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Politik Inland
04/27/2020

Alle Beschränkungen aufheben? "Hätten innerhalb von zwei Monaten eine zweite Welle"

Opposition wirft Kanzler Kurz vor, absichtlich Angst verbreitet zu haben. Herwig Kollaritsch, Mitglied der Task Force, erklärte am Montagabend in der "ZiB2", was dahinter steckt.

Das Protokoll einer Sitzung der Task Force Corona vom 12. März - publik gemacht von Ö1 - sorgte am Montag für Wirbel: Darin heißt es, Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) habe „verdeutlicht, dass die Menschen vor einer Ansteckung Angst haben sollen bzw. Angst davor, dass Eltern/Großeltern sterben.“

Ein Sprecher des Kanzlers meinte dazu am Montag, Kurz habe lediglich Verständnis für die Angst um Familienmitglieder gezeigt.

Tatsächlich hat sich aber der Ton in den darauffolgenden Tagen und Wochen deutlich verschärft: Kurz meinte etwa: "Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist."

Die Opposition warf Kurz am Montag "Panikmache" und ein "Spiel mit der Angst" vor.

"Klarstellen, dass Corona gefährlicher ist"

Tropenmediziner Herwig Kollaritsch - der in besagtem Protokoll ebenfalls zitiert wird - stand dazu am Montagabend in der "ZiB2" Rede und Antwort.

Wollte man der Bevölkerung Angst machen, damit sie das Virus ernst nimmt?

Kollaritsch erklärt dazu, es sei vielen anfangs nicht klar gewesen, wie gefährlich das Coronavirus sei - viele hätten es mit der saisonalen Grippe gleichgesetzt. Experten im Krisenstab hätten gefordert, dass kommuniziert werden muss, dass das Coronavirus wesentlich gefährlicher sei. Und das tat man dann auch.

Zweiter Punkt: Die Sterblichkeit. Die tatsächliche Sterberate dürfte viel niedriger sein als die anfangs vermuteten ein bis zwei Prozent. Kollaritsch meinte dazu, dass eine Berechnung da schwierig sei. Einige Länder hätten eine Sterberate von unter einem Prozent, in anderen läge sie bei zehn.

In Österreich ist sie niedrig, weil zu keinem Zeitpunkt die Intensivstationen überlastet waren - es gab immer genug Beatmungsgeräte für die schwer erkrankten Fälle. Auch das war ein Horrorszenario der Regierung.

Ende der Beschränkungen?

Der Tropenmediziner meint zunächst ganz grundsätzlich: "Zu dem Zeitpunkt, als die Maßnahmen verhängt wurden, gab es keine andere Möglichkeit, als so drastisch wie möglich einzuschreiten." Man habe in den Ländern rund um Österreich gesehen, wie schnell es gehen kann, dass das Gesundheitssystem überlastet ist. "Und damit steigt dann auch die Sterblichkeitsrate."

Die FPÖ hatte am Montag "ein Ende des Corona-Wahnsinns" gefordert. Alle Beschränkungen sollen aufgehoben werden. Was meint der Tropenmediziner dazu?

"Wir hätten innerhalb von zwei Monaten eine zweite Welle", sagt Kollaritsch ohne Umschweife. Besonders durch die Reisefreiheit könnte es schnell entgleiten.

Deshalb: "Es ist sicher besser, die eine oder andere Woche ein bisschen vorsichtiger zu sein."

Genesene hätten "keine belastbare Immunität"

Und er dämpfte - wie zuvor schon einige Immunologen - die Hoffnung auf einen Impfstoff oder eine baldige Immunisierung. Ein Impfstoff müsste nicht nur ausreichend getestet und zuverlässig sein, er müsste auch lange anhalten.

Noch eine schlechte Nachricht: "Es mehren sich die Anhaltspunkte, dass eine frühere Infektion keine belastbare Immunität hinterlässt."

Kollaritsch, der immerhin in der Task Force Corona ist, hat übrigens auch nicht gewusst, dass Besuche die ganze Zeit über erlaubt waren. Zumindest waren sie in der Verordnung des Gesundheitsministeriums zu den Ausgangsbeschränkungen nie explizit verboten.

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