Arbeitsmarktservice

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Politik Inland
04/01/2020

Arbeitslosigkeit steigt um 52 Prozent, Höchststand seit 1946

Ende März waren 562.522 Personen arbeitslos, bei 60 000 offenen Stellen. Stärkster Zuwachs in Tirol, geringster in Wien.

von Daniela Kittner

Die Coronavirus-Pandemie hat die Arbeitslosenzahlen in Österreich auf einen historischen Höchststand seit 1946 nach oben schnellen lassen. Ende März gab es im Vergleich zum Vorjahresmonat um 52,5 Prozent mehr Personen ohne Job. Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet waren 562.522 (+193.543) ohne Beschäftigung.

Nie dagewesene Belastung

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition stieg um 4,7 Prozentpunkte auf 12,2 Prozent. Seit 16. März sind zur Virus-Eindämmung hierzulande Ausgangsbeschränkungen in Kraft, viele Dienstleistungsbetriebe mussten schließen. „Der extreme Anstieg der Arbeitslosigkeit ist nicht nur eine enorme Herausforderung für die so vielen von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen und deren Familien, sondern stellt auch das AMS und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einen noch nie dagewesene Belastungsprobe“, kommentierte AMS-Vorstand Johannes Kopf die aktuellen Zahlen. Mit dem aktuellen Anstieg sind die Arbeitslosenzahlen erstmals seit Anfang 2017 wieder gestiegen.

Tourismus, Bau, Handel

Die Zuströme in Arbeitslosigkeit erfolgten vor allem aus dem Bereich Tourismus, wo die Saison Mitte März mit den Schließungen der Betriebe praktisch beendet wurde. Doch auch in vielen anderen Wirtschaftsbereichen gibt es tiefgehende Einschränkungen, wie im Einzelhandel oder im Transport. Auch im Produktionsbereich werden Fertigungen zurückgefahren. Nach dem Tourismus folgen somit die Bauwirtschaft, der Handel sowie die Arbeitskräfteüberlassung als am stärksten betroffene Branchen.

Konjunktureinbruch

Das hat Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen, die derzeit nur geschätzt werden können. Der Einbruch bei den unselbständigen Beschäftigungsverhältnissen Ende März beträgt mindestens -150.000. Die neue WIFO-Prognose für 2020 erwartet einen realen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von -2,5%  auch bei einem vergleichsweise günstigen Verlauf der Krise.

Menschen mit Behinderungen (+16,2%) sowie Ältere ab 50 Jahren (+47,4%) weisen im Vergleich zum Vorjahr eine unterdurchschnittlich ansteigende Arbeitslosigkeit auf. Der Anteil der Arbeitslosen mit einer Wiedereinstellzusage im Register steigt auf 20,1%. 

In der Betrachtung nach Branchen zeigen sich Ende März die größten Zuwächse in der registrierten Arbeitslosigkeit im Tourismus (+167,1%), gefolgt von der Baubranche (+103,5%). Dann folgen die Warenproduktion mit +41,6% Arbeitslosigkeit und die Arbeitskräfteüberlassung (+40,1%). Aber auch im Gesundheits- und Sozialwesen ist die Arbeitslosigkeit mit +28,9% ansteigend.

Stärkster Zuwachs in Tirol, geringster in Wien

Steigende Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr verzeichnen alle Bundesländer, am stärksten ist der Zuwachs in Tirol (+199,0%) und Salzburg (+138,5%). Danach folgen die Steiermark (+90,9%), Vorarlberg (+79,1%), Oberösterreich (71,0%), Kärnten (+67,6%), Burgenland (+61,5%) und Niederösterreich (+50,7%). In Wien steigt die Arbeitslosigkeit um +38,9%.

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Nur 60.000 offene Stellen

Ende März 2020 standen beim AMS 60.722 sofort verfügbare offene Stellen (-15.699, -20,5%) zur Verfügung. Insgesamt konnten 2020 bereits 157.784 Personen aus AMS-Vormerkung heraus wieder eine Arbeit aufnehmen. Die Arbeitsaufnahmen aus AMS-Vormerkungen reduzierten sich in der zweiten Märzhälfte jedoch deutlich.
Geschätzte 3.626.000 Personen, das sind mindestens 150.000 Personen weniger als im März 2019 bzw. -4,0%, befanden sich Ende März 2020 in unselbständigen Beschäftigungsverhältnissen.

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