Warum ein heimisches High-Tech-Unternehmen auf ältere Mitarbeiter setzt
Mit seinen 90 Jahren hat sich Fujio Mitarai nun doch entschieden, sich als Präsident des Weltkonzerns Canon zurückzuziehen. Nachfolgen wird ihm sein Stellvertreter, schließlich ist dieser erst 67.
Ein wenig von dieser japanischen Unternehmenskultur, in der älterer Menschen besonders wertgeschätzt werden, findet sich auch bei Canon Medical Austria. Das Unternehmen mit 40 Mitarbeitern in Wiener Neudorf (NÖ) verkauft bildgebende Diagnostik-Geräte.
Vor kurzem wurde es mit dem „age Award“ 2025 ausgezeichnet, mit dem Einrichtungen und Firmen geehrt werden, die sich um den Dialog zwischen den Generationen bemühen.
Bei Canon Medical bedeutet das, dass man Mitarbeiter unterstützt, die auch über das Pensionsalter hinaus im Betrieb bleiben wollen. Während andere Betriebe ältere Kollegen am liebsten rasch los werden möchten, hat man hier erkannt, wie sehr man von ihnen profitieren kann: „Unternehmen wie unseres suchen händeringend Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Andreas Pangratz. „Umso wichtiger ist es für uns in unserem hochkomplexen Betätigungsfeld, das Know-how von erfahrenen Mitarbeitern im Betrieb zu halten.“
Noch viel zu tun
Einer davon ist Medizintechniker Werner Schatzl, der vor über drei Jahrzehnten in den Betrieb eingestiegen ist. In einer Zeit also, als in der Branche noch mit Foto-Filmen gearbeitet wurde, während heute die KI eine zentrale Rolle übernommen hat.
„Als ich 2022 in Pension gehen sollte, wurde mir klar, dass es noch etwas zu tun gibt“, erzählt er lapidar. Also kam er zurück – für zwei Tage die Woche. Aus einer für ein halbes Jahr geplanten Übergangslösung wurde ein längerfristiges Engagement als Berater. Er unterstützt den Vertrieb, die Techniker und die Geschäftsführung.
Probleme, sich in dem sich rasant ändernden technologischen Umfeld zurechtzufinden, hat der 69-Jährige keine: „Das Grundgeschäft ist ja gleich geblieben“, sagt er. Zur Not helfen die technisch versierteren jüngeren Kollegen aus, die umgekehrt von der Erfahrung der älteren Mitarbeiter profitieren.
Ums Geld geht es Schatzl nicht: „Die Höhe meines Verdiensts fällt ohnehin eher in die Kategorie Liebhaberei“, schildert er.
Für Ingrid Korosec, Präsidentin des Seniorenbundes, sollte eine derartige Unternehmenskultur Standard in allen Betrieben sein. „Die Realität ist leider anders: 30 Prozent der Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten haben niemanden über 60 angestellt.“ Im Jänner seien 116.749 Personen über 50 arbeitslos gewesen – ein Plus von 4,9 Prozent.
Wertvoller Pool
Dabei seien Ältere ein „wertvoller Expertenpool“. Um ihnen den Verbleib im Job zu ermöglichen fordert sie mehr Weiterbildungsmöglichkeiten, betriebliche Gesundheitsförderung, altersgerechte Arbeitsplätze, aber auch ein Bonus-Malus-System für Betriebe. Korosec: „Wir brauchen Nägel mit Köpfen und keine ideologischen Debatten.“
Kommentare