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Politik EU-Wahl
05/27/2019

Wählerströme: Wo die Parteien ihre Stimmen her hatten

Die ÖVP konnte sehr viele ihrer Wähler von der Nationalratswahl für die EU-Wahl mobilisieren. Ibiza-Affäre könnte sich weniger stark ausgewirkt haben als gedacht.

von Peter Temel

Auf den ersten Blick könnte man denken: Alles klar, viele enttäuschte FPÖ-Wähler sind bei der EU-Wahl zum ehemaligen Regierungspartner ÖVP gewechselt. Die Wählerstromanalyse der APA zeigt aber ein anderes Bild. Hier die größten Auffälligkeiten im Vergleich mit den Nationalratswahlen von 2017.

Interaktive Grafik: Klicken Sie auf den Kreis der entsprechenden Partei. Je nachdem, ob man mit der Maus über den oberen oder den unteren Balken fährt, sieht man die abgegebenen oder die neu hinzugekommenen Stimmen.

  • EU-Wahlen haben immer eine geringere Wahlbeteiligung als Nationalratswahlen. In absoluten Zahlen war der Abfluss an die Gruppe der Nichtwähler bei FPÖ (665.000) und ÖVP (376.000) am größten. Bei der SPÖ waren es 225.000.
  • ÖVP mobilisierte am besten: Die ÖVP konnte 1,1 Millionen ihrer fast 1,6 Millionen Wähler von den Nationalratswahlen 2017 am Sonntag an die Wahlurnen bringen, das entspricht rund 69 Prozent. Dies war der Hauptgrund für den Wahlerfolg. Interessant: Türkis konnte demnach sogar mehr SPÖ-Wähler (96.000) als FPÖ-Wähler (62.000) von einem Wechsel überzeugen. 
  • SPÖ verlor an alle Wählergruppen: Die SPÖ konnte laut der Wählerstromanalyse nur 814.000 ihrer 1,36 Mio. Wähler auf sich vereinen, also rund 59 Prozent. Neben den Nichtwählern (225.000) gab die SPÖ verglichen mit der Nationalratswahl 2017 auch an die anderen Parteien relativ viele Stimmen ab. 130.000 an Grün, 96.000 an Türkis, 54.000 an Neos. Umgekehrt konnte man nur ganz wenig Stimmen von anderen Parteien an sich ziehen.
  • FPÖ brachte ihre Fans nicht zum Wählen: An den leichten Verlusten der FPÖ dürfte vor allem mangelnde Mobilisierung schuld sein. Nur 39 Prozent der Wähler von 2017 kamen bei der EU-Wahl wieder. Die tendenziell EU-kritischen Blau-Wähler bleiben Europawahlen traditionell eher fern als die Sympathisanten anderer Parteien. Aber diesmal dürften besonders viele FPÖ-Fans zu Hause geblieben sein. Ein Grund dafür könnte natürlich die eine Woche vor der Wahl ausgebrochene Ibiza-Affäre gewesen sein.
  • Wenig FPÖ-Wähler gingen zu Türkis: Dass enttäuschte Blau-Wähler zu Türkis gehen könnten, scheint keine ausgemachte Sache zu sein. Die FPÖ verlor nur 63.000 Wähler an die ÖVP, das sind kurioserweise mit 43.000 Blau-Sympathisanten gar nicht viel wenig er diesmal zu den Grünen. Falls die FPÖ es schafft, die Nichtwähler von gestern bis zum Herbst wieder zu motivieren, könnte sich der Absturz bei den Neuwahlen in Grenzen halten.
  • Viele grüne Heimkehrer: Die Grünen konnten viele - offenbar verliehene - Stimmen von der SPÖ zurückholen (130.000), aber auch von Liste Jetzt (81.000) Neos (77.000) und sogar von Blau (43.000).
  • Neos gewannen Stimmen von allen Parteien: Auch die Neos saugten stark bei der SPÖ ab (54.000 Stimmen), etwas weniger bei der ÖVP (37.000).
  • Liste Jetzt konnte Grün-Wähler nicht halten: Der Absturz von Voggenhubers Wahlbündnis Jetzt/1 Europa dürfe vor allem daran liegen, dass viele Pilz-Wähler von 2017 wieder in den Schoß der Grünen zurückgekehrt sind.

 

 

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