von der Leyen

Merkel hat sie immer eher als Rivalin denn als Partnerin betrachtet, da die Verteidigungsministerin sehr rasch politische Macht gewann. Auch in der Partei hat sie wenige Verbündete. Andererseits ist die 59-jährige, siebenfache Mutter, eine extrem effizient agierende Politikerin, die auch heikle Themen nicht scheut. So setzte sie etwa Reformen wie das Elterngeld durch und krempelte Harz IV um.

Tobias Hans

Der 40-Jährige ist das frische Gesicht der CDU. Erst im heurigen März hat Hans, der im Herbst 2018 Vater von Zwillingen wurde, Annegret Kramp-Karrenbauer in der Funktion des Ministerpräsidenten des Saarlandes abgelöst. Er studierte Wirtschaftsinformatik, Informationswissenschaft und Anglistik. Weil er sich schon früh in der CDU engagierte, beendete seine akademische Laufbahn nicht. Tobias Hans steht wie seine Mentorin AKK für einen pragmatischen Kurs mit jugendlichem Anstrich.