Weniger Arbeitslose: Was macht Italien besser als Österreich?

Im Dezember 2025 wies das einstige Problemkind Italien laut Eurostat eine niedrigere Arbeitslosenquote auf als Österreich. Woran das liegt.
Italian Prime Minister Giorgia Meloni meets Austrian Chancellor Christian Stocker in Rome

Während sich die Regierung für die gesunkene Inflationsrate zu Jahresbeginn feiert, bleibt die Situation an Österreichs Arbeitsmarkt angespannt. Ein wichtiger Indikator: Die Zahl der offenen Stellen ging 2025 laut Statistik Austria das dritte Jahr in Folge zurück. 2025 waren im Durchschnitt 139.900 Stellen vakant 19,5 Prozent weniger als 2024.

Die trübe Konjunktur wirkt sich auch auf die Arbeitslosenquote aus, die nicht rasant, aber stetig steigt. Laut der internationalen, saisonbereinigten Berechnung von Eurostat lag der Anteil der Erwerbslosen im Dezember 2025 bei 5,8 Prozent. Damit liegt Österreich nur noch knapp unter dem EU-Durchschnitt von 5,9 Prozent – und wurde von einem Problemkind der vergangenen Jahrzehnte überholt: Italien.

„Vor zehn Jahren war das noch unvorstellbar“, sagt Carmen Treml, Ökonomin vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria, zum KURIER. 2014 lag die Arbeitslosenquote Italiens teilweise bei 13 Prozent, jene Österreichs bei 5. Was hat sich seitdem geändert? „Ende 2014 ergriff die damalige Regierung Italiens radikale Reformen: Der Kündigungsschutz wurde überarbeitet, unbefristete Verträge attraktiviert“, erläutert Treml.

"Braucht dringend ein Umdenken"

Vollumfänglich erklären lassen sich die Unterschiede damit natürlich nicht. Italien kämpfe immer noch im hoher Jugendarbeitslosigkeit und einem starken Nord-Süd-Gefälle, betont die Ökonomin. Der Vergleich hinkt auch auf Ebene der Gehälter. Der durchschnittliche Brutto-Vollzeitjahreslohn lag 2024 in Österreich laut Eurostat bei 58.600 Euro und damit weit über dem EU-Durchschnitt. Ein Italiener erhielt für dieselbe Leistung lediglich 33.523 Euro. Auch das Auffangnetz für Arbeitslose ist in Österreich enger gestrickt.

Dennoch sei der Entwicklung beachtlich, so Treml: „Während in Österreich auch 2026 – aufgrund der überschaubaren konjunkturellen Dynamik und den Problemen, vor die wir unsere Industrie gestellt haben – ein schwieriges Jahr am Arbeitsmarkt werden dürfte, zeigt nun auch Italien, dass Reformen nicht unmöglich sind.“

Demografische Herausforderungen bestünden in beiden Staaten. In Österreich ortet Treml aber derzeit eher "passives Beobachten" beim Umgang mit der Erwerbslosigkeit: "Es braucht dringend ein Umdenken der Politik." Österreich sei nie ein Billiglohnland gewesen, "aber mit den Inflationsanpassungen haben wir uns gewaltig aus den internationalen Märkten gepreist. Zusätzlich besteuern wir Arbeit in Österreich als wäre es ein Laster wie Rauchen oder Trinken, dabei ist es die Basis unseres Wohlstands."

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