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Politik Inland
11/01/2021

Corona-Lage: Warum Schulen bei Skikursen und Ausflügen zögern

Lehrer und Schulleitungen zeigen sich wegen komplizierter Organisation und finanziellem Risiko zurückhaltend. Eltern- und Schülervertreter plädieren für Durchführung.

Beim aktuellen Infektionsgeschehen stünde mehrtägigen Schulveranstaltungen an sich nichts im Wege. Trotzdem sind Schulen bei Skikursen oder Wien-Wochen derzeit teilweise sehr zurückhaltend, beklagen Schülervertreter gegenüber der APA.

Vor allem Auslandsreisen würden abgesagt, aus Sorge, was mit den Schülern bei einer Infektion passiert. In manchen Schulen müssen Ungeimpfte Tests im Ausland selbst bezahlen, vereinzelt dürften nur Geimpfte und Genesene teilnehmen. Auch der hohe Aufwand schrecke ab, berichtet die Bundesschülervertretung.

Drei Risikostufen

Zur Erklärung: Seit Beginn dieses Schuljahr entscheidet die Einstufung der Corona-Kommission in eine von drei Risikostufen darüber, welche Regeln für Schulveranstaltungen gelten.

Bei den Risikostufen 1 und 2 sind diese erlaubt. Allerdings muss laut "Riskostufen-Matrix" des Bildungsministeriums dafür eine Risikoanalyse durchgeführt werden, wie die körperliche Sicherheit am Ort der Veranstaltung gewährleistet werden kann, die "laufend zu evaluieren" ist.

Im Moment sind alle Bundesländer in Risikostufe 2 eingestuft - zuletzt sind die Infektionszahlen aber stark angestiegen.

Unvorhersehbare Entwicklung

Derzeit würden sich Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleitungen angesichts der unvorhersehbaren Entwicklung der Corona-Pandemie teilweise nicht über mehrtägige Ausflüge drübertrauen, schildert Christoph Drexler, Sprecher des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV).

Er plädiert gegenüber der APA für mehr Unterstützung der Schulen. Die Organisation sei umständlich, kompliziert und mit finanziellem Risiko verbunden, zeigt Drexler Verständnis für die Zurückhaltung. "Zum Teil sind die Schulen sehr zögerlich, weil sie befürchten, dass im Fall eines Absage sie oder die Eltern auf den Kosten sitzenbleiben."

Dazu kommen Unwägbarkeiten bei der praktischen Umsetzung, wie zuletzt eine Elternvertreterin im KURIER berichtet hat (siehe unten)

Beispiel Skikurs: Nachdem auf den Pisten für Schüler ab 12 Jahren 3G-Pflicht gilt, müssen nicht-geimpfte bzw. nicht-genesene Schüler bei einem fünftägigen Kurs zwischendurch erneut testen gehen. Außerdem könne man für diese Schüler nicht ohne weiteres eine Fünf-Tages-Karte kaufen.

Drexler fordert zumindest organisatorische Erleichterungen für die Schulen, etwa bessere Informationen darüber, welche Coronaregeln bei etwa Schulskikursen gelten und - wo notwendig - leichten Zugang der Schülergruppen zu Testinfrastruktur.

Auch die Einrichtung eines Stornofonds, wie es ihn im vergangenen Schuljahr gab, wäre aus Drexlers Sicht eine große Erleichterung. Vielen Eltern wäre es nämlich wichtig, dass mehrtägige Schulveranstaltungen wieder ermöglicht werden, betont er. "Die Schüler haben diese Veranstaltungen in den vergangenen Semestern vermisst und für den sozialen Zusammenhalt sind sie wesentlich."

Soziale Isolation

Auch Bundesschulsprecherin Susanna Öllinger mahnt die Schulen zur Durchführung von Schulveranstaltungen. Die vergangenen eineinhalb Schuljahre seien von sozialer Isolation geprägt gewesen, das habe sich massiv auf die psychische Gesundheit ausgewirkt.

"Wie immer steht für uns die Gesundheit an oberster Stelle, aber wir warnen stark vor ersatzlosen Streichungen der Schulreisen. Den Schülerinnen und Schüler macht das Fehlen der Gemeinschaft, die ihnen die vergangenen Jahre genommen wurde, sehr zu schaffen." Sollten Schulreisen nicht durchgeführt werden können, plädiert sie für Alternativen wie Ausflüge mit Übernachtung in einem Nachbarbundesland oder Reisen in Österreich.

Faßmann empfiehlt Risikoanalyse und Storno-Check

Im Bildungsministerium wird auf APA-Anfrage betont, dass Schulveranstaltungen, sofern möglich, auch in diesem Schuljahr stattfinden sollen. "Kinder versäumen sonst wesentliche Erfahrungen, an die sie sich ihr Leben lang erinnern werden. Aufgrund der aktuell volatilen Situation ist aber eine Risikoanalyse und ein Check der Stornobedingungen vorab wichtig", wird Ressortchef Heinz Faßmann (ÖVP) zitiert.

Die NEOS hatten zuletzt das Ministerium aufgefordert, etwas gegen die Verunsicherung an den Schulen puncto Schulveranstaltungen zu unternehmen. "Ich erwarte mir hier mehr Unterstützung durch das Ministerium und vor allem eine Klarstellung, dass alles unternommen werden soll, damit diese für Kinder und Jugendliche sozial wichtigen Ereignisse stattfinden können. Das sind Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben", so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre.

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