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Politik Inland
02/07/2022

Bildungsdefizite in "Brennpunkt"-Kindergärten in Tirol und Vorarlberg

Sorge um Schulreife in "Brennpunkt"-Kindergärten. Experten fordern mehr Geld für betroffene Einrichtungen

In den sogenannten "Brennpunkt"-Kindergärten mit vielen Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund und niedrigem Bildungsniveau beklagen über 40 Prozent der Leiter und Leiterinnen Defizite bei der kognitiven, sprachlichen und vor allem sozial-emotionalen Entwicklung. Das ergab eine Erhebung der PH Tirol und PH Vorarlberg.

Trotzdem gaben die Befragten an, dass die Stimmung in den elementarpädagogischen Einrichtungen grundsätzlich gut ist.

Für die Studie haben Bernhard Koch (PH Tirol) und Eva Frick (PH Vorarlberg) drei Viertel der Leitungen von Kindergärten befragt, in denen bei mindestens der Hälfte der Kinder Deutsch die Zweitsprache ist (54 Personen).

Mit dem Betriebsklima sind demnach 98 Prozent sehr bzw. eher zufrieden, beim Wohlergehen der Kinder sind es 99 Prozent.

Anders als die Debatte über den Personalmangel in der Elementarpädagogik erwarten ließe, sind auch gut drei Viertel der Leiterinnen zufrieden mit der Anzahl und Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Zusammenarbeit mit den Eltern wird ebenfalls von drei von vier Kindergartenleiterinnen positiv bewertet.

Sorgen um sozial-emotionale Entwicklung und Sprache

Zufrieden sind auch 79 Prozent mit den Erfolgen ihrer Arbeit, in konkreten Bereichen orten sie jedoch Verbesserungsbedarf: 52 Prozent sind eher unzufrieden mit der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder. Jeweils 42 Prozent sind laut der Befragung außerdem sehr oder eher unzufrieden bei der Sprach- bzw. kognitiven Entwicklung.

Zweifel bei Schulreife in Brennpunkt-Kindergärten

Diese Werte sind laut Koch deutlich höher als bei einer Vergleichsstudie, bei der nicht nur "Brennpunkt"-Kindergärten untersucht wurden. Dementsprechend macht sich auch ein guter Teil der Leiterinnen Sorgen punkto Schulreife: Etwa 40 Prozent haben nicht einmal bei der Hälfte der Einschulungskinder ein gutes Gefühl.

Sprache als Schlüssel unterschätzt

Beim Deutschlernen der Kinder nannten neun von zehn Leiterinnen als Problem, dass Eltern nicht um ihre wichtige Rolle dabei wüssten und acht von zehn, dass Eltern trotz Deutschkenntnissen kaum Deutsch mit den Kindern sprechen würden.

Auch wenig Kontakte zu anderen deutschsprachigen Eltern bzw. Kindern wird als Manko genannt. Mehr als die Hälfte der Leiterinnen gibt an, dass die Arbeit im Kindergarten mit Kinder und Familien mit Migrationshintergrund schwieriger geworden sei.

In manchen Kindergärten kommt laut Studie dazu, dass es dort viele Kinder mit einer gemeinsamen anderen Erstsprache als Deutsch gibt, was das Deutschlernen beeinträchtige.

Vor allem Türkisch als Ersttsprache in Tirol und Vorarlberg

In Tirol und Vorarlberg gibt es seine solche Konzentration der Studie zufolge vor allem bei Kindern mit türkischer Erstsprache.

Die Studie zeige bei vielen Kindergärten mit sprachlicher Vielfalt herausfordernde Faktoren (u.a. niedriges Bildungsniveau, teilweise geringes Engagement der Eltern, Konzentration einer bestimmten nicht-deutschen Erstsprache, schwierige Vermittlung von Bildung aufgrund von Deutschproblemen), die sich gegenseitig verstärken, so Studien-Mitautorin Frick in einer Aussendung.

Zu wenig Unterstützungsmöglichkeiten zuhause

Das lasse darauf schließen, dass es dort Kinder gebe, die nicht ausreichend bei der Entfaltung ihres Potenzials unterstützt werden können.

Mehr Ressourcen für souoökonomisch Benachteiligte

Koch verwies auf die Bedeutung des sozioökonomischen Status der Eltern: In Kindergärten mit Eltern höheren Bildungs- und Einkommensniveaus seien die Leitungen mit der Entwicklung der Kinder sehr zufrieden gewesen und hätten auch ein gutes Gefühl punkto Schulreife.

Aus den Studienergebnissen schließt das Forschungs-Team, dass Kindergärten mit großer sprachlicher und kultureller Vielfalt und niedrigem sozioökonomischem Status der Eltern mehr Ressourcen bekommen sollten.

Gleichzeitig plädiert es dafür, Familien punkto Sprache und Kultur der Mehrheitsgesellschaft auch zu fordern. Außerdem könnten mehr Fortbildungsangebote zur Arbeit mit Kindern mit erhöhtem Förderbedarf bei geeigneten Rahmenbedingungen (genug Personal, angemessene Bezahlung) helfen, "Ungleichheiten im elementaren Bildungsbereich zu verringern".

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