Bundespräsident: "Niessls Idee“ und mögliche Nachahmer
Man soll Hans Niessl nicht unterschätzen: Im Jahr 2000 traute dem damaligen Newcomer kaum jemand zu, bei der Landtagswahl den Landeshauptmannsessel für die SPÖ verteidigen zu können. Der frühere Bürgermeister von Frauenkirchen konnte nicht nur das, er gewann sogar dazu – und blieb bis 2019 Landeshauptmann, ehe er den Platz seinem politischen Ziehsohn Hans Peter Doskozil freimachte.
Dass sich Niessl nach seinem Ausscheiden aus der Landespolitik nicht zur Ruhe setzen wollte, war schnell klar. Bereits Ende 2019 übernahm der frühere Fußballer und Trainer das Präsidentenamt bei Sport Austria, 2028 will er Bundespräsident werden. Im kleinen Kreis habe Niessl das Thema in den vergangenen zwei Jahren immer wieder angesprochen, sagt ein Weggefährte. Mit Doskozil tauscht sich Niessl zwar immer noch regelmäßig aus, die Präsidentschaftskandidatur sei aber „ganz allein Niessls Idee“, wird von mehreren Seiten versichert. Für Doskozil ist die Unterstützung Niessls aber „selbstverständlich“, ob er nun als Kandidat der SPÖ oder einer überparteilichen Plattform antrete.
Aber warum macht der mittlerweile 74-Jährige just jetzt, mehr als zwei Jahre vor der Wahl, seine Gedanken öffentlich? Er sei, so erzählt Niessl dem KURIER „nach einer am Telefon verbrachten Nacht“ von „relativ vielen Leuten, auch außerhalb der SPÖ, angesprochen worden“. Weil die Organisation eines Wahlkampfs „ein Riesenaufwand“ sei, wolle er zuerst „spüren“, wie die Resonanz ist. Und wenn er antrete, müsse auch alles „ordentlich, auf soliden Beinen und professionell“ sein.
10.11. „30 Jahre Nationalfonds“: Van der Bellen u. Vorgänger Heinz Fischer und Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (mi).
Ob er eine überparteiliche Kandidatur bevorzugt? „Das würde ich so nicht sagen. Beides ist möglich, entweder als SPÖ-Kandidat oder überparteilich.“ Auf die Frage, ob er auch gegen einen von der Bundes-SPÖ nominierten Peter Kaiser antreten würde, will sich Niessl nicht einlassen. Derzeit sei ja noch alles „ergebnisoffen“ – ob er überhaupt antritt und wenn ja, wann er das entscheidet.
Bis zu Niessls öffentlich bekundetem Interesse am höchsten Amt im Staat galten innerhalb der Sozialdemokratie nämlich die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures und Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser, der sich wie berichtet 2029 nicht der Wiederwahl stellen will, als mögliche Kandidaten für die Hofburg. Ebenfalls an der Spitze des Staates, wenn (schon) nicht der SPÖ, sähen einige Parteigänger gerne auch Ex-SPÖ-Chef und Kanzler (2016–2017) Christian Kern.
In der Volkspartei hält man sich mit möglichen Nachfolgespekulationen für Alexander Van der Bellen, dessen zweite Amtszeit 2028 endet, zurück. Sei es aus Respekt vor dem Amtsinhaber, in Ermangelung an möglichen Kandidaten oder ob der schlechten Ergebnisse der letzten Hofburg-Wahlen. Interesse nachgesagt wird jedenfalls Othmar Karas. Der ehemalige ÖVP-Abgeordnete zum Europäischen Parlament und nunmehrige Präsident des European Forum Alpbach ist der Schwiegersohn des ehemaligen UN-Generalsekretärs und Bundespräsidenten Kurt Waldheim (1986–1992).
Immer wieder in unterschiedlichen Umfragen abgetestet werden u. a. Irmgard Griss, die 2016 als unabhängige Hofburg-Kandidatin antrat (18,9 %) und Salzburgs Ex-ÖVP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer.
Nicht in die Karten bei der Kandidatenkür schauen lassen wollen sich traditionell die Freiheitlichen.
Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen
Der erfolgreichste FPÖ-Kandidat Norbert Hofer, der in der Stichwahl im Jahr 2016 Van der Bellen unterlag (46,21 %), sagt auf Nachfrage der APA, eine weitere Kandidatur stehe nicht auf seiner „To-do-Liste“.
Die erneute Hofburg-Kandidatur von Walter Rosenkranz (2022: 17,7 %), der nunmehr Erster Nationalratspräsident ist, gilt derzeit als unwahrscheinlich. Als fix gilt, dass die Nominierung für die Hofburg Chefsache ist. FPÖ-Chef Herbert Kickl habe
bereits bei der vergangenen Wahl FPÖ-Mandatarin Susanne Fürst intern ins Treffen geführt – dann viele mit Rosenkranz überrascht.
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