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Politik EU-Wahl
05/20/2019

Nach Ibiza-Affäre ist Europawahl "nur mehr ein Etikett"

Meinungsforscher wagen keine Prognosen für den Sonntag, sind aber einig: EU-Wahl wird erster Test für Nationalratswahl.

von Andreas Puschautz

Auch, wenn mittlerweile ganz Österreich nur mehr über das Platzen von Sebastian Kurz' Türkis-Blau-Projekt und die dadurch vor der Türe stehende Neuwahl des Nationalrats spricht: Die Ibiza-Affäre der FPÖ platzte eigentlich mitten in den Wahlkampf-Endspurt für die Europawahl an diesem Sonntag (26. Mai).

Wie sich das Scheitern der Koalition auf die EU-Wahl auswirkt, wagt angesichts der sich überschlagenden Ereignisse wenige Tage vor der Wahl niemand zu prognostizieren - erst recht nicht die Profis.

"In dieser ungeheuren Dynamik ist jede Prognose schwer", sagt etwa OGM-Chef Wolfgang Bachmayer zum KURIER. Besonders, um wie viel die durch das Video ihrer Spitzenrepräsentanten Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus blamierte FPÖ unter ihrem "respektabel vorhergesagten Ergebnis" liegen wird, ist für den erfahrenen Meinungsforscher "schwer vorherzusagen".

Zwei mögliche Effekte

Denn es gebe zwei mögliche Effekte: Entweder könnten sich enttäuschte FPÖ-Wähler, die ohnehin als tendenziell EU-wahlfaul gelten, durch den Skandal frustrieren lassen und teils zur ÖVP, teils ins Nichtwähler-Lager wechseln.

 

Bachmayer hält aber ebenso eine "Jetzt erst recht"-Mentalität für möglich. Sprich, dass die Freiheitlichen zwar nicht auf die zuletzt prognostizierten 22-25 Prozent kommen, "letztlich aber doch besser abschneiden, als die niedrig gesteckten Erwartungen" es erwarten ließen. Immerhin brauche die FPÖ-Wählerschaft "Kampf und Contra" und sei auch für Dolchstoßlegenden empfänglich, erinnert Bachmayer.

Keine seriöse Umfrage mehr möglich

In jedem Fall hält er aufgrund der zahlreichen Unwägbarkeiten jede weitere Umfrage vor der Wahl für nicht zielführend - und ist damit derselben Meinung wie Peter Hajek von Hajek Public Opinion Strategies.

"Vollkommen unmöglich" sei eine zuverlässige Umfrage unter den gegebenen Umständen, sagt Hajek: "Wir wissen weder, wo die Angelegenheit mobilisierend wirkt, noch, wo sie demobilisierend wirkt."

Zwar sei wahrscheinlich, dass der Skandal Oppositionswähler eher zu den Urnen treibt und gleichzeitig FPÖ-Wähler zuhause bleiben lässt. Wie stark diese Effekte sein werden, können die Meinungsforscher jedoch überhaupt nicht einschätzen. Ebensowenig übrigens wie den Effekt der Ibiza-Affäre auf ÖVP-Wähler.

Nur eines sei sicher, sagt der Politikberater: Die Wahl am Sonntag sei keine Europawahl mehr, sondern "die erste Testwahl für die Nationalratswahl". Dem stimmt auch Bachmayer zu: "Europawahl ist nur mehr ein Etikett, das draufsteht."