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DAILY
04/09/2020

Genesung von Corona in Österreich: 4.512 wieder ganz gesund, 273 verstorben

4.785 Corona-Erkrankungen in Österreich gelten inzwischen als abgeschlossen ("Closed Cases"). Die meisten Menschen sind geheilt, sechs Prozent dieser "Closed Cases" sind Todesfälle. In anderen Ländern liegt diese Zahl weit höher

von Richard Grasl

Unser gestriger DAILY-Artikel mit der Aussage, dass wir durch unsere Ausgangsbeschräkungen und Disziplin pro Monat mindestens 15.000 Menschenleben retten, hat für große Furore gesorgt.

In volkswirtschaftlichen Fachkreisen wurde darüber diskutiert, wie viel Wert ein Menschenleben hat, aus wissenschaftlichen Fachkreisen hören wir, dass man ohne Einschränkungen auf 130.000 Tote bis Jahresende in Österreich gekommen wäre. In Deutschland haben nun Wissenschafter klargestellt, dass das Händewaschen, Schließen von Schulen und Lokalen, Verbieten von Veranstaltungen nur einen kleinen Teil der Verbesserungen gebracht hat. Der wirkliche Game-Changer war das "social distancing", das Limitieren von Kontakten. In Deutschland ist ja jedes private Treffen außer Haus mit mehr als zwei Teilnehmern verboten.

Closed Cases: Wieviele Menschen sterben, wieviele werden gesund?

Interessant ist im internationalen Vergleich die Zahl der "Closed Cases". Dabei werden nur jene Fälle betrachtet, die tatsächlich abgeschlossen sind. Und da gibt es nur zwei Varianten: wieder gesund oder tot.

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Anmerkung der Redaktion (Donnerstag, 9.45 Uhr): Um nochmals klar Missverständnisse zu vermeiden: Bei den "Closed Cases" handelt es sich um jene Fälle, die abgeschlossen sind. Das heißt man addiert die Zahl jener Menschen, die wieder gesund sind und die Zahl der Corona-Toten. Es geht nicht um einen Rückschluss auf die derzeit gesamte Zahl an Infizierten und auch nicht auf die Dunkelziffer. Allerdings ergibt die "Bilanz" am Ende der Erkrankungen ein interessantes Bild, das von den Gesundheitsbehören daher auch bewusst erfasst wird.

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In Österreich ist für mittlerweile 4.785 Menschen die Corona-Erkrankung auch schon wieder vorbei: 4.512 haben überlebt. Das sind 94 %, 273 Menschen sind gestorben. Das sind 6 % (Achtung: Die echte Todesrate ist weit niedriger, weil man ja auch die Zahl der Infizierten ohne Tests und Symptome berücksichtigen muss - die Dunkelziffer also).

In Schweden sind von den 892 Corona-Erkrankten, die als abgeschlossener Fall („closed cases“) gelten, 687 verstorben, das sind 77 Prozent. All diese Daten können Sie selbst auf der Seite www.worldometers.info nachprüfen. Allerdings wird in Schweden eine andere Testpraxis durchgeführt. Erst schwer kranke Menschen werden getestet. Insgesamt testet Schweden derzeit weniger als halb so viele Fälle wie Österreich (gemessen an der Einwohnerzahl).

Wie sieht die Statistik in anderen Ländern aus, kann man daraus Schlüsse über funktionierende Maßnahmen ziehen, über die Qualität des Gesundheitssystems?

In Italien liegt dieser Wert bei 40%, in Spanien 23%, in Frankreich 34%. Deutlich besser sieht die Situation im deutschsprachigen Raum aus: In Österreich wie gesagt 6%, in Deutschland ebenfalls 6% in der Schweiz 8%. Im Vorzeigeland Island, wo man auf eine Durchtestung der Bevölkerung setzt, war die Todesrate bisher 1%. Ähnlich übrigens im zweiten Vorzeigeland Singapur.

Fazit: Testen hilft sehr - aber wenn die Spitäler einmal überlastet sind, schnellt die Todesrate massiv in die Höhe.

Die "kleineren, aber sehr wichtigen Probleme"

Tag für Tag - und das in zunehmendem Ausmaß - gehen im KURIER Nachrichten über die Sorgen der Menschen ein. Einige Beispiele alleine vom Mittwochabend:

  • Da ruft der Präsident der NÖ Zahnärztekammer, Hannes Gruber, an: Den Zahnärzten gehen die Schutzmasken (sie brauchen die ganz dichten Masken, weil sie den Aerosolen aus der Atemluft besonders gefährlich ausgesetzt sind) und Schutzbekleidungen aus. Aber sie kriegen keine mehr. Der ohnehin eingeschränkte Betrieb sei nicht mehr lange aufrecht zu erhalten.
  • Ein Gastronom aus NÖ meldet sich: Ihm würden heuer rund 400.000 Euro fehlen. An Geld für Investitionen sei gar nicht zu denken.
  • Eine Mutter wurde in Wien wegen Ballspielens mit ihren Kindern im Freien zu 500 Euro Strafe verurteilt.
  • Ein Unternehmer brüstet sich bei Konkurrenten, dass er seine Mitarbeiter auf Kurzarbeit geschickt hat, diese aber voll weiterarbeiten müssten - übrigens klassischer Fall von schwerem Förderbetrug. In der Schweiz werden die Missbrauchskontrollen derzeit massiv verstärkt.
  • Und - vielleicht am berührendsten - ein Brief einer Maturantin. Ihre Sorge ist, dass die Matura 2020 immer jene sein werde, die im Leben nicht so viel zählen wird wie jene der anderen Jahrgänge. "Wir werden die mit der Corona-Matura sein!" Unsere Antwort darauf: Gerade ihr habt es unter besonders schwierigen Bedingungen geschafft. Das soll euch mal jemand nachmachen.

Wir sind stolz - auf Euch alle!