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Politik Inland
03/19/2020

Coronavirus: "Parks und Spielplätze bleiben offen" bei 1-Meter-Sicherheitsregel

Reha-Häuser sollen zu Corona-Kliniken werden. Negativ-Nachricht: Grippe-Welle dauert an.

von Johanna Hager

Ein ganzes Bundesland - Tirol - steht unter Quarantäne. In ganz Österreich gibt es eine Ausgangsbeschränkung. Kuranstalten werden am Wochenende geschlossen, weil die Distanz von mindestens 1 Meter zum Gegenüber nicht gewährleistet werden kann.

"Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben. Wir haben eine globale Pandemie", beginnt Gesundheitsminister Rudolf Anschober die Pressekonferenz.

Europa sei das Epizentrum. In Italien spitze sich die Situation dramatisch zu.

Plus 25 Prozent zum Vortag

"Unser Ziel ist, dass wir die Situation in Italien - dass Menschen nicht mehr medizinisch behandelt werden können - vermeiden können", sagt Anschober.

14.000 Tests seien derzeit in Österreich gemacht worden. 1800 Erkrankungen heute  Donnerstag Mittag entsprechen einem Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vortag.

Die Zunahme von 25 Prozent ist drastisch. "Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen", so der Gesundheitsminister. Der Anstieg sollte immer weniger werden.

Ungewöhnlich sei in Österreich, dass es eine Altersverteilung der Infizierten gibt, die statistisch den Altersgruppen von Österreich entspricht. Während in Italien das Durchschnittsalter 80 ist, ist beträgt es in Österreich 45.

11 Personen befinden sich derzeit in Österreich auf Intensivstationen, 90 Prozent sind in häuslicher Pflege.

Schlechte Nachricht: 110.000 Grippe-Erkrankte

"Die schlechte Nachricht", so Anschober: "Es gibt derzeit 110.000 Grippe-Erkrankte."

Man rechne mit 665 Grippe-Toten. Die Grippe-Welle werde sich aber abschwächen, das sei das Gute an der Entwicklung. Dann nämlich würden Betten-Kapazitäten in Krankenhäusern wieder frei für Corona-Patienten.

Erschwerend sei, dass an Grippe- und an Corona-Erkrankte ähnliche Symptome aufweisen, Menschen glauben könnten, an Grippe erkrankt zu sein - obwohl sie Corona haben. Und vice versa.

Anschober rät unsicheren Österreichern, die sich bereits telefonischen Rat geholt haben:

"Das letzte Wort hat immer der Arzt".

14 Tage Quarantäne für Einreisende

Ab sofort gelte für alle einreisenden Österreicher als auch für Menschen aus Deutschland, Ungarn und Slowenien eine Quarantäne von 14 Tagen.

Reha-Häuser werden ihren Betrieb am Wochenende einstellen. Es gebe nur strenge Ausnahmen für Krebspatienten. Die frei gewordenen Reha-Häuser werden künftig umfunktioniert in so genannte Corona-Kliniken. Dort sollen Erkrankte hinkommen, die nicht zu Hause gepflegt werden können. Und die nicht in Krankenhäusern gepflegt werden müssen.

Parks bleiben offen

Noch würden Parks und Spielplätze offen gehalten werden können.

Unter einer Bedingung: Der Abstand von einem Meter zum Anderen muss eingehalten werden. Derzeit werde es keinen Erlass zur Schließung von Parks geben. Wenn ein Bezirk eine schärfere Handhabung vorsieht, so steht dies den Bezirken frei.

Was die Kontrollen betrifft, so dürfen und müssen Polizisten informieren, wenn die 1-Meter-Abstand-Regel im Freien unterschritten wird. "Entscheidend ist immer die Frage, wohnen die Menschen zusammen oder nicht. Entscheidend ist, dass es ein Bewusstsein für die Eigenverantwortung gibt. Und, dass es um den Schutz für andere, insbesondere für Ältere geht," sagt Innenminister Karl Nehammer und betont: Gruppen dürfen aus nicht mehr als 5 Personen bestehen.

95 Prozent weniger Öffi-Verkehr

Öffentlicher Verkehr ist um 95 Prozent zurückgegangen, der Individualverkehr um 45 Prozent, weiß Nehammer. "Alle tragen weiter Mitverantwortung", und: "Wenn die Distanz von einem Meter zum Nächsten nicht eingehalten wird, wird die Polizei einschreiten."

Gerade bei Schönwetter gelte diese Regel umso mehr. Die Polizei werde darauf hinweisen und darauf drängen, die Regeln einzuhalten. "Wer sich nicht daran hält, der muss mit Konsequenzen rechnen." Geldstrafen können die Folge sein.

Nehammer appelliert zudem, im Internet wachsam zu sein. Dubiose Angebote und Cyber-Kriminalität tragen derzeit zur Verunsicherung der Bevölkerung bei.

50 km Stau an der ungarischen Grenzen

Prekär sei die Situation an der Grenzen zwischen Österreich und Ungarn. In den letzten Stunden sei es gelungen, einen 50 Kilometer langen Stau aufzulösen.

Nehammer mahnt, von Grenzüberschreitungen abzusehen.

In Serbien seien die Grenzen bereits geschlossen. Auch türkische Staatsbürger seien angehalten, nicht per Auto den Weg in die Türkei zu suchen. Die Türkei hat ihre Grenzen ebenfalls geschlossen.

Die Situation der Migranten in Griechenland und der Insel Lesbos betreffend Corona-Infektionen sei in enger Absprache mit den Behörden und Ministern unter dauernder Beobachtung. Österreich werde vor Ort mit Container-Städten und anderem helfen.

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