Die 24-Stunden-Betreuung soll neu aufgestellt werden

Bund, Länder und Gemeinden arbeiten an neuen Qualitätsstandards. Finanzielle Verbesserungen sind vorerst eher unwahrscheinlich.
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Rund 30.000 Familien in Österreich nützen die Dienste einer 24-Stunden-Betreuung. Geht es nach der Bundesregierung, sollen noch in dieser Legislaturperiode bundesweit einheitliche und verbindliche Qualitätsstandards geschaffen werden. Dazu gehören unter anderem ausreichende Deutschkenntnisse, über die die vorwiegend aus Ost- und Südosteuropa stammenden Betreuerinnen künftig verfügen sollen.

Bei der Sitzung der Pflegeentwicklungskommission, die aus Vertretern von Bund, Ländern und Gemeinden besteht, fiel am Freitag der Startschuss zu der Reform. „Wir bewegen uns dabei im Spannungsfeld zwischen hohen Qualitätsansprüchen und den finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand sowie der Betroffenen. Umso wichtiger ist es, hier tragfähige, gemeinsam abgestimmte Lösungen zu erarbeiten“, so Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ), die nach Ende des Treffens von einem konstruktiven Verlauf sprach.

Höhere Förderungen?

Die von Schumann angesprochenen finanziellen Möglichkeiten dürften freilich überschaubar sein, wenn es um die Forderungen geht, die die Hilfsorganisationen Caritas, Hilfswerk und Malteser im Vorfeld des Treffens deponiert hatten. Mittlerweile sei die Betreuung für viele Betroffene kaum mehr leistbar, betonten sie und pochen wie berichtet auf eine Verdoppelung der bestehenden Förderungen von 800 auf 1.600 Euro sowie eine Anhebung der Einkommensgrenze von derzeit 2.500 auf 4.005 Euro.

Eine Maßnahme, die Voraussetzung dafür sei, dass mehr Menschen als bisher zu Hause anstelle in einem Pflegeheim betreut werden können – was erstens der Wunsch der meisten Betroffenen sei und zweitens die öffentliche Hand unterm Strich viel günstiger kommen würde, so das Argument.

Dem Vernehmen nach ist es derzeit dennoch unwahrscheinlich, dass es mittelfristig zu den von den Hilfsorganisationen geforderten finanziellen Anpassungen kommt.

Wahrscheinlicher sind da schon Verbesserungen bei der Qualitätssicherung: Im Vorfeld forderte der Verein für das ÖQZ-24, das Österreichische Qualitätszertifikat für Personenbetreuung, dass die Qualitätskriterien rasch auf eine verbindliche Grundlage gestellt werden sollten.

Gütesiegel für alle

„Das ÖQZ-24 ist aktuell das einzige Regelwerk, welches Vermittlungsagenturen in puncto Qualitätssicherung in die Pflicht nimmt“, erklärten dazu die neuen Präsidiumsmitglieder, Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec (ÖVP) und die Präsidentin des Pensionistenverbands, Birgit Gerstorfer (SPÖ).

Ziel soll demnach sein, die ÖQZ-24-Richtlinien „generell für alle Vermittlungsagenturen verpflichtend zu machen“. Die ÖQZ-24-Zertifizierungsstelle habe sich seit ihrer Einführung im Jahr 2019 überdies als „bewährtes Überprüfungsorgan“ erwiesen, hieß es.

Wobei Branchenkenner darauf hinweisen, dass höhere Qualitätsstandards erst recht wieder die Betreuung verteuern werden.

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