Latein: Mehrheit steht hinter Wiederkehrs Reform
In manchen Expertenkreisen sorgte der Vorstoß von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) für anhaltende Aufregung. Und auch bei den Koalitionspartnern ÖVP und SPÖ ist die Skepsis groß. Minister Wiederkehr hat bei seiner geplanten Reform des Lateinunterrichts aber die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.
Das ergibt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM, die dem KURIER exklusiv vorliegt. Demnach sprechen sich nur 19 Prozent der Befragten gegen die von Wiederkehr angedachte Kürzung bei den Unterrichtsstunden in Latein sowie bei der zweiten lebenden Fremdsprache aus.
„Die Kürzungen wurden unter heimischen Intellektuellen heiß diskutiert, ganze Komitees haben sich gebildet und Petitionen verfasst“, resümiert der OGM-Meinungsforscher Johannes Klotz. Allein: „Die breite Bevölkerung sieht das anders.“
Mehr Finanzbildung
Spannend ist, welche alternativen Unterrichtsinhalte die Österreicherinnen und Österreich für wichtig erachten. Hier gehen nicht alle mit Wiederkehr konform. Sein Vorschlag sieht vor, dass die „frei werdenden“ Unterrichtsstunden Fächern „Medien und Demokratie“ sowie „Künstliche Intelligenz“ zugutekommen sollen.
Auch 34 Prozent der Befragten halten Medien- und Demokratiekunde für vorrangig; für KI-Unterricht sprechen sich hingegen nur zwölf Prozent aus. Immerhin ein Viertel aller Befragten wünschen sich ein ganz anderes neues Pflichtfach: Finanzbildung.
Ein nochmals anderes Meinungsbild zeigt sich bei Eltern, die mit schulpflichtigen Kindern bis 15 Jahren im Haushalt leben – diese Gruppe hat OGM in der Umfrage separat erhoben. Hier votiert gar eine relative Mehrheit der Befragten für einen stärkeren Fokus auf Finanzbildung. 37 Prozent halten diesen Unterrichtsstoff für den wichtigsten, gefolgt von Medien- und Demokratiekunde. „Aus Sicht der Eltern sollen ihre Kinder also in der Schule zuerst einmal über den Umgang mit Geld lernen, bevor man sich feinsinnigeren Gegenständen widmet“, sagt Klotz.
Was hat Wiederkehr konkret vor?
Latein, heißt es seitens der Neos, bleibe ein wichtiges Fach. Nur dass statt bisher drei Stunden pro Woche künftig nur zwei Stunden für Latein reserviert sind. Das für manche Studien (Medizin, Jus) nötige „kleine Latinum“ wäre damit möglich. Das gilt auch für Oberstufen, die Latein anbieten. Und trotz einer möglichen Reduktion bliebe Latein weiter ein schriftliches Maturafach.
Und die neuen Fächer? Bei „Demokratie & Medien“ soll ein Pflichtgegenstand geschaffen werden, wo es um ein Verständnis von Öffentlichkeit, Medienlogiken und demokratischer Teilhabe geht. Schülerinnen und Schüler sollen erlernen, wie Informationen entstehen, wie Social-Media-Algorithmen wirken und wie man Desinformation erkennt – und wie dieses Wissen praktisch angewendet werden kann. Bei „KI & Informatik“ ist Datenverarbeitung im Fokus, Algorithmen und KI-Systeme – inklusive ihrer Risiken (Fehlinformationen und „Halluzinationen“).
Und bei der Finanzbildung soll ein Einblick in Märkte, Preise, Unternehmen und Finanzsysteme möglich werden, samt Globalisierung und geopolitischen Entwicklungen – um ein „selbstbestimmtes Leben“ zu erleichtern.
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