Trumps Ex-Berater über Iran-Ultimatum: "Sein typisches Gepolter"
John R. Bolton, ehemaliger Nationale Sicherheitsberater von Donald Trump, ist mittlerweile zu einem scharfen Kritiker des US-Präsidenten geworden. Er wirft ihm vor, den Iran-Krieg vollkommen unvorbereitet begonnen zu haben, die Entscheidungen Trumps seien zudem immer chaotischer.
Das bekräftigte Bolton auch am Dienstagabend im ZiB 2-Interview mit Armin Wolf. Die Reaktion Trumps nach Ablauf des Ultimatums gegenüber dem Iran sei nur schwer vorhersehbar, aber: "Ich denke, es ist Trumps typisches Gepolter. Ich weiß nicht, was er tun wird, wenn die Frist um 20 Uhr Washingtoner Zeit ohne eine Vereinbarung abgelaufen ist. Und es zeichnet sich keine Vereinbarung ab."
Nuklearwaffeneinsatz im Iran? "Chancen gleich Null"
Für die Zeit nach Fristablauf hielt Bolton es für möglich, dass es „starke Angriffe auf Brücken und andere Infrastruktur“ des Iran geben könne, Trump aber zugleich darstellen werde, er habe den Angriff „gemildert“ und gebe dem Iran etwa „sieben weitere Tage Frist“. Spekulationen über einen etwaigen Nuklearwaffeneinsatz wies Bolton zurück und sagte, die Chancen dafür schätze er „auf Null“.
Auf die Frage, wie eine Ankündigung, die zivile Infrastruktur des Iran „vollständig zu zerstören“, zu bewerten sei, meinte der Ex-Berater Trumps, nur weil etwas wie zivile Infrastruktur aussehe, könne es ein legitimes militärisches Ziel sein, etwa wenn Kraftwerke Militärbasen oder Produktionsbetriebe versorgten. Bolton verwies zudem auf Schätzungen, wonach die Revolutionsgarden im Iran 40 Prozent der Wirtschaft besäßen. Entscheidend sei die Verhältnismäßigkeit bei einem Kollateralschaden. Zugleich sagte Bolton, Trump habe erklärt, ob es Völkerrecht verletze oder ein Kriegsverbrechen sei, kümmere ihn nicht. Er selbst erwarte, dass das US-Militär sich an seine Ausbildung und Grundsätze halten werde, betont Bolton.
Spekulationen über Trumps mentale Gesundheit halte er für „gefährlich“, Diagnosen überlasse er lieber Ärzten. „Ich bin Jurist“, so Bolton.
"Geduld und Ausdauer" für Regimewechsel im Iran
Mit Blick auf die bisherigen Kriegswochen sagte Bolton, es habe tatsächlich einen Regimewechsel im Iran gegeben, „allerdings hin zu den noch extremeren Revolutionsgarden“. Der ehemalige Sicherheitsberater betonte, es habe 47 Jahre gedauert, bis Ayatollahs und Revolutionsgarden die Diktatur im Iran aufgebaut hätten, während man dieses System nun "erst seit sechs Wochen" bekämpfe. Es brauche „Geduld und Ausdauer“, das Regime stehe unter Druck: "Wir haben eine vorzeitige Nachfolgekrise ausgelöst, indem wir den obersten Führer und hunderte führende Persönlichkeiten beseitigt haben."
Zum möglichen Kriegsverlauf sagte Bolton, Trump wolle „verzweifelt herauskommen“, könne aber keinen ernsthaften Sieg verkünden, solange die Straße von Hormuz geschlossen sei. Er sagte, es wäre „angebracht“, die Aktionen zu intensivieren, um die Straße von Hormuz schneller zu öffnen und Öl aus den Golfstaaten auf die globalen Märkte zu bringen.
Trump wolle Europa mit Grönland-Anspruch "ärgern"
Zu Trumps Aussage „wir brauchen Grönland“ meinte Bolton, er glaube, Trump wolle damit „nur die Europäer ärgern“. Eine tatsächliche militärische Einnahme Grönlands hält er für unwahrscheinlich und sagte, in einem solchen Fall würde Trump „des Amtes enthoben werden“; selbst die Republikanische Partei würde eine solche Militäraktion nicht unterstützen. "Ich glaube, wir sind derzeit im Iran ziemlich beschäftigt und ich hoffe, dass der Präsident das zu Ende bringt," so Bolton.
Kommentare