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Politik Ausland
11/27/2019

Warum die Generation 70 plus im Rennen ums Weiße Haus vorne liegt

Ein US-Politikexperte über die "Alten, die nicht Platz machen wollen", im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur.

von Konrad Kramar

Schon die erste Botschaft des US-Politikwissenschafters ist ernüchternd. "Es wird keinen Ritter auf dem weißen Pferd mehr geben, der in den nächsten Wochen aus dem Nichts auftaucht", macht Justin Gest deutlich: "Die Zeit ist längst zu knapp geworden, um das notwendige Geld für eine Präsidentschaftskandidatur aufzustellen. Das heißt, jetzt können nur noch Superreiche ins Rennen bei den Demokraten einsteigen."

Neben ihm ist Trump Kleinhäusler

Einer hat das gerade getan: Michael Bloomberg, Multimilliardär, neben dem Trump wie ein Kleinhäusler wirkt und der den 73-jährigen US-Präsidenten auch altersmäßig in den Schatten stellt. Bloomberg ist 77.

Starker linker Flügel

Ein Alter, das sich lückenlos in das Feld der demokratischen Favoriten für das Rennen ums Weiße Haus einreiht. Bernie Sanders, der Held des linken Parteiflügels, ist 78, Elisabeth Warren, ebenfalls klar links der Mitte, ist 70, Ex-Vizepräsident Joe Biden kommt auf 77 Lebensjahre.

Während also von Europa bis Kanada politische Jungstars von Sebastian Kurz bis Justin Trudeau für eindrucksvolle Wahlerfolge sorgen, wird die nächste US-Präsidentschaft wohl unter der Generation 70 plus entschieden.

"Alter als Tugend"

Für den Politologen Gest durchaus in der Tradition der ohnehin traditionsbewussten US-Politik: "In den USA waren Präsidenten unter 55 lange unvorstellbar. Auch wenn Obama das genaue Gegenmodell war, für US-Präsidenten ist höheres Alter grundsätzlich eine Tugend." Den eigentlichen Grund für das Seniorenrennen um die Kandidatur sieht Gest aber in der politischen Praxis bei den Demokraten: "Die Partei wird seit Jahren von über Siebzigjährigen gesteuert. Die haben Routine in Machtkämpfen. Diese Alten weigern sich, Platz zu machen."

Auf der Ersatzbank ist die Luft knapp

Zwar hätten die Demokraten eine ganze Reihe von jungen Kräften auf der Ersatzbank, doch die schafften es nicht, zu den Veteranen aufzuschließen: "Auf der Ersatzbank ist es inzwischen ziemlich eng geworden, dort gibt es kaum politische Luft zum Atmen. Wenn also die junge Generation auf einmal doch aufs Spielfeld darf, macht sie recht schnell schlapp."

Der einzige Jüngere, dem die meisten US-Experten noch Chancen auf die Kandidatur zubilligen, ist Pete Buttigieg aus Indiana. Der ist gerade einmal 37, ein guter Redner und gilt als Pragmatiker aus der politischen Mitte. Trotzdem, so Gest, werde er es schwer haben. Vor allem mangelnde Erfahrung in der Washingtoner Spitzenpolitik – Buttigieg war bisher lediglich Bürgermeister einer Provinzstadt – sei eine Bürde in einem voraussichtlich sehr teuren und sehr schmutzigen Wahlkampf.

Derzeit jedenfalls sieht der Politologe Elisabeth Warren als Favoritin. Die sei klar links positioniert und habe damit die besseren Chancen bei der deutlich nach links gewanderten Parteibasis. Denn die entscheide nun einmal die US-Vorwahlen: "Warren hat sich zum Sprachrohr für den ganzen Frust und Ärger der US-Linken gemacht."

Um aber gegen Trump zu bestehen, müsse sie in die politische Mitte. Denn die ist durch Trumps Rechtsruck unbesetzt. Andernfalls, so Gest, bliebe den gemäßigten US-Bürgern, nur die Entscheidung zwischen zwei Übeln: "Trump wählen oder einen linken Demokraten – beides mit zugehaltener Nase."

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